Als Jürgen Klopp vor dem Ach­tel­fi­nal­rück­spiel gegen Atle­tico Madrid aus den Kata­komben von Anfield hinaus in den Sta­di­on­in­nen­raum lief, wirkte er nach­denk­lich und ange­spannt. Wie immer hielten zahl­reiche Fans ihre aus­ge­streckten Hände von der Tri­büne nach unten, in der Hoff­nung, ein High Five der Prot­ago­nisten absahnen zu können. Nur: Es war eben nichts wie immer. Auch wenn das beim Anblick der mit über 52.000 Fans gefüllten Anfield Road einen anderen Ein­druck machte.

Denn wäh­rend RB Leipzig zuhause die Tot­tenham Hot­spur vor aus­ver­kauftem Haus emp­fing und auch Ber­gamo gegen Valencia noch vor Fans spielen durfte, wurde zeit­gleich Borussia Dort­munds Gast­spiel bei PSG in einem leeren Prin­zen­park aus­ge­tragen. Die Welt war im Wandel, das Coro­na­virus griff immer weiter um sich und doch waren die Folgen noch kaum absehbar. Auch des­wegen fielen die unmit­tel­baren Reak­tionen dem­entspre­chend unter­schied­lich aus. So ent­schied sich Eng­lands Regie­rung für eine Aus­tra­gung des Spiels vor vollem Haus und geneh­migte die Anreise von 3000 Fans aus Madrid, obwohl die spa­ni­sche Haupt­stadt zu dieser Zeit bereits zu den euro­päi­schen Corona-Hot­spots zählte. Es sollte für lange Zeit das letzte Spiel vor Fans auf der Insel sein. Inzwi­schen glauben Prot­ago­nisten und Experten, dass es fatale Folgen für den Ver­lauf der Pan­demie gehabt haben könnte.

Klopp hatte keinen Bock auf Fuß­ball

Pepijn Lijn­ders, Co-Trainer beim Liver­pool FC, hat sich in einem Artikel des Guar­dian jüngst an diesen Tag zurück­er­in­nert: Wir wussten, dass irgend­etwas ganz und gar nicht stimmt und hatten das Gefühl, dass es ver­mut­lich nicht richtig ist, den Fans aus Madrid die Anreise ins Sta­dion zu gewähren“, sagt er. Klopp selbst hätte ihm vor dem Spiel gesagt, dass er erst­mals in seiner Kar­riere ohne Vor­freude auf Fuß­ball ins Sta­dion fahren würde. Vor dem Anpfiff checkten sich Klopp und Atle­ticos Trainer Diego Simeone mit dem Ellen­bogen ab. Ein Hand­schlag, wie ihn Simeone Klopp jüngst ver­wei­gerte, war da gar nicht mehr erlaubt. Carlo Ance­lotti berich­tete in der Folge, dass Klopp ihm einige Tage nach dem Spiel sagte, es sei ein kri­mi­neller Akt“ gewesen, das Spiel aus­zu­tragen.

Und heute, rund 19 Monate später? Ist die Pan­demie noch lange nicht über­standen, auch auf der Insel nimmt sie wieder richtig an Fahrt auf, und doch sind die Sta­dien wieder voll. In Eng­land breitet sich 107 Tage nach dem Freedom Day die Delta­va­ri­ante weiter aus. Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzi­denz bei 485, täg­lich werden mehr als 1000 infi­zierte Per­sonen in das Kran­ken­haus ein­ge­wiesen. Das macht auch die Fans von Atle­tico stutzig. Im Vor­feld der Partie hat der Klub nur 200 Karten für den Aus­wärts­block abge­setzt. Die Lehren des bis­he­rigen Pan­de­mie­ver­laufs und die Ent­wick­lungen in Eng­land machen eine Reise für die aller­meisten Fans der Col­cho­neros unat­traktiv.