Ent­weder war das Publikum im Kölner Rhein-Energie-Sta­dion am 33. Spieltag beson­ders schön anzu­sehen, oder die ira­ni­sche TV-Regie hatte ein Pro­blem damit, dass die Partie von einer Frau gepfiffen wurde.

Denn immer wenn die Kamera Schieds­rich­terin Bibiana Stein­haus zeigte, blen­dete das ira­ni­sche Fern­sehen die Zuschau­er­ränge ein. Statt der inter­na­tio­nalen TV-Bilder sahen die Iraner also immer wieder: Fans. Dabei steht im ira­ni­schen Gesetz­buch nichts davon, dass deut­sche Bun­des­liga-Schieds­rich­te­rinnen nur in der Totalen gezeigt werden dürfen.

Aus­gangs­punkt 1979

Eine solche Gesetz­ge­bung wäre aller­dings gar nicht so abwegig wie sie viel­leicht klingt, denn die Ver­suche der ira­ni­schen Regie­rung, Frauen von allem fern­zu­halten, was als Män­ner­sport“ dekla­riert wird, nehmen mit­unter aben­teu­er­liche Züge an.

Ihren Ursprung hat die strikte Geschlech­ter­tren­nung – selbst­ver­ständ­lich zu Ungunsten der Frauen – in der ira­ni­schen Revo­lu­tion von 1979. Seitdem ist es ihnen ver­boten, den sport­li­chen Akti­vi­täten der Männer als Zuschauer bei­zu­wohnen. Das betrifft unter anderem Vol­ley­ball und Fuß­ball. Sport­arten, die im Iran beson­ders populär sind.

Angeb­lich unis­la­misch“

Warum? Unis­la­misch“, so lautet die viel­sa­gende Begrün­dung der reli­giösen Führer im Iran. Als unis­la­misch gilt selbst­ver­ständ­lich immer gerade das, was den aus­nahmslos männ­li­chen Ent­schei­dungs­trä­gern in den Kram passt. Seit 2015 ist es Frauen zum Bei­spiel gestattet, Hal­len­sport­er­eig­nissen unab­hängig vom Geschlecht der Ath­leten bei­zu­wohnen. Scheinbar kann Gott nicht durch Dächer schauen.

Ähn­lich mys­te­riös ging es im Sep­tember 2017 beim WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel zwi­schen Iran und Syrien zu, als aus­schließ­lich syri­schen Frauen (oder ira­ni­schen Frauen, die sich als solche aus­gaben) der Sta­di­on­be­such gestattet wurde. Hier ent­larvte sich die reli­giös begrün­dete Geschlech­ter­tren­nung als Macht­in­stru­ment der Politik, um die Hälfte der eigenen Bevöl­ke­rung mög­lichst klein­zu­halten.