Strah­lender Son­nen­schein an diesem Morgen über Kre­feld. Und auch wenn sich so man­cher müde drein­schau­ender Nach­wuchs­ki­cker nur langsam auf das Gelände des SV Oppum bewegt, herrscht auf dem Kunst­ra­sen­platz bereits buntes Treiben. 35 Jugend­liche sind zu Gast im Horst Köppel Fuß­ball­camp von Kyo­cera. Bälle fliegen durch die Luft, schreiend jagt sich eine Gruppe Jungs gegen­seitig über den Platz. In einer Ecke jon­glieren fünf von ihnen eifrig mit dem Ball. Als Horst Köppel den Trai­nings­platz betritt, begrüßt er einen anwe­senden Vater per Hand­schlag. Ein lockerer Spruch, lautes Gelächter, man kennt sich mitt­ler­weile. Schließ­lich macht Horst Köppel mit seiner Fuß­ball­schule bereits seit einer Woche Halt in Kre­feld. Und er ist nicht allein, denn um die 35 Jugend­li­chen zwi­schen sechs und 13 Jahren ange­messen zu betreuen, braucht es schon einen grö­ßeren Trai­ner­stab. Mit dabei sind alte Weg­ge­fährten von Horst Köppel: Der Ex-Profi Rudi Gores sowie Michael Schrank und Georg Krah­winkel.



Köppel ruft die Jugend­li­chen zu einer kurzen Bespre­chung zusammen. Die Gruppe hört gespannt zu, einige drib­beln immer noch nervös mit dem Ball. Die Jugend­li­chen werden je nach Alters­klasse in drei Gruppen auf­ge­teilt und ver­teilen sich jeweils mit einem Trainer auf das weit­läu­fige Gelände. Horst Köppel nimmt ein paar Leib­chen zusammen und schaut sich abwech­selnd das Auf­wärm­pro­gramm seiner Kol­legen an. Zeit für ein Gespräch.


Horst Köppel, Sie arbeiten in ihrem Fuß­ball­camp mit Ihren alten Weg­ge­fährten zusammen. Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie die Men­schen kennen, mit denen Sie zusam­men­ar­beiten?


Es ist für mich enorm wichtig zu wissen, wie die Kol­legen arbeiten und vor allem wie sie cha­rak­ter­lich drauf sind. Gerade im Umgang mit Kin­dern und Jugend­li­chen muss man schon päd­ago­gi­sches Geschick haben. Des­wegen achte ich darauf, dass ich mit Men­schen zusam­men­ar­beite auf die ich mich ver­lassen kann. Denn neben den ganzen fuß­bal­le­ri­schen Dingen sollen die Kinder auch ein paar wich­tige cha­rak­ter­liche Eigen­schaften erfahren. Wir sind zwar nicht die Eltern und wollen die Jungs auch ganz bestimmt nicht erziehen, aber wich­tige sport­liche Werte wie Team­geist und Fair­ness wollen wir ihnen schon nahe bringen. Das steht für uns über allem.

Als ehe­ma­liger Trainer der U23-Mann­schaften in Dort­mund und Mön­chen­glad­bach haben sie ja schon Erfah­rungen in der Arbeit mit jungen Men­schen gesam­melt. Kann man die Arbeit in ihrer Fuß­ball­schule über­haupt mit ihrer Arbeit in den Jugend­ab­tei­lungen der Bun­des­li­gisten ver­glei­chen?

Natür­lich ist das hier nicht zu ver­glei­chen mit den Jugend­li­chen, die ich in Mön­chen­glad­bach oder Dort­mund trai­niert habe. Das waren ja schon Halb­profis, auf die ich in den Jugend­ab­tei­lungen getroffen bin. Größ­ten­teils sind aus ihnen ja dann rich­tige Profis geworden. In meiner Fuß­ball­schule fangen wir auf einem ganz andern Level an. Hier ist vor allem der Lern­ef­fekt noch wichtig. Einige von den Jungs hier fangen wirk­lich bei Null an. Bei denen ist es vor allem wichtig, dass man ihnen die Freude am Spiel und der Bewe­gung ver­mit­telt. Natür­lich wollen wir sie auch fuß­bal­le­risch ver­bes­sern, damit sie mög­lichst beim Fuß­ball bleiben. Aber bei uns wird keiner zum Star gemacht, das können wir auch gar nicht leisten. Hier geht es wirk­lich darum, dass den Jugend­lich der Spaß am Fuß­ball und der Bewe­gung ver­mit­telt wird.

Wenn man bei Null startet, ergibt sich auto­ma­tisch die Chance die Jugend­li­chen in allen Berei­chen zu ver­bes­sern. Aller­dings ist das in einer Woche nur sehr schwer zu ver­wirk­li­chen. Auf welche Schwer­punkte kon­zen­trieren sie sich in ihrer Fuß­ball­schule?

Laufen können die Jungs alle, da brau­chen wir ihnen nichts erklären. Fuß­ball, das sagt das Wort ja schon, besteht aber vor allem aus Fuß und Ball. Des­wegen steht bei uns der tech­ni­sche Bereich klar im Vor­der­grund, denn das ist nun mal das A und O. Manche sind doch noch etwas unge­schickt am Ball, und da rei­chen oft ein paar ein­fache Hin­weise, um sie zu ver­bes­sern. Denn das ist das Tolle an der Arbeit hier, die Jungs wollen etwas lernen, und des­wegen zeigen wir ihnen auch die Dinge, die ihrem Alter ange­messen sind. Denn wenn man sich tech­nisch ver­bes­sert, dann nimmt auto­ma­tisch die Freude am Spiel zu. Und darum soll es hier gehen.

