Die Mann­schaft ist der Star“, sagte Berti Vogts bei der EM 1996. Das Motto ließe sich ohne wei­teres auch auf den Kader von Ein­tracht Braun­schweig anwenden, doch ist die Rolle des Stars beim BTSV bereits an den Trainer ver­geben: Torsten Lie­ber­knecht. Laut Manager Marc Arnold ist Torsten über all die Jahre zum Gesicht des Ver­eins geworden“.

Wäh­rend einer Fan­ver­samm­lung am 5. Oktober unter­schrieb Lie­ber­knecht einen Ver­trag bis 2020. Zum Ver­trags­ende stünde der gebür­tige Pfälzer seit zwölf Jahren an der Sei­ten­linie. Bereits jetzt ist Lie­ber­knecht nach Frank Schmidt (1. FC Hei­den­heim) der dienst­äl­teste Pro­fi­trainer. 

Die eine, kleine Truppe

Wir sind eine Art Gegen­ent­wurf zum nor­malen Fuß­ball­ge­schäft“, sagt Geschäfts­führer Soeren Oliver Voigt am Mikrofon von regio­nal­Heute“. Normal“ sei laut Voigt heut­zu­tage schnelles Han­deln, das könne man bei anderen Ver­einen – Voigt nennt das Bei­spiel VfB Stutt­gart – vor allem in puncto Per­so­nal­ent­schei­dungen sehen. Ein­tracht Braun­schweig hin­gegen setze in seiner Füh­rungs­riege gezielt auf eine Truppe“. Voigt sagt das voller Selbst­be­wusst­sein als einer der Köpfe dieser Truppe.

Der sport­liche Erfolg gibt der Ver­eins­füh­rung mit dieser Phi­lo­so­phie bisher Recht. Manche Fans aber sehen in der einen Truppe“ zu viel eli­täre Ver­schlos­sen­heit und zu wenig Trans­pa­renz. Was Neu­ig­keiten über Trans­fers zum Bei­spiel angeht, ist es bei der Ein­tracht wie im Fort Knox. Nichts dringt vorab nach außen.

Dieses Kon­strukt steht und fällt jedoch mit dem Erfolg der Mann­schaft. Solange der Ball im geg­ne­ri­schen Tore landet, sind die Fans besänf­tigt. Sport­li­cher Erfolg führt aber auch dazu, dass kri­ti­sche Fragen weniger und leiser gestellt werden. Im Erfolg neigen Fans bekannt­lich auch dazu, Scheu­klappen zu tragen. Indes nicht mehr zu wissen, was ein kleiner Kreis Ver­ant­wort­li­cher im Fort Knox“ ent­scheidet, kann gefähr­lich werden. Das fällt Fans oft erst dann wieder ein, wenn die Bälle im eigenen Netz liegen. 

Trans­fers per Pres­se­mit­tei­lung

Im Moment läuft es. Mit der Mau­er­taktik hält der Klub das Umfeld still und garan­tiert der Mann­schaft kon­zen­triertes Arbeiten. Das wurde am Transfer von Sturm­ta­lent Suleiman Abdul­lahi deut­lich, der für knapp eine Mil­lionen Euro von Viking Sta­vanger an die Ham­burger Straße“ wech­selte. Kein Getöse bei Ver­trags­ver­hand­lungen, keine offi­zi­elle Vor­stel­lung, kaum Inter­views – statt­dessen gab der Verein die Neu­ver­pflich­tung via Pres­se­mit­tei­lung bekannt. Ein Zustand, von dem andere Ver­eine nur träumen können.