1.
Saison 1965/66: Die beste Auf­takt-Mann­schaft
Bun­des­liga-Neu­ling Tas­mania Berlin wollte am ersten Spieltag den Grund­stein für eine Erfolgs­ge­schichte legen. Da Hertha BSC wegen unlau­terer Prä­mien-Zah­lungen aus der Bun­des­liga ver­bannt worden war und die poten­zi­ellen Ber­liner Nach­rü­cker Tennis Borussia und Span­dauer SV in der Auf­stiegs­runde schei­terten oder den Auf­stieg aus finan­zi­ellen Gründen ablehnten, ent­schied sich der DFB den Dritt­plat­zierten der West­ber­liner Regio­nal­liga mit ins Boot zu holen. Und die Über­ra­schungs­auf­steiger aus der Haupt­stadt star­teten furios: Der Karls­ruher SC wurde vor 81.524 Zuschauern im Olym­pia­sta­dion mit 2:0 bezwungen, ein Traum schien wahr zu werden. Leider erwies sich der Kader ins­ge­samt als zu schwach, um in der Bun­des­liga zu bestehen, am Ende der Saison stand nur ein wei­terer Sieg zu Buche. Tas­mania musste mit einer Hand voll Minus­re­korden zurück in die Zweit­klas­sig­keit. Zumin­dest ist Tas­mania bis heute die ein­zige Mann­schaft, die in allen Auf­takt­spielen ohne Gegentor und Punkt­ver­lust blieb.

2.
Saison 1968/69: Wenn der Meister strau­chelt
Wenn die neue Saison startet, gucken alle auf den Meister. So war es auch beim teil­weise neu for­mierten Club“ aus Nürn­berg. Ale­mannia Aachen hoffte am ersten Spieltag der Saison 1968/69, dem FCN zumin­dest ein Unent­schieden abringen zu können. Es kam anders. Wäh­rend die Nürn­berger noch in meis­ter­li­chen Erin­ne­rungen schwelgten, rannten sich die Aachener die Seele aus dem Leib. Heinz-Gerd Klos­ter­mann schnürte einen Drei­er­pack (mehr Tore nach einem ersten Spieltag hatte mit vier Tref­fern nur Klaus Fischer 1971 auf dem Konto) und machte damit die Sen­sa­tion per­fekt, 1:4. Der Club“ war trotz guter Leis­tung ange­schlagen. Auch schien das Spiel weg­wei­send: Die Nürn­berger stiegen als bisher ein­ziger amtie­render Meister ab.

3.
Saison 1970/71: Acht Tore zum Start
Mit einem der tor­reichsten Auf­takt­spiele der Geschichte star­tete Hertha BSC gegen den 1. FC Kai­sers­lau­tern (5:3) in die achte Bun­des­li­ga­saison. Nur Bayern gegen Lever­kusen 1981 (6:2) und Bremen gegen Nürn­berg 1986 konnten da mit­halten. Und es ging hin und her im Olmy­pia­sta­dion: Dreimal lagen die Ber­liner zurück, dreimal kamen sie wieder. Am Ende der Saison wurden bei­nahe alle betei­ligten Hertha-Akteure im Zuge des Bun­des­li­ga­skan­dals für meh­rere Jahre gesperrt.

4.
Saison 1974/75: Der höchste Sieg
Die Bayern schienen den Abschied von Paul Breitner zu Real Madrid noch nicht so recht ver­kraftet zu haben. Als frisch geba­ckener Sieger im Lan­des­meister-Pokal und mit Welt­meis­tern wie Franz Becken­bauer, Sepp Maier und Gerd Müller gespickt, trat die Star­truppe an, um die Bun­des­liga 1974/75 erneut das Fürchten zu lehren. Kickers Offen­bach schien das nicht zu stören. Die Mann­schaft von Trainer Otto Reh­hagel zer­legte den FCB zum Sai­son­start glatt mit 6:0, der bis heute höchste Auf­takt­sieg. Siggi Held, Erwin Kostedde und Co. ver­passten dem Meister damit direkt die Rote Laterne. Am Ende der Spiel­zeit stand der 10. Tabel­len­platz. Den Pokal der Lan­des­meister ver­tei­digten die Münchner den­noch. Als Titel­ver­tei­diger waren sie damit eben­falls für das nächste Tur­nier der Besten qua­li­fi­ziert, wo sie 1976 den dritten Tri­umph in Folge fei­erten.

5.
Saison 1982/83: Das ver­patzte Debüt
Was sagte der Trainer noch in der E‑Jugend? Wenn ihr nicht wisst wohin mit dem Ball, dann ab ins Tor!“ Richtig! Uwe Rein­ders erin­nerte sich im Auf­takt­spiel gegen den FC Bayern an das etwas stumpfe Erfolgs­re­zept. Kurz vor der ersten Halb­zeit­pause der Saison 1982/83 stand der Bremer etwas ratlos beim Ein­wurf an der Sei­ten­linie, schließ­lich nahm er sich ein Herz und warf. Der Ball wurde länger und länger, und Bayern-Tor­hüter Jean-Marie Pfaff unter­lief den Ball, berührte ihn zugleich unglück­lich und ver­schul­dete in seinem ersten Bun­des­liga-Spiel eines der kurio­sesten Tore der Bun­des­liga-Geschichte. Beson­ders bitter: Hätte Pfaff den Ball nicht berührt und ein­fach durch­ge­lassen, hätte das Tor nicht gezählt.

