Seite 3: "Vieles wirkt tatsächlich etwas magisch"

Vor wenigen Wochen ist Con­stantin 23 Jahre alt geworden. Wie hat sich Ihr Ein­fluss auf ihn ver­än­dert?
Natür­lich ist er erwachsen geworden, aber die Bin­dung bleibt. Gerade, weil ab der U17 die Her­aus­for­de­rungen immer größer geworden sind. Im NLZ bist du ein junger Mensch und willst ein­fach nur Fuß­ball spielen. Irgend­wann kommt aber auch das Thema Lebens­pla­nung. Wer uns bis heute hilft, ist unser Berater Jörg Neb­lung. Er hat die Gespräche mit dem Verein über­nommen. Da habe ich mich immer kom­plett raus­ge­halten. Ich wollte Vater sein und nicht Berater.

Warum brauchte Con­stantin einen Berater?
Con­stantin ist über die Natio­nal­mann­schaft in den Fokus gerückt. Die Anfragen haben zuge­nommen. Das war der Punkt, wo wir ent­schieden haben, mit jemandem zusam­men­zu­ar­beiten, der das Geschäft und den Markt gut kennt. Nicht weil wir weg aus Frei­burg wollten, son­dern weil er uns ein­fach gut und sinn­voll beraten konnte.

Ihr braucht keine Angst vor uns Eltern zu haben. Wir sind zahm, kommt auf uns zu“

Achim Frommann

Was halten Sie sonst von Bera­tern im Jugend­fuß­ball?
Ich denke, dass gute Berater grund­sätz­lich irgend­wann not­wendig werden. Für Jungs und für Mäd­chen. Alles was wir gerade bespre­chen, hat auch eine Bedeu­tung für den Mäd­chen­fuß­ball. Spä­tes­tens ab der U17 rücken die Talente in den Fokus, erst recht, wenn sie in einer DFB-Junioren-Mann­schaft spielen. In dem Moment braucht es Men­schen, die aus der Szene kommen, die ver­netzt sind, die in dieser Phase aber in aller­erster Linie die Ent­wick­lung des Spie­lers im Auge behalten.

Und warum können das die Eltern nicht über­nehmen?
Meiner Mei­nung nach sollten sich die Eltern auf ihre Rolle als Eltern kon­zen­trieren. Die sind dann Psy­cho­loge, Fahr­dienst, See­len­tröster und was es noch so alles gibt. Dann noch die Funk­tion des Bera­ters zu über­nehmen, halte ich für zu viel.

Wann braucht ein Talent keinen Berater?
Wenn sich ein Verein sehr um einen Spieler bemüht und das soziale Umfeld mit­nimmt, gibt es für einen Spieler eigent­lich keine Not­wen­dig­keit für einen Berater. Aller­dings werden Zusagen in den Ver­einen meist nur von Jahr zu Jahr gegeben. Selten bekommt ein Spieler einen För­der­ver­trag über zwei Jahre. Kürz­lich hatte ich ein inter­es­santes Gespräch mit einem Sport­psy­cho­logen und Men­tal­choach der Aka­demie von Red Bull Salz­burg. Die geben Spie­lern eine Aus­bil­dungs­ga­rantie. Sie dürfen so lange an der Aka­demie sein, wie auch ihre Schule läuft. Das halte ich für vor­bild­lich. Dann muss ein Verein beim Scou­ting genauer hin­schauen, dass sie Jungs holen, die wirk­lich passen. In sol­chen Situa­tionen braucht ein Spieler keinen Berater.

In der Beschrei­bung Ihres Buchs spre­chen Sie von einem magi­schen Zauber, dem Spieler und Umfeld bei einem Wechsel zum Pro­fi­klub erliegen können“. Was genau meinen Sie damit?
From­mann: Wenn die ersten Gespräche zwi­schen einem Verein und den Eltern des Talents beginnen, kann es durchaus pas­sieren, dass auf Dinge geachtet wird, die für die sport­liche Ent­wick­lung gar nicht wichtig sind. Wow, tolles Gebäude“, solche Sachen. Auf einmal kommen die Men­schen auf dich zu, begrüßen dich, alles ist sehr freund­lich. Vieles wirkt tat­säch­lich etwas magisch. Es macht stolz, wenn ein Bun­des­li­gist dich haben will, aber es ist nie­mals eine Garantie. Es ist dann wichtig, nicht über die Zukunft, son­dern über das Jetzt zu reden. Wie sind die Rah­men­be­din­gungen? Wo dürfen wir mit­reden, wo dürfen wir helfen, wo können wir koope­rieren? Spieler werden erstmal nur nach sport­li­chen Aspekten ges­coutet, aber es muss viel mehr passen.

Warum haben Sie den Titel Die aller­meisten sind zahm“ für Ihr Buch gewählt?
From­mann: Die Wahr­neh­mung vom System Fuß­ball ist, dass die Eltern ihren Kin­dern das Leben eher schwer machen, als dass sie helfen. Was auch immer der Grund für diese gefühlte Distanz zwi­schen Ver­einen und Eltern ist, ich möchte mit dem Titel sagen: Ihr braucht keine Angst vor uns Eltern zu haben. Wir sind zahm, kommt auf uns zu. Lasst uns das Thema gemeinsam vor­an­bringen. Letzt­lich war das Buch der Weg für mich, unsere Geschichte auf­zu­schreiben. Ich will Eltern, Spieler, Trainer und Ver­ant­wort­liche im NLZ dafür sen­si­bi­li­sieren, dass eine gemein­same Zusam­men­ar­beit noch große Poten­tiale birgt.

Das Buch von Achim From­mann Die Aller­meisten sind zahm: Ein Talent wird Fuß­ball­profi – oder was Eltern auf diesem Weg leisten“ kann über den Shop seiner Web­site bestellt werden. Hier geht es zum Shop.

Wei­tere Infor­ma­tionen zum Autor Achim From­mann gibt es auf seinem Lin­kedin-Profil.