Wenn sie an ihre Jugend denken und die Mög­lich­keiten, die sie damals hatten, um Fuß­ball zu spielen: Hätten sie sich eine solche Fuß­ball­schule gewünscht?


Ich bin kurz nach dem Krieg auf­ge­wachsen. So etwas wie hier gab es damals bei uns natür­lich nicht. Einer­seits hatten wir andere Sorgen, aber ande­rer­seits war es ja auch gar nicht not­wendig. Wir haben eben ein­fach auf der Straße gespielt. Ein paar Jungs haben sich in der Nach­bar­schaft immer zusammen gefunden. Dann haben wir ein­fach ein paar Tore gebaut und gespielt, gespielt, gespielt. So etwas kennen die Kinder von heute ja gar nicht mehr. Es gibt ja auch gar nicht mehr die Mög­lich­keiten. Wenn man spielen möchte, dann muss man heute schon in den Verein, weil auf den Straßen kein Platz mehr ist. Und die­je­nigen, die nicht im Verein sind, denen wollen wir vor allem hier in den Spaß am Spiel ver­mit­teln.


Die Teil­nehmer am Horst Köppel Fuß­ball­camp sind im Alter von sechs bis 13 Jahren. Sagt diesen Jungs der Namen Horst Köppel über­haupt noch etwas?


Als Spieler kennen mich die wenigsten. Eher als Trainer, denn mein Enga­ge­ment bei Borussia Mön­chen­glad­bach ist noch nicht allzu lange her. Doch der heu­tige Fuß­ball ist so schnell­lebig, wenn man mal drei, vier Jahre aus dem Geschäft weg ist, dann ver­gessen einen die Jugend­li­chen schon. Für mich ist auch nicht so wichtig, ob mich die Jungs nun kennen oder nicht. Und ihnen ist es auch egal. Wichtig ist doch, wie wir mit den Jugend­li­chen umgehen. Und wenn man mal in ihre Gesichter schaut, dann sieht man, dass sie Spaß haben. Und das ist mir wich­tiger, als dass mich jemand erkennt.

In den letzten Jahren sind immer mehr extrem junge Spieler in den Pro­fi­fuß­ball gerückt. Merken sie, dass Spieler wie Marko Marin als Vor­bilder für die Jugend­li­chen funk­tio­nieren?

Ganz klar. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel die Jungs über Fuß­ball wissen. Wir machen ja jeden Tag in der Mit­tags­pause ein Quiz und da ist man schon manchmal erstaunt, welche Infor­ma­tionen sie alle haben. Über den heu­tigen Fuß­ball scheinen sie sogar teil­weise besser infor­miert zu sein als wir. Was den Fuß­ball von früher angeht, da wissen sie nicht mehr so gut bescheid. Ges­tern haben wir zum Bei­spiel gefragt, wel­cher Spieler die meisten Tore für Borussia Mön­chen­glad­bach geschossen hat. Da sprang einer auf und rief ganz stolz »Berti Vogts«. Das war dann leider knapp daneben. (lacht)

Sie haben jetzt ins­ge­samt eine Woche mit den Jugend­li­chen zusammen gear­beitet. Kann man bei einigen Teil­neh­mern schon Ver­bes­se­rungen erkennen?


Wenn man die Spiele am ersten Tag mit den heu­tigen Abschluss­spielen ver­gleicht, dann ist da schon ein klarer Fort­schritt zu erkennen. Ich kann da nur die Jungs loben, die jeden Tag mit vollem Elan dabei waren und wirk­lich toll mit­ge­macht haben. Natür­lich sehen wir uns so auch bestä­tigt, dass man den Jugend­li­chen mit Spaß am Spiel eine Menge mehr mit­geben kann, als wenn man sie zu irgend­einer Übung über­reden muss. Ich würde sagen, dass sich sicher­lich 90 Pro­zent der Teil­nehmer vor allem im tech­ni­schen Bereich ver­bes­sert haben. Die rest­li­chen zehn Pro­zent hatten aber zumin­dest Spaß. (lacht)

Es gibt ja auch einige andere Kol­legen von früher, die ihre eigene Fuß­ball­schule betreiben. Wie eng arbeiten sie mit den alten Weg­ge­fährten zusammen?


Natür­lich schaut man mal bei den Kol­legen vorbei und spricht über die Arbeit mit den Jugend­li­chen. Der große Unter­schied zu meiner Fuß­ball­schule ist aller­dings, dass ich immer vor Ort bin. Das liegt aber auch mit Sicher­heit daran, dass ich meine Fuß­ball­schule bisher nur einmal im Jahr ver­an­stalte. Ganz alleine kann man es aller­dings nicht durch­ziehen, da braucht es auch immer Leute, die im Hin­ter­grund mit­ar­beiten und dieses Fuß­ball­camp zu dem machen was es ist.

Das Horst Köppel Camp findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt. Wie sieht es in der Zukunft aus? Werden im nächsten Jahr wieder ein paar Jugend­li­chen Tricks von Horst Köppel lernen können?

Momentan gibt es Pla­nungen, dass wir unser Camp bun­des­weit aus­breiten. Aller­dings ist da noch keine feste Zusage von Seiten der Spon­soren. Wir wollen schon wei­ter­ma­chen, weil uns die Arbeit mit den Jugend­li­chen unglaub­lich viel Spaß macht.