Wir schreiben das Jahr 2000. Die Dotcom-Blase ist gerade mit lautem Knall geplatzt, da beschließen zwei smarte Jung­un­ter­nehmer anti­zy­klisch zu han­deln und mit fri­schem Ven­ture Capital aus dem Valley in einem viel­ver­spre­chende Internet-Domain zu inves­tieren: 11freunde​.de.

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Nein, Quatsch bei­seite. Im Mai 2000 hatten Rei­naldo Coddou und ich gerade die erste Aus­gabe unseres Fuß­ball­kul­tur­ma­ga­zins 11Freunde“ auf den Markt geworfen und wir brauchten unbe­dingt eine Home­page, um den hof­fent­lich zahl­rei­chen Abon­nenten den Weg zu uns zu weisen. Also ent­warf der Kol­lege ein form­schönes grünes Fuß­ball­feld mit einer simu­lierten Auf­stel­lung, unter deren Rücken­num­mern befanden sich die zahl­rei­chen Ange­bote unseres pro­spe­rie­renden Fach­ver­lags. Dar­unter natür­lich auch unsere 24 Stunden am Tag besetzte Hot­line, die in Wirk­lich­keit Rei­naldos Pri­vat­nummer war, auf der dann auch zu nacht­schla­fender Zeit hell­wache Abon­nenten anriefen, um Ände­rungen der Ver­sand­adresse durch­zu­geben.

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Irgend­wann wollten wir dann ins knall­harte News-Geschäft ein­steigen und kopierten die Home­page unseres Part­ner­ma­ga­zins Intro“. Unser form­schönes Logo ver­un­stal­teten wir durch eine große 11“ und ein kleines Freunde“, eine Gewich­tung, die noch viele Jahre später Jean-Marie Pfaff loben ließ Ich finde, die 11“ ist ein­fach ein tolles Magazin!“ In diesen Jahren ent­stand auch das längst legen­däre Leser­forum, in dem sich binnen weniger Monate eine bunte Schar von Para­dies­vö­geln, Exzen­tri­kern, Bes­ser­wis­sern, Que­ru­lanten und Humor­bomben ver­sam­melte – und das, lange bevor es Twitter gab. Diese Truppe sah die Redak­tion als eine Art läs­tiger Web­hoster, ent­fal­tete rasch ein dezi­diertes Eigen­leben und bestach durch spe­zi­ellen Humor wie etwa durch den Wett­be­werb Umschreiben von Spie­ler­namen“ (Bei­spiel: Kann ick nicht Mutti malen“. Lösung: Malik Fathi“). Der Auf­stieg von Face­book sorgte dafür, dass das ener­gi­sche Genöle über Artikel und Autoren sich auf Zucker­bergs Platt­form ver­la­gerte. Bedau­er­lich.

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Nun begann die Phase, in der wir durch diverse Über­ar­bei­tungen der Seite, soge­nannte Soft­laun­ches und halb­her­zige Über­ar­bei­tungen glaubten, mit dem rasanten Tempo des Digi­tal­zeit­geistes mit­halten zu können. Mit dem Erfolg, dass unsere Seite als­bald daherkam wie ein Anzei­gen­blatt aus den Sieb­zi­gern und Lade­zeiten hatte wie eine römi­sche Galeere in Asterix auf Kor­sika“. Dafür bahnte sich langsam eine spe­zi­elle Revo­lu­tion ihren Weg. Dirk Gie­sel­mann erfand den Live­ti­cker, genauer jene bahn­bre­chende Idee, in der Echt­zeit­be­glei­tung des Spiels nicht nur Tore, Fouls und Rudel­bil­dungen zu ver­melden, son­dern Aus­flüge in Lite­ratur, Pop­musik, Erotik und Politik zu nehmen. Diese Meta­ebene fand derart viel Anklang, dass heute kaum noch ein Live­ti­cker ohne eine spa­ßige Note aus­kommt – ein grau­en­volles Erbe von Dirk Gie­sel­mann, der wie viele andere auch aus­giebig vom Leser­fourm ver­ball­hornt wurde, unter anderem als Würg Die­sel­rein“. Selten so gelacht.

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Galt früher die soge­nannte Start­seite als Schau­fenster, in dem die Leser mal schauen können, was sie inter­es­siert, sind es fortan die sozialen Medien, die diesen Job über­nehmen. Was fix dazu führt, dass sich auch 11Freunde bei Face­book, Twitter, Youp…äh, You­tube und anderen sozialen Medien tum­melt und dabei auch, nun ja, einige Über­ra­schungs­er­folge ver­bu­chen. Bei­spiels­weise das soge­nannte The­men­früh­stück“, bei dem zwei unfri­sierte und oft nach­lässig geklei­dete Jungre­dak­teure auf einem Sofa durch die zu erwar­tenden Themen des Fuß­ball­tags schwa­dro­nieren. Ein Kon­zept, das ins­be­son­dere bei stu­den­ti­schen Nut­zern ankommt, die für den Vor­trag der Kol­legen gerne mal das eine oder andere Pro­se­minar sausen lassen und ins­be­son­dere dann die Kom­men­tar­spalte voll­tippen, wenn einer der beiden Redak­teure über­ra­schend doch mal beim Fri­seur war.

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Nun aber, im Jahre des Herrn 2020, zwei Jahr­zehnte nach der ersten Home­page ist doch die digi­tale Moderne bei uns ange­kommen. Die Home­page strahlt in aller Fri­sche, die Nut­zung ist intuitiv und die Gestal­tung modern. Und sogar die Lade­zeiten sind rasant, was ins­be­son­dere dem gründ­lich reno­vierten Live­ti­cker zugute kommt. Wir wün­schen viel Spaß beim Aus­pro­bieren und freuen uns über jede Anmer­kung, kri­tisch oder eupho­risch.