Es ist nicht so, dass Klaus Brüg­ge­mann naiv und blau­äugig wäre. Natür­lich weiß er, dass Frank Steffel pola­ri­siert. Und selbst wenn er es bisher nicht gewusst haben sollte, dann hätte er es spä­tes­tens am Montag erfahren, als ihn die Nach­richt eines Freundes erreichte. Oh, Gott“, schrieb er, nachdem bekannt geworden war, dass Frank Steffel für das Amt des Prä­si­denten von Hertha BSC kan­di­dieren wird.

Steffel als Prä­si­dent des Ber­liner Fuß­ball-Bun­des­li­gisten und Nach­folger von Werner Gegen­bauer – das ist die Idee von Klaus Brüg­ge­mann, der seit knapp zwei Wochen neuer Auf­sichts­rats­vor­sit­zender des Klubs ist. Brüg­ge­mann kennt sehr wohl die Schwä­chen des Kan­di­daten, der 2001 für die CDU ver­geb­lich zur Wahl als Regie­render Bür­ger­meister von Berlin ange­treten ist; der sich im Bun­destag vor einigen Jahren wenig dif­fe­ren­zie­rend über die Ultra-Kultur geäu­ßert hat und dem zudem 2019 der Dok­tor­titel aberkannt wurde. Trotzdem hält Her­thas Auf­sichts­rats­chef den 56 Jahre alten Steffel für den rich­tigen Mann an der Spitze des Klubs.

Alle rufen nach einem Neu­an­fang. Mit Steffel würde man einen Neu­an­fang bekommen“, sagt Brüg­ge­mann dem Tages­spiegel. Sein Wirken als Poli­tiker inter­es­siert mich nicht. Mich inter­es­sieren seine Vita als Unter­nehmer und seine Erfolgs­ge­schichte mit den Füchsen. Frank Steffel kennt Verein, und er kennt das Busi­ness. Er hätte den Cha­rakter und die Durch­set­zungs­kraft, um Hertha in die rich­tigen Bahnen zu lenken.“

Ein Gerücht kur­siert noch immer

Seit Montag ist Steffel, der Prä­si­dent des Hand­ball-Bun­des­li­gisten Füchse Berlin, offi­ziell Kan­didat, nachdem er die durch die Sat­zung erfor­der­liche Zustim­mung des Auf­sichts­rats bekommen hat. Genau wie der frü­here Ultra Kay Bern­stein sowie Michael Baum­gärtner und Marvin Brumme. Ingmar Pering, Mit­glied im Prä­si­dium, hat am Montag eben­falls seine Kan­di­datur ange­kün­digt, bisher ist er aber noch nicht offi­ziell zur Wahl vor­ge­schlagen worden.

Das gilt (Stand Diens­tag­mittag) auch für die beiden anderen Prä­si­di­ums­mit­glieder, die für das Amt des Vize­prä­si­denten kan­di­dieren (Fabian Dre­scher) bezie­hungs­weise kan­di­dieren sollen (Peer Mock-Stümer). Bis Samstag, 23.59 Uhr, also exakt eine Woche vor der außer­or­dent­li­chen Mit­glie­der­ver­samm­lung (26. Juni, ab elf Uhr, City-Cube), besteht dazu noch Gele­gen­heit. Für die drei (bis maximal fünf) vakanten Posten im Prä­si­dium bewerben sich rund 20 Kan­di­da­tinnen und Kan­di­daten. Noch immer hält sich das Gerücht, dass Torsten-Jörn Klein, der Vor­gänger von Brüg­ge­mann als Auf­sichts­rats­vor­sit­zender, bei der Prä­si­den­ten­wahl antritt, obwohl er das bei der Mit­glie­der­ver­samm­lung Ende Mai aus­ge­schlossen hat.

Hertha oder Füchse: beides geht nicht

Steffel kann auf seine Erfah­rung als Prä­si­dent der Füchse ver­weisen. Seit 17 Jahren ist er im Amt. Diesen Posten würde er auf­geben, sollte er bei Hertha gewählt werden. Für ihn sei das eine schwie­rige Ent­schei­dung, schrieb er bei Twitter, aber das Gespräch mit dem neuen Auf­sichtsrat stimmt mich sehr zuver­sicht­lich für die Zukunft von Hertha BSC!“

Für Brüg­ge­mann wäre Steffel der Kan­didat, der den Verein befrieden und die Gräben, die in den ver­gan­genen Wochen und Monaten auf­ge­rissen worden sind, wieder zuschütten kann. In den sozialen Medien stößt seine Idee jedoch eher auf Ableh­nung als auf Zustim­mung.

Bei der Suche nach einem mög­li­chen Kon­sens­kan­di­daten hat Brüg­ge­mann eine Liste mit pro­mi­nenten Mit­glie­dern des Klubs durch­forstet. Dabei ist er auf Stef­fels Name gestoßen. Eine per­sön­liche Bezie­hung habe er zu ihm nicht, erklärt er. Am Wochen­ende hat er sich erst­mals mit Steffel getroffen und sich mit ihm unter­halten. Ich fänd’s gut, und ich steh voll dahinter“, sagt Brüg­ge­mann. Dass es kein Selbst­läufer werden wird, das weiß er aller­dings auch.