Seite 2: Gezielt Informationen streuen

Und natür­lich musste ihr Vater, der Bayern- Fan, sie hin­fahren. Heute kann man wirk­lich von früh­kind­li­cher Prä­gung spre­chen – denn Malena hat ihre Familie geprägt. Jetzt fie­bert mein Vater mit 96, und wir gehen zusammen ins Sta­dion, wann immer es geht“, sagt sie. In meinem Freun­des­kreis gibt es nicht so viele Fuß­ball­fans, des­wegen nehme ich oft meine kleine Schwester mit zu 96. Die habe ich auch schon ange­steckt.“

Den Fehler, das fal­sche Sta­dion zu wählen, hat Sascha Polanec ver­mieden. Doch der 37-Jäh­rige weiß, dass die Arbeit noch nicht getan ist und dass überall Gefahren lauern. Auch und viel­leicht gerade in der ruhigen, fast ver­schla­fenen Stadt eine Stunde süd­lich von Nürn­berg, aus der seine Frau stammt und wo die Familie nun wohnt. Hier ist alles, sogar der Kin­der­garten, mit soge­nannten Bayern-Fans infi­ziert, die natür­lich noch nie im Sta­dion waren“, sagt der Vater. Er sorgt sich, sein Sohn könnte den Ver­lo­ckungen des Gla­mours erliegen. Wenn wir auf dem Spiel­platz sind, dann will er mich manchmal pro­vo­zieren. Er sagt dann zu seinen Freunden: ›Wir spielen Fuß­ball. Ich bin Bayern Mün­chen!‹ Und dann schaut er rüber zu mir, wie ich reagiere. Ich igno­riere das natür­lich.“

Gezielt Infor­ma­tionen streuen

Früher, zu Hornbys Zeiten, war das alles noch anders. Da waren nicht ständig die deut­schen und euro­päi­schen Erfolgs­teams im Fern­sehen zu sehen, da bekamen Kinder nicht andau­ernd vor­ge­gau­kelt, das Gras in anderen Sta­dien sei grüner. Beim Kampf gegen diese Ent­wick­lung hilft Sascha sein Beruf, denn inzwi­schen weiß seine Klasse, dass er besser gelaunt ist, wenn Nürn­berg gewonnen hat, oder dass es höh­ni­sche Kom­men­tare vom Lehrer gibt, wenn ein Schüler zum Sport­un­ter­richt in einem Chelsea-Trikot erscheint.

Trotzdem ist es schwierig“, gibt Sascha zu. Manchmal fragt Jona­than sogar, warum ich nicht Fan von Borussia Dort­mund sei, weil er sieht, dass die immer in Füh­rung liegen, wenn die Zwi­schen­stände durch­ge­geben werden.“ Da hilft nur, Infor­ma­tionen gezielt zu streuen – oder zu ver­heim­li­chen: Ich schaue regel­mäßig die DVD vom Pokal­sieg 2007 mit ihm an und ver­schweige im Moment noch, dass der Club auch mal in der zweiten und dritten Liga war. Wenn er erst neun oder zehn ist, dann ist die Sache wahr­schein­lich in tro­ckenen Tüchern, dann kann der Club sogar absteigen. Aber im Moment bin ich noch vor­sichtig.“

Manchmal hilft nur der Zufall

Nick Hornbys Vater wird solche Befürch­tungen auch des­halb nicht gehabt haben, weil es ja nie sein Plan war, den Sohn zu prägen. Er wollte bloß einen Aus­flug mit seinem Kind machen, dem der Zoo zu lang­weilig geworden war. Aber es können eben auch solch eher zufäl­lige Aktionen sein, die die tief­grei­fendste Wir­kung zei­tigen. So wuchs Sarah Kreuz aus Mün­chen im Laufe der acht­ziger Jahre in den Fuß­ball hinein, weil ihr Vater in Moo­sach aktiver Spieler war.

Meine kleine Schwester war da gerade auf der Welt, und sie war kein so ein­fa­ches Baby“, sagt Sarah. Also hat mich mein Vater ein­ge­packt und mit­ge­nommen, wenn er sonn­tags Spiele hatte, damit meine Mutter sich um die Kleine küm­mern konnte. Ich kann mich nicht an ein­zelne Spiele erin­nern, aber ich weiß noch, dass man mich immer zu den Freun­dinnen der anderen Spieler gesetzt hat. Ich hatte ein Stoff­tier dabei und immer einen Joghurt für die Halb­zeit­pause.“