11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Seit dem 23. März ist​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ auf dem Markt, mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­tages-Sto­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.

Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Fredi Bobic erklärt das magi­sche Dreieck.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Gio­vane Elber, der Mus­ter­profi. Von wegen. Als ich das Bade­zimmer in unserem Dop­pel­zimmer betrat, hatte ich keine Zweifel mehr. Hier hatte einer geraucht – und das war aus­nahms­weise mal nicht ich. Gio­vane hatte zwar ver­sucht, mit reich­lich Parfüm zu kaschieren, dass er hier seinem geheimen Laster gefrönt hatte. Aber es hatte nichts genutzt. Von mir war bekannt, dass ich ab und zu nach Fei­er­abend eine rauchte. Als ich Gio­vane einmal fragte, ob er auch eine wolle, fiel der aus allen Wolken: Fredi, nein, wo denkst du hin? Ich rauche doch nicht, ich bin Sportler.“ Jetzt wusste ich es besser. So genau nahm er es wohl doch nicht mit der Gesund­heit.

Am Abend saßen wir zusammen, und ich trickste ihn aus. Sagte ganz bei­läufig: Ach, Gio­vane, so was Blödes, mir sind gerade meine Ziga­retten aus­ge­gangen. Hast du viel­leicht noch eine …“ Darauf er: Nein … äh, ich meine, wie kommste darauf. Ich bin doch Nicht­rau­cher.“ Aber es war zu spät. Auf seinem Gesicht lag dieses spitz­bü­bi­sche Grinsen, das jeder Zuschauer von ihm kannte, wenn er dem Gegner mal wieder einen ein­ge­schenkt hatte.

Als Krassi kam, waren wir sofort eine Clique“

So war es immer: Wir konnten uns gegen­seitig nichts vor­ma­chen. Weder bei unseren kleinen All­tags­las­tern noch auf dem Rasen. Es gab von Anfang an dieses blinde Ver­ständnis, das ein Profi in seiner Kar­riere nur sehr selten emp­findet. Eine Form von Zusam­men­spiel, das sich nicht antrai­nieren lässt. Wenn ein Pass von außen in die Mitte kam und Gio­vane näher zum Ball stand, wusste ich genau, wann er zu mir durch­lässt und wann er ihn selbst ver­wertet.

Als Manager Dieter Hoeneß und Trainer Jürgen Röber in der Win­ter­pause 1994/95 ver­kün­deten, dass zur nächsten Saison mit Kras­simir Balakow ein Spiel­ge­stalter ver­pflichtet wurde, ahnten wir noch nicht, dass damit unser Trio Infer­nale kom­plett sein würde. Als Krassi dann kam, waren wir sofort eine Clique. Er sprach mit Gio­vane flie­ßend Por­tu­gie­sisch, mit mir ver­stän­digte er sich auf Ser­bo­kroa­tisch. Manchmal geriet das auch durch­ein­ander. Einmal standen wir zu dritt am Anstoß­kreis und er gab gedan­ken­ver­sunken die letzten Anwei­sungen – mir auf Por­tu­gie­sisch, Gio­vane in Ser­bo­kroa­tisch. Ich ant­wor­tete folgsam Si, si, si“, der liebe Herr Elber kom­men­tierte Krassis Kau­der­welsch schmun­zelnd mit: Da, da, da.“ (dt. Ja, okay.“) Balakow blickte auf, bemerkte die Ver­wechs­lung, und noch ehe der Schieds­richter ange­pfiffen hatte, kriegten wir drei einen Lach­an­fall.

Die Zei­tungen ver­suchten, uns zu Pop­stars zu sti­li­sieren“

Der Offen­siv­fuß­ball, den unser Trainer Rolf Fringer spielen ließ, machte uns bald zum magi­schen Dreieck“. Bild“ nannte uns nach dem 3:2‑Sieg gegen Ein­tracht Frank­furt in der Saison 1995/96 erst­mals so, weil jeder von uns in diesem Spiel einen Treffer erzielte. Es war die Zeit, als langsam die Kom­mer­zia­li­sie­rung im Fuß­ball vor­an­schritt. Der VfB ver­kaufte plötz­lich mas­sen­haft Tri­kots mit unseren Namen. Die Zei­tungen ver­suchten, uns zu Pop­stars zu sti­li­sieren. Bravo Sport“ lud uns zum Foto­shoo­ting ein, ich trug modisch schick eine umge­drehte Base­ball­kappe. 

Die Sport Bild“ nahm uns mit nackten Ober­kör­pern aufs Cover, dazu trugen wir unsere rot-weißen Fuß­ball­schuhe, eine Son­der­edi­tion von Adidas, spe­ziell für uns drei ange­fer­tigt. Farben, die damals noch völlig unüb­lich bei Kick­schuhen waren. Dabei war uns völlig klar, dass wir ohne den Rück­halt der anderen, von Spie­lern wie Ger­hard Poschner, Zvonimir Soldo, Thomas Bert­hold, Frank Ver­laat oder Franz Wohl­fahrt nie derart geglänzt hätten. Diese Jungs hielten uns zuver­lässig den Rücken frei.