Im Winter 1988/89 hatten die Toten Hosen eine revo­lu­tio­näre Idee. Sie behielten auf ihrer Tournee eine Mark von jedem Besu­cher ein, um ihrem Lieb­lings­verein einen Spieler zu schenken. Dank der Zwangs­ab­gabe gelangte der 20-jäh­rige Oliver Gensch von Bayern Mün­chen zu For­tuna Düs­sel­dorf. Damals sprach man in der Fan­szene von einer krea­tiven Soli-Aktion.

235.506 Euro in sechs Wochen

Heute würde man ein sol­ches Pro­jekt Crowd­fun­ding nennen. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Prinzip im Pro­fi­fuß­ball ankam. In diesem Sommer ist die erste Kam­pagne über die Bühne gegangen, zwi­schen Grie­chen­land und Bel­gien. Und mehr als 500 Klein­an­leger machten mit, ganz frei­willig. Die deutsch-schwei­ze­ri­sche Online-Platt­form kickrs​.net ermög­lichte die Über­wei­sung, auch klei­nere Summen waren will­kommen. In sechs Wochen kamen 235.506 Euro zusammen, um Panagiotis Kyni­go­poulos zu Sint-Truiden V.V. zu lotsen. Die ver­wen­deten Hash­tags: #foot­ball­re­vo­lu­tion und #teamkyn.

Sechs Monate später sitzt Kyn, wie ihn alle rufen, im Grand Café in Sint-Truiden, einer Klein­stadt mit 40 000 Ein­woh­nern. Er lernt jetzt Flä­misch in der Schule, fährt mit dem Fahrrad zum Trai­ning und hat ver­standen, wie man auf Kunst­rasen spielt. Der Schuh­ver­brauch ist zwar etwas höher als auf den holp­rigen Natur­plätzen in der Heimat, aber die Pässe kommen ver­läss­li­cher an. Die eng­li­sche Tages­zei­tung The Times“ schrieb nach seinem Wechsel nach Bel­gien: Kyn could become one of the most signi­fi­cant trans­fers of the year.“ Der schnelle Stürmer ist das, was Experten einen Match­ch­anger nennen – und solche Kicker werden überall gesucht.

Der kickrs-Gründer jettet durch halb Europa

Kyn ist übri­gens nicht alleine zum Termin erschienen, auf ihn warten bereits: sein grie­chi­scher Spie­ler­be­rater aus Deutsch­land, sein grie­chi­scher Betreuer in Bel­gien und Dr. Daniel Hil­de­brand, einer der Gründer von kickrs​.net. Was für ein Trubel im beschau­li­chen Sint-Truiden, so etwas gibt es hier auch nicht alle Tage. Hil­de­brand, ein stu­dierter Jurist im Her­melin-Mantel, ist eigens aus Mün­chen über Düs­sel­dorf ange­reist. Er jettet gerade auf Part­ner­suche durch halb Europa. Eine Woche vorher war er bei Rot-Weiss Essen, um die erste Crowd­fun­ding-Aktion auf deut­schem Boden zu ver­künden.