Wer am 03. Sep­tember 2017 zur Prime­time die ARD ein­schal­tete, hörte nur bekannte Phrasen und sich neu­tra­li­sie­rende Poli­tiker. Das ein­zige TV-Duell vor der Bun­des­tags­wahl zwi­schen Angela Merkel und Martin Schulz bot kaum neue Erkennt­nisse. Inter­es­santer wurde es, wenn man sich am selben Abend die Län­der­spiele anschaute. Denn da gab es einen Wen­de­punkt zu bestaunen. Die luxem­bur­gi­sche Natio­nal­mann­schaft sollte spä­tes­tens seit diesem Tag für viele nicht mehr als Fuß­ball­zwerg ange­sehen werden.

Not­hing Tou­louse“, titelte die luxem­bur­gi­sche Zei­tung Tage­blatt“, bevor die roten Löwen am 8. Spieltag der WM-Qua­li­fi­ka­tion nach Frank­reich reisten. Les Bleus“ waren zu diesem Zeit­punkt noch nicht qua­li­fi­ziert, wes­wegen Didier Deschamps die Crème de la Crème des fran­zö­si­schen Fuß­balls auf­bietet: Antoine Griez­mann, Kylian Mbappé, Paul Pogba. Auf der Gegen­seite: No-Names. Doch das sollte sich ändern. 

Mil­lionen-Truppe gegen No-Names

Auch wenn Didier Deschamps seine Männer im Vor­feld pflicht­schuldig warnte, klar war: Luxem­burg war der krasse Außen­seiter. Zu oft hörte man die Ver­gleiche der Markt­werte oder die Ver­gleiche der Ein­woh­ner­zahlen. Und wäh­rend des Spiels? Frank­reich domi­nierte, Luxem­burg ver­tei­digte – wie hätte es auch anders kommen können. Ein­bahn­straße würde der Ver­kehrs­teil­nehmer sagen, doch zum Halb­zeit­pfiff stand Frank­reich im Stau. 0:0. Mit jeder wei­teren Minute, in der die Fran­zosen wieder an einem Bein der Luxem­burger hängen blieben, an der Latte schei­terten oder an sich selbst, wurden die Blauen sicht­lich ner­vöser. Bis sie in der 78. Minute für natio­nales Herz­fla­ckern sorgten. Luxem­burg spielte den ersten Konter aus, Gerson Rodri­gues, der zu diesem Zeit­punkt noch in der zweiten nie­der­län­di­schen Liga spielte, ließ Lau­rent Koscielny stehen und schob den Ball an Hugo Lloris vorbei. Pfosten. 

Am Ende steht es 0:0, Luxem­burg fei­erte die größte Sen­sa­tion seiner jün­geren Fuß­ball­ge­schichte. Nur zehn Monate später standen sieben der Spieler, die auch gegen Luxem­burg debü­tierten, in der Startelf des WM-Finals und krönten sich zum Welt­meister. Wie weit ist Luxem­burg also noch von einer Teil­nahme an einer inter­na­tio­nalen End­runde ent­fernt?