Seite 2: Es geht auch um Politik

Um (Fußball-)Romantik geht es dabei sowieso nicht. Zhangs Vater ist einer der reichsten Männer Chinas und Besitzer der Ein­zel­han­dels­kette Suning, die 2016 bei Inter ein­ge­stiegen ist. Ein Kon­zern mit 32 Mil­li­arden Euro Umsatz im Jahr, jedoch in Europa kaum bekannt. Durch Inter soll sich das ändern.

Das Ganze hat auch eine poli­ti­sche Kom­po­nente. Vater Jin­dong ist Dele­gierter im Natio­nalen Volks­kon­gress und ein Getreuer Xi Jin­pings. Im März 2019 beglei­tete er den chi­ne­si­schen Staats­chef zu Ver­hand­lungen mit der ita­lie­ni­schen Politik über die Neue Sei­den­straße. Zu dieser Zeit war Sohn Steven, der an der Wharton School of Penn­syl­vania, einer Art Mil­li­ar­därs­schmiede, stu­diert und danach bei der Invest­ment­bank Morgan Stanley gear­beitet hat, längst in Mai­land instal­liert worden: erst als Vor­stands­mit­glied, später als Prä­si­dent.

Anfäng­liche Fehler

Einmal im Amt, begann Zhang umge­hend mit den Auf­räum­ar­beiten. Der Auf­trag: Inter in die Moderne zu führen. Anfangs unter­lief ihm dabei der eine oder andere Fehler, mit dem Höhe­punkt eines obskuren Trai­ner­cas­tings in der alten Geschäfts­stelle nahe des Mai­länder Doms. Am Ende gewann Ste­fano Pioli, der inzwi­schen beim Stadt­ri­valen Milan ange­stellt ist. Für diesen Zirkus gab es Kritik vom Ex-Patron Mor­atti, ansonsten ver­stehen sich die beiden blen­dend. Zhang sei ein Visionär“, findet Mor­atti, der seinem Nach­folger gerne bera­tend zur Seite steht, in langen Tele­fo­naten über die Eigen­arten des Calcio. Der neu­este Tipp angeb­lich: Es ist das rich­tige Jahr, um Messi zu holen. Das wäre ein Traum für uns alle.“

Zhang hat schnell dazu­ge­lernt, zum Bei­spiel, wie wichtig Gesichter sind. Als Klub-Reprä­sen­tant nach außen fun­giert Vize­prä­si­dent Javier Zanetti, der unver­wüst­liche Rekord­spieler und Ex-Kapitän. Das ver­zückt die Tifosi jedes Mal aufs Neue. Steven Zhang hin­gegen wirkt lieber nach innen. 

Wir wollen die Inter-Familie auf dem Globus ver­binden“

Steven Zhang

Mit dem auf­müp­figen Trainer Antonio Conte traf er sich neu­lich zum Show­down, der kühle Ana­lyst gegen den wilden Exzen­triker. Conte hatte den Klub öffent­lich kri­ti­siert, mehr Macht gefor­dert und mit seinem Weg­gang gedroht. Letzt­lich gab der Coach nach, er bleibt. Conte, der klare Ver­lierer“, schrieb die Zei­tung La Repub­blica“.

Quo vadis, Steven? Wir wollen die Inter-Familie auf dem Globus ver­binden“, hat Zhang beim Amts­an­tritt gesagt. Mar­ke­ting-Wort­hülse, klar. Die aber ande­rer­seits zu Inter, das einst von über­zeugten Welt­bür­gern und Kos­mo­po­liten gegründet wurde, beson­ders gut passt. Sieht ganz so aus, als wolle der Klub nicht nur die ita­lie­ni­sche Kon­kur­renz das Fürchten lehren.