Seite 2: Nie wieder Ballermann!

Viele Profis über­legten sogar noch vor dem Sai­son­ende, ob sie ihren Som­mer­ur­laub nicht lieber in einem US-ame­ri­ka­ni­schen Fit­ness­tempel, denn am Strand von Dubai ver­bringen sollten. Nie­mand wollte mehr mit Über­ge­wicht zum ersten Trai­ningstag erscheinen. Trotz Ver­let­zungs­ge­fahr spielte ich in meiner eigent­lich doch Fuß­ball­freien Zeit Fuß­ball, um am ersten Trai­ningstag bloß keine Blasen an den Füßen zu bekommen. Selbst eine erfah­rene Fuß­baller-Sohle ver­weich­licht, wenn sie zwei Wochen an Flip­flops gewöhnt wird. Solche Anfän­ger­fehler macht man nur einmal!

Ver­dammte Sprint­tests!

Die Fett­mes­sung und Gewichts­kon­trolle, sowie die Über­prü­fung der Pulsuhr durch die Trainer, waren das end­gül­tige Aus für den sechs­wö­chigen Urlaub auf der Son­nen­liege. Ich war da eh ein spe­zi­eller Fall: Nicht nur, dass ich in halb­wegs annehm­bare Form wieder auf dem Trai­nings­platz erscheinen wollte, ich wollte gleich topfit sein. Dem­entspre­chend schuf­tete ich unter Palmen und Mit­tel­meer­sonne. Kein Über­ge­wicht, Fett­werte im ein­stel­ligen Bereich – so kam ich aus dem Urlaub zurück und freute mich regel­recht auf die harte Vor­be­rei­tung. Mit einer Aus­nahme: Wie gerne hätte ich die ver­dammten Sprint­tests abge­schafft!

Apropos Tests: Da ist der Krea­ti­vität der Trainer keine Grenzen gesetzt. Immer wieder werden neue erfunden, um Schwä­chen und Stärken der Spieler noch besser zu ana­ly­sieren. Als Jürgen Klins­mann 2004 die Natio­nal­mann­schaft über­nahm, instal­lierte er gleich eine ganze Reihe von neu­ar­tigen Übungen. Bei der Urlaubs­ge­stal­tung war sich aller­dings auch der Revo­lu­tionär“ Klins­mann einig: Die wenigen Wochen Pause müssen zur Rege­ne­ra­tion genutzt werden. Wer sich nach einer langen Saison auch noch durch eine EM oder WM gekämpft hat, der darf sich drei Wochen ent­spannen. Ganz ohne Pulsuhr und Fuß­ball­schuhe. Wie habe ich es geliebt, erst zwei Wochen vor dem Sai­son­start ins Mann­schafts­trai­ning ein­zu­steigen.

Besof­fene Fuß­baller, San­gria, Jürgen Drews

Als ich vor einigen Jahren mal wieder auf Mal­lorca war, dachte ich zurück an den Sommer von 2004. An die Urlaubs­pla­nung in der letzten Reihe vom Mann­schaftsbus. Aus dem 22er-Kader blieben am Ende nur zwei Mit­spieler übrig, die mit mir die Tour zum Bal­ler­mann antraten. Da saßen wir dann: Rechts und links besof­fene Kreis­liga-Fuß­baller, vor uns der San­gria, hinter uns die Stimmen von Jürgen Drews und DJ Ötzi. In diesem Moment schwor ich mir, nie wieder einen Som­mer­ur­laub im Mann­schaftsbus zu planen. Bis heute habe ich mich daran gehalten.