Flüchtlingspolitik in Italien

Meine Mannschaft weint

Die geplante Räumung eines Flüchtlingslagers bringt die italienische Bevölkerung auf. Und den Fußball durcheinander.

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»Mein Kapitän hat mir geschrieben. Er hat gesagt, er habe in der Zeitung davon gelesen und es in den Fernsehnachrichten gesehen. Er sagte, er habe sofort weinen müssen.« So spricht Anszou Cissè, 19 Jahre alt, in einem Videointerview mit der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera über das Ereignis, dass in Italien für Tumulte sorgt.

Die zweitgrößte Ankunftszentrum für Flüchtlinge des Landes soll bis zum 31. Januar geräumt werden. Wegen eines Dekrets, das auf Wunsch des Innenminister Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Partei Lega Nord entstand. Anszou Cissè ist einer von 535 Menschen, die in dem C.A.R.A (Centro di accoglienza per richiedenti asilo) in Castelnuovo di Porto 36 Kilometer nördlich von Rom untergebracht waren. Und er war Stürmer bei Castelnuovese Calcio, dem Verein der kleinen Gemeinde.




Sein letztes Spiel fand am Wochenende statt, dann hat er es erfahren: Er darf nicht länger bleiben. Anszou Cissè kommt aus dem Senegal, über Lampedusa erreichte er 2017 Castelnuovo di Porto und begann dort Fußball zu spielen. Der Verein setzt sich nun für ihn ein. Trainer und Spieler können es nicht fassen, der Präsident von Castelnuovese Calcio, Mauro Sabbatini, sagte italienischen Nachrichtenagenturen, dass es der Mannschaft gerade sehr schlecht gehe, Anszou sei ein vorbildlicher Spieler, den alle im Team mögen. Er habe eine große Leidenschaft für den Fußball, er wolle Profi werden, das sei sein Traum.

Wohin Anzsou Cissè gebracht wird, konnte er seinen Mannschaftskollegen nicht sagen. »Der Kapitän hat gefragt, wann ich los muss und wohin und ich habe gesagt, dass ich das nicht weiß« , sagt er im Video. Für ihn und sehr viele andere Menschen in Italien macht das alles einfach keinen Sinn.