Seite 2: Von Galavorstellungen zum Stammplatz auf der Tribüne

Was Özil mit dem Ball kann, war auch Emery bekannt. Eine Kost­probe gab er am 9. Spieltag der ver­gan­genen Saison beim 3:1‑Erfolg über Lei­cester. In seiner unver­wech­sel­baren, fast schon trägen Ele­ganz, hebelte er die geg­ne­ri­sche Defen­sive zahl­reiche Male durch Raum- und Spiel­ver­ständnis aus, erzielte dabei ein Tor, berei­tete eins vor und lei­tete ein drittes ein. Es war eine Gala­vor­stel­lung des Zeh­ners. 

Was Özil aller­dings ohne den Ball macht, bezie­hungs­weise zu wenig macht, näm­lich Emerys gefor­derte Defensiv- und Pres­sin­g­ar­beit, ist seit Jahren Teil der Vor­würfe, die Kri­tiker gegen seine Spiel­weise erheben. Auch der neue Trainer schien dies­be­züg­lich Zweifel zu haben. Drei Spiele nach seinem Offen­siv­feu­er­werk gegen Lei­cester, ein Zeit­raum, in dem Özil übri­gens die meisten Chancen seiner Mann­schaft her­aus­spielte, drückte er erst­mals in seiner Arsenal-Kar­riere ohne Ver­let­zungs­vor­ge­schichte oder Scho­nungs­ab­sichten aus­wärts gegen Bour­ne­mouth 90 Minuten lang die Bank.

Kein Mann für die hit­zigen Spiele

Ange­spro­chen auf die Nicht­be­rück­sich­ti­gung des Spiel­ma­chers erklärte Emery gegen­über der Presse, dass man so besser mit der phy­si­schen und inten­siven“ Art des Geg­ners klar­kommen würde. Im dar­auf­fol­genden Derby gegen Tot­tenham, erfah­rungs­gemäß ein hit­ziges Spiel, stand Özil nach einer vollen Trai­nings­woche urplötz­lich wegen angeb­li­cher Rücken­pro­bleme nicht im Kader. Wie und wann diese Beschwerden ent­standen, dar­über konnte Emery nach dem Spiel keine Aus­kunft geben. 

So wurde das Pen­deln zwi­schen Startelf, Bank und Tri­büne für Özil zur Gewohn­heit – und offen­barte ein Muster. In Spielen, in denen Inten­sität, Lauf­ar­beit und Zwei­kampf­stärke gefor­dert waren, war Özil zumeist außen vor. In Par­tien, in denen Emery viel Ball­be­sitz gegen tief ste­hende Gegner erwar­tete oder schlichtweg keine anderen Alter­na­tiven hatte, kam er zum Ein­satz. Große Bemü­hungen von­seiten Özils, sich bei diesen Gele­gen­heiten an die Defensiv-For­de­rungen des Wenger-Nach­fol­gers anzu­passen, waren aller­dings auch kaum zu erkennen.

Unge­wollter Luxus

Im Norden Lon­dons, wo trotz sport­li­cher Sta­gna­tion noch immer ein auf­ge­blähtes Budget vor­zu­finden ist, wurde Özil unter Emery zu einem Luxus, den man sich nicht mehr leisten wollte. Bereits im ver­gan­genen Winter ver­suchte der Klub laut BBC dem Top­ver­diener, der bis 2021 an den Ver­einen gebunden ist, einen Wechsel nahe­zu­legen. Doch damals wie heute machten Özils Wunsch, in London zu bleiben, sowie sein üppiges Gehalt in Höhe von 350.000 Pfund pro Woche Arse­nals Vor­haben einen Strich durch die Rech­nung. 

Und so ist Mesut Özil, der vom Team kurio­ser­weise zu einem der fünf Kapi­täne gewählt wurde, wei­terhin Bestand­teil des Kaders. Offi­ziell zumin­dest, denn mitt­ler­weile ist die Tri­büne zu seinem Stamm­platz geworden. Selbst in der Europa League, wo Emery rotiert, war für Özil kein Platz im Spiel­tags­auf­gebot. Ganze 142 Minuten hat er in dieser Saison absol­viert, 71 davon im Liga­pokal gegen einen Zweit­li­gisten.

Andere Spieler ver­dienen es mehr“

Wenn ich ent­scheide, dass er nicht im Kader ist, liegt das daran, dass es andere Spieler mehr ver­dienen“, betonte Emery nach dem Spiel gegen Stan­dard Lüt­tich unge­wohnt deut­lich. Was er tun muss? Weiter arbeiten, am Sonntag haben wir das nächste Spiel, dann werden wir erneut ent­scheiden.“ An jenem Sonntag, ein Heim­spiel gegen Bour­ne­mouth, ent­schied sich der 47-jäh­rige Trainer erneut gegen Özil. Trotz spie­le­ri­scher Domi­nanz gelangen Arsenal gegen die zweit­schlech­teste Defen­sive der Liga ganze zwei Schüsse aufs Tor. Der Treffer zum 1:0‑Endstand resul­tierte aus einer Ecke.