6.
Saison 1986/87: Die meisten Tore
Erste Spiel­tage sind tückisch. Nie­mand möchte den Sai­son­start ver­patzen, die Aus­wir­kungen einer Auf­takt­nie­der­lage können sich durch die ganze Saison ziehen. Wohl auch des­halb fallen die Spiele zum Start gene­rell eher torarm aus. Nicht so in der Saison 1986/87. 5:0, 4:2, 1:4 und 5:3 hießen die spek­ta­ku­lärsten Ergeb­nisse. Ins­ge­samt brachten die Mann­schaften zum Auf­takt 42 Tore zustande – Auf­takt-Rekord! 

7.
Saison 1991/92: Aus dem Osten an die Spitze
Auf Jahre hinaus wird unsere Natio­nal­mann­schaft unschlagbar sein.“ Die Worte Franz Becken­bauers direkt nach dem WM-Titel 1990 mit Blick auf die Wie­der­ver­ei­ni­gung waren auch als Lob­prei­sung ost­deut­scher Fuß­ball­spieler gemeint. Nachdem Stars wie Mat­thias Sammer oder Andreas Thom bereits in die Bun­des­liga gewech­selt waren, wollten sich nun auch die Ros­to­cker einen Namen machen. 1991 traten sie gemeinsam mit Dynamo Dresden erst­mals im gesamt­deut­schen Ober­haus an – und besiegten den 1. FC Nürn­berg mit 4:0: Tabel­len­füh­rung am ersten Spieltag! Leider hatten die fol­genden Lobes­hymnen wie auch Franz Becken­bauers These wenig Bestand. Die so ver­hei­ßungs­voll gestar­tete Saison endete mit dem Abstieg.

8.
Saison 1997/98: König Otto ist zurück
Im Sommer 1996 war Otto Reh­hagel in Mün­chen geschasst worden, ein Jahr später kehrte er mit dem FCK ins Olym­pia­sta­dion zurück – und fei­erte eine der größten Auf­takt­über­ra­schungen aller Zeiten. Wäh­rend Mario Basler, Gio­vane Elber und Rug­giero Riz­zi­telli ver­geb­lich ver­suchten, eine Bla­mage zu ver­hin­dern, reichte dem Auf­steiger wie so häufig eine Stan­dard­si­tua­tion, um die Sen­sa­tion per­fekt zu machen. Auf Vor­lage von Ciriaco Sforza häm­merte Michael Schjön­berg den Ball in der 80. Minute per Kopf an Oliver Kahn vorbei ins Netz. End­stand: 0:1. Otto Reh­hagel setzte nach dem Spiel zum Jubel­sprint über den ganzen Platz an und äußerte sich diplo­ma­tisch zu seiner Zeit in Mün­chen: Das war doch inter­es­sant, was ich in Mün­chen erlebt habe, ich hab einige Men­schen ken­nen­ge­lernt.“ Der Rest der Geschichte ist bekannt: Kai­sers­lau­tern wurde als bis heute ein­ziger Auf­steiger direkt Deut­scher Meister.

9.
Saison 2003/04: Aggro-Asa­moah
Ein Derby zum Start, was will man mehr? Borussia Dort­mund trat zu Beginn der 40. Saison beim FC Schalke an. Hamit Alt­intop traf dop­pelt, ein schied­lich fried­li­ches 2:2‑Unentschieden schien die neue Saison zu eröffnen. Eine Beson­der­heit gab es aller­dings: In der 92. Minute geriet Gerald Asa­moah mit Dort­munds Marcio Amo­roso anein­ander – und kas­sierte Rot. Er ist somit der ein­zige Spieler der Bun­des­li­ga­ge­schichte, der am ersten Spieltag zwei Platz­ver­weise kas­siert hat. Zwei Jahre zuvor, in der Saison 2001/02 hatte er am ersten Spieltag die Gelb-Rote Karte bekommen. Dieses Jahr geht es für den Ur-Schalker im Dress von Greu­ther Fürth in einem wei­teren Auf­takt-Derby gegen die Bayern.

10.
Saison 2004/05: Ein Start ohne Span­nung
Bei Bau­ar­beiten in der Nähe des Weser­sta­dions hatte ein Bag­ger­fahrer pünkt­lich zum Auf­takt 2004 ver­se­hent­lich eine Haupt­lei­tung durch­trennt. Und so gingen drei Minuten vor Anpfiff der Partie Werder Bremen gegen Schalke 04 die Lichter aus. Fern­seh­zu­schauer wurden mit Stand­bil­dern und Aus­weich­pro­gramm bei der Stange gehalten. Neben Bil­dern von der Bremer Meis­ter­feier kamen auch Schla­ger­stars wie Vicky Lean­dros und Jürgen Marcus zum Zuge. Wäh­rend­dessen war ein Groß­teil der Über­wa­chungs­sys­teme aus­ge­fallen, das Flut­licht funk­tio­nierte aller­dings vor­erst. Trotz La Ola“ und Fuß­ball geht auch ohne Strom“-Sprechchören wurde das Spiel jedoch nicht ange­pfiffen. Als es dann doch los­gehen sollte, fielen drei der vier Flut­licht­masten aus. Die Saison star­tete in Bremen schließ­lich mit ein­stün­diger Ver­spä­tung. Ger­hard Del­ling kom­men­tierte die Partie mit einem Sound á la WM-Finale 1954 über das Telefon. Werder Bremen siegte am Ende mit 1:0.