Die Zei­chen standen bei mir schon recht früh auf schwarz-weiß-grünes Fan-Dasein. Und das, obwohl ich in Berlin auf­wuchs, 595 Kilo­meter vom Bökel­berg ent­fernt. Meine cle­vere Tante Christa, selbst über­zeugte Borussin, schenkte mir Bett­wä­sche von Borussia Mön­chen­glad­bach, in einem Alter, wo ich noch logo­pä­di­sche Hilfe gebraucht hätte, um den Namen des Ver­eins aus­zu­spre­chen. Täg­lich starrte ich unfrei­willig vor dem Ein­schlafen und nach dem Auf­wa­chen die schwarz-weiße Raute auf gift­grünem Hin­ter­grund an. Ein­ordnen konnte ich das Logo damals wohl kaum, der ständig wie­der­keh­rende Prä­sen­ta­ti­ons­ef­fekt hin­ter­ließ anschei­nend trotzdem seine Spuren. 

Theo­re­tisch hätte ich auch Fan der Frau­en­mann­schaft des FSV Frank­furt werden können. Dieses Team gewann bei meinem ersten Sta­di­on­be­such den DFB-Pokal durch einen 3:1‑Sieg gegen den TSV Siegen im damals noch recht grauen Ber­liner Olym­pia­sta­dion. Ein Onkel hatte Karten für meinen Vater, meinen älteren Bruder und mich besorgt. Als ich dachte, dass es jetzt end­lich wieder nach Hause geht, begann das nächste Spiel – das Finale der Männer.

Balu, der Bär wäre mir lieber gewesen

Nun konnte ich die Borussia also mal live sehen. Dazu noch Top-Plätze auf der Haupt­tri­büne, aus­ver­kauftes Haus, ja sogar der dama­lige Bun­des­kanzler Helmut Kohl saß in unmit­tel­barer Nähe – ich lang­weilte mich trotzdem. Mehr als 180 Minuten auf einem harten Sitz zu ver­weilen, das war nichts für einen Acht­jäh­rigen mit Ten­denz zu ADHS. Fuß­ball, zumin­dest in seiner vollen Länge, wirkte damals eher abs­trakt auf mich, und auch Helmut Kohls Anwe­sen­heit ließ mich eher kalt. Balu, der Bär wäre mir lieber gewesen.

War ich etwa nur ein Alibi-Fan? Nie­mals! Ich riss mich zusammen und quälte mich durch ein eher maues Spiel meiner Borussen gegen damals noch ziem­lich graue Wölfe vom VfL Wolfs­burg, zu dem Zeit­punkt noch zweit­klassig.