Zur Saison 1968/69 bekamen wir bei den Bayern einen neuen Trainer: Branko Zebec. Mein lieber Mann, war das ein harter Hund! Die Vor­be­rei­tung ver­brachten wir in der Sport­schule Grün­wald, hier bei uns in Mün­chen. Dreimal am Tag hat uns Zebec trai­nieren lassen, es war mitten im Juni und das Ther­mo­meter zeigte 40 Grad im Schatten! Dem Branko war das egal, um halb elf Uhr mor­gens schickte er uns zum Runden laufen. Sprinten an der Tor­aus­linie, zügiges Joggen an der Sei­ten­linie. Branko hatte bei diesen Auf­wärm­übungen einen beson­deren Tick: Seine Jacken­ta­schen waren gefüllt mit kleinen Kie­sel­steinen und nach jeder Runde ließ er ein Stein­chen auf den Boden fallen. Erst wenn seine Taschen leer waren, durften wir auch auf­hören zu laufen. Und an diesem Tag schien er das halbe Isar­ufer ein­ge­sam­melt zu haben – wir mussten sage und schreibe 62 Runden laufen.



Es war 12 Uhr, als der Trainer die erste Übungs­ein­heit been­dete, um 13 Uhr sollte es Essen geben, bis dahin hatten wir Frei­zeit. Aber was sollten wir schon groß machen? Ich habe Sepp Maier gefragt: Seppi, hast du eine Idee?“ Bulle“, hat er gesagt, wir fahren an die Isar!“ Seppl hatte seinen Wagen am Hin­ter­ein­gang geparkt, wir stiegen über die Mauer an den Ten­nis­plätzen und fuhren runter nach Höll­rie­gels­kreuth ans Isar­ufer, knapp einen Kilo­meter von der Sport­schule ent­fernt. Wir ab ins kühle Nass, ach, war das herr­lich! Nach einer Drei­vier­tel­stunde wollten wir wieder zurück zum Auto, weil aber das Ufer an dieser Stelle so steil und hoch war, ver­suchten wir uns an einem Ast aus dem Wasser zu ziehen. Das biss­chen Holz war natür­lich nicht gemacht für zwei schwere Jungs wie uns, krach!, wir klatschten zurück ins Wasser. Als ich wieder auf­tauchte, war die Isar rot – irgendein scharfer Gegen­stand hatte mir zwei Zehen böse auf­ge­schnitten, ich konnte froh sein, dass die über­haupt noch dran waren!

Bulle Roth und der Scher­ben­trick


Wir schnell ins Auto, der Seppi band mir ein Hand­tuch um die Zehen, aber als wir in der Sport­schule ankamen, war der ganze Boden vor dem Bei­fah­rer­sitz schon voller Blut. Es sah aus, wie in einem Schlacht­haus. Wie sollten wir jetzt unbe­merkt wieder auf das Gelände kommen, der Trainer durfte doch nicht merken, dass wir uner­laubt stiften gegangen waren! Also habe ich zum Sepp gesagt: Komm, park du den Wagen, ich spring über den Zaun und lass mir was ein­fallen.“ Ich schleppte mich irgendwie wieder aufs Gelände und schrie dann: Aua, ich bin in eine Glas­scherbe getreten!“ Sofort kam Manager Robert Schwam mit unserem Mas­seur ange­laufen, die beiden brauchten nur einen kurzen Blick auf die Wunde werfen und rasten mit mir ins Kran­ken­haus.

Erfun­dene Gespräche: Mit Branko Zebec im Trai­ner­himmel»

Eine fürch­ter­liche Ope­ra­tion, mit einem dicken Gips bin ich anschlie­ßend wieder in die Sport­schule gehum­pelt. Dort war schon der Teufel los, Branko Zebec hatte von der angeb­li­chen Glas­scherbe erfahren und ließ die ganze Beleg­schaft samt Mann­schaft auf die Suche nach zer­bro­chenem Glas gehen. Natür­lich haben sie nichts gefunden. Noch am glei­chen Tag stellte Zebec ein hand­ge­maltes Schild auf: Ab sofort ist das Bar­fuß­gehen in der Anlage ver­boten!“ Branko hat nie erfahren, was wirk­lich pas­siert ist. Der hätte mich sonst wahr­schein­lich mit seinen Kie­sel­steinen aus Mün­chen fort­ge­jagt.