Seite 3: Was Özil über seinen Vertrag und Emery sagt

Das Spiel war sinn­bild­lich für die Ära Emery bei Arsenal. Mit Arsene Wenger hat sich näm­lich auch der Offen­siv­fuß­ball aus dem Emi­rates Sta­dium ver­ab­schiedet. In der lau­fenden Saison kommt Arsenal auf 1,46 expected Goals (xG) pro Spiel – 0,25 xG weniger als im Vor­jahr und knapp 0,5 xG weniger als in der letzten Saison unter Wenger. In dieser Kate­gorie liegen die Gun­ners der­zeit auf Rang sechs in der Liga, aber nahezu gleichauf mit dem Zehnten, Brighton, mit einem Wert von 1,41 xG pro 90 Minuten. Zum Ver­gleich: Man­chester City (3,19), Liver­pool (2,17), ja sogar Sout­hampton (1,53) unter Ralph Hasen­hüttl kre­ieren mehr und bes­sere Chancen als Arsenal.

In den Berei­chen, auf die Emery Wert legt, näm­lich Aggres­si­vität gegen den Ball und Lauf­ar­beit, sind hin­gegen deut­liche Ver­bes­se­rungen zu erkennen. Laut Stats­bomb haben die Gegen­pres­sing-Aktionen um stolze 24 Pro­zent zuge­nommen. Mit 4340,14 Kilo­me­tern hatten die Gun­ners in der ver­gan­genen Saison zudem die beste Lauf­leis­tung der gesamten Pre­mier League vor­zu­weisen. 

Nun wäre Arse­nals limi­tiertes Offen­siv­spiel wahr­schein­lich nicht einmal ein großes Pro­blem, würden zumin­dest die Zahlen in der Defen­sive stimmen. Das ist aller­dings nicht der Fall. Brachte es Arsenal unter Wenger noch auf 1,28 expected Goals Against“ (xGA) pro Spiel, waren es 2018/2019 unter Emery 1,51. In der aktu­ellen Saison sind es Stand heute gar 1,61 xGA. Trotz des neuen Ansatzes lassen die Gun­ners unter Emery also mehr hoch­ka­rä­tige Tor­chancen zu.

Es ist nichts gegen Özil“ 

Auch des­halb ist der Mangel an offen­siver Krea­ti­vität, der diese defen­siven Schwä­chen auf­wiegen könnte, nicht zu über­sehen. Die Impulse eines Spie­lers wie Özil, der zwi­schen 2006 und 2018 die meisten Chancen Europas kre­iert hat, werden sicht­lich ver­misst. Zumin­dest von einigen Fans, die in den sozialen Medien wöchent­lich mit Kom­men­taren wie Free Özil“ oder We want Özil“ auf die Auf­stel­lungen reagieren. Doch Emery ver­zichtet weiter auf Özils Krea­ti­vität.

Unai hatte schon viele gute Spieler und dabei immer die­selbe Richt­linie ver­folgt, näm­lich zu ver­su­chen, keine Unter­schei­dungen zu machen und die Spieler mit Spiel­zeit zu belohnen, die im Trai­ning hart arbeiten“, erklärte Raul Sanl­lehi, Leiter der Abtei­lung Fuß­ball, jüngst und pflich­tete seinem Trainer bei: Es ist nichts gegen Özil. Im Gegen­teil: Ich hoffe, wir werden ihn in den nächsten Spielen mehr sehen, da seine Qua­li­täten unbe­stritten sind, aber Unai kann ihn nicht anders behan­deln als andere Spieler.“ 

Emery wird von seinen defen­siven Ansprü­chen nicht abwei­chen, das hat er in seinen nun ein­ein­halb Jahren an der Sei­ten­linie der Gun­ners mehr als deut­lich gemacht. Und Özil? Gegen­über The Ath­letic“ sagte er über sein Ver­hältnis zu Emery: Wir mögen viel­leicht nicht in allen Berei­chen einer Mei­nung sein, aber das ist normal, das ist das Leben. Das muss man akzep­tieren und weiter machen.“ Um die feh­lenden Spiel­mi­nuten aus­zu­glei­chen schiebe er daher sogar Son­der­schichten mit einem Fit­ness­trainer.

Ich bin hier bis min­des­tens 2021“

Doch wie geht es nun weiter? Arbeitet Özil tat­säch­lich hart genug daran, seinen Trainer davon zu über­zeugen, eine Berei­che­rung für seine Mann­schaft zu sein? Ist dieser über­haupt bereit, sich über­zeugen zu lassen? Oder ist gar der Verein mitt­ler­weile an dem Punkt, dass man sich am liebsten so schnell wie mög­lich von seinem Top­ver­diener trennen möchte?

Letz­teres ist für Özil jeden­falls wei­terhin keine Option: Man kann durch schwere Zeiten gehen, wie diese hier, aber das ist kein Grund, um weg­zu­laufen und das werde ich nicht machen. Ich bin hier bis min­des­tens 2021.“ Das kann Dro­hung und Angebot zugleich sein.