Herr Hoß, warum muss ein Poli­zei­ober­kom­missar eigent­lich noch seinen Dienst im Fuß­ball­sta­dion ver­richten?

Ich mache das frei­willig. Im Vor­feld ent­spre­chender Groß­ver­an­stal­tungen, wie ein Kon­zert oder eben ein Fuß­ball­spiel, gibt es eine so genannte Kräf­te­pla­nung, wo schon mal gefragt wird, ob viel­leicht jemand gerne dort hin möchte. Anfang der ver­gan­genen Woche wurde ich gefragt, ob ich nicht beim Spiel Frank­furt gegen Karls­ruhe Dienst schieben möchte. Als Ein­tracht-Fan und Ver­eins­mit­glied sage ich da natür­lich gerne zu, vor allem weil wir als Poli­zisten im Sta­dion durchaus die Gele­gen­heit haben, das Spiel zu ver­folgen.



Sie müssen also nicht mit dem Rücken zum Rasen die Zuschauer über­wa­chen, wie die bemit­lei­dens­werten Ordner in Ihren gelben Leib­chen?

Nein, zum Glück nicht. Unser Auf­ga­ben­be­reich besteht meis­tens darin, im Vor­feld des Spiels für die Sicher­heit zu sorgen. Also auf dem Weg zum Sta­dion Prä­senz zu zeigen, ebenso an den Park­plätzen und den Bahn­gleisen. In der Halb­zeit müssen wir uns vor dem Sta­dion und im Sta­di­on­in­neren zeigen.

Wie sieht Ihr Dienst-Alltag nor­ma­ler­weise aus?

Seit dem 1. August bin ich im Tag­dienst beim 1. Revier als Ermitt­lungs­be­amter, das heißt ich habe eine nor­male Arbeits­zeit von halb acht bis 14.30 Uhr. Delikte wie Unfälle oder Dieb­stähle, Ein­brüche – das landet auf meinem Schreib­tisch und wird von mir und meinen Kol­legen ent­spre­chend bear­beitet.

Am Frei­tag­abend, den 12. Sep­tember, saßen Sie aller­dings nicht hinter ihrem Schreib­tisch, son­dern mussten ein leeres Fuß­ball­sta­dion bewa­chen…

Ich hatte mich richtig gefreut auf das Spiel, als ich um zwölf zum Dienst im Revier erschienen bin. Um 12.30 Uhr hieß es dann: Das Spiel zwi­schen Ein­tracht Frank­furt und dem Karls­ruher SC ist abge­sagt worden, Madonna hatte bei ihrem Auf­tritt den Rasen ram­po­niert. Später gab es dann die Infor­ma­tion, hätten trotzdem unsere Mel­de­zeit am Sta­dion, so, als wenn das Spiel ganz normal statt­ge­funden würde.

Wie viele Kol­legen von Ihnen waren im Ein­satz?

Das darf ich aus tak­ti­schen Gründen nicht ver­raten. Nur so viel: Es waren nicht alle Poli­zisten im Ein­satz, die sonst vor Ort hätten sein müssen.

Wie muss man sich das vor­stellen: Sie standen also ab Frei­tag­nach­mittag vor dem Wald­sta­dion und haben Däum­chen gedreht?

Nicht doch. Unsere vor­ran­gige Auf­gabe war es, die Zuschauer zu infor­mieren, die die Absage viel­leicht noch gar nicht mit­be­kommen hatten und mög­liche ver­är­gerte Kra­wall­ma­cher abzu­schre­cken.

Ist denn über­haupt jemand auf­ge­taucht?

Nein. Alles fried­lich.

Die Frank­furter Fan­szene, bzw. die Szene in Hessen und im Rhein-Main-Gebiet gilt nicht unbe­dingt als lamm­fromm. Wie hat sich die Szene ver­än­dert?

Anfang der Neun­ziger ging es in den Sta­dien schon noch anders zur Sache, da gab es einige Aus­ein­an­der­set­zungen auf den Tri­bünen zwi­schen den jewei­ligen Fan­gruppen. Heute pas­siert im Sta­dion selbst eigent­lich nichts mehr, die gewalt­be­reiten – Fans will ich sie gar nicht nennen – Chaoten, ver­ab­reden sich schon vorher und treffen sich weit weg vom Sta­dion, dort wo sie keine Polizei zu befürchten haben.

Sie meinen den klas­si­schen Hoo­li­ga­nismus?

Ja, genau.

Eine weit­läu­fige Mei­nung ist: Lass sie sich doch im Wald und auf dem Acker treffen und sich die Köpfe ein­schlagen, so lange sie unter ihres glei­chen sind und keine fried­li­chen Fans in der U‑Bahn ver­mö­beln. Das sieht die Polizei wohl nicht so?

Nein, das kann ja schließ­lich nicht außer Acht gelassen werden, wenn man die Infor­ma­tionen hat, dass sich irgendwo Grup­pie­rungen ver­ab­redet haben um sich – auf gut deutsch gesagt – auf die Fresse zu hauen. Das kann ja auch mal schief gehen, wenn sich bei­spiels­weise jemand schwerer ver­letzt. Außerdem pro­du­zieren diese Leute damit Straf­taten und wir sind gefor­dert dort Prä­senz zu zeigen.

Gibt es nega­tive Höhe­punkte an die Sie sich erin­nern können?

Ich denke da an ein Spiel zwi­schen Kickers Offen­bach und For­tuna Düs­sel­dorf, das muss 1988/89 in der zweiten Liga gewesen sein, und ich war bei der Bereit­schafts­po­lizei. Das war extrem. So, wie wir das heute kennen und hand­haben, also die Fans schon bei der Ankunft zu trennen und zum Sta­dion hin und im Sta­dion zu begleiten, das war damals noch nicht der Fall. Offen­ba­cher und Düs­sel­dorfer standen am Bie­berer Berg direkt neben­ein­ander. Wir als Bereit­schafts­po­li­zisten mit­ten­drin, quasi als mensch­liche Puf­fer­zone. Wäh­rend des Spiels ging es schon ordent­lich zur Sache und nach dem Abpfiff wurde es richtig hek­tisch. Ich selbst habe noch mit ansehen müssen, wie ein Kol­lege zusammen getreten wurde. Kein schöner Anblick.