Ja gut, äh. Seinen Emp­fin­dungen den rich­tigen Aus­druck zu ver­leihen, ist oft kom­pli­zierter als die Emp­fin­dung selbst. Kennt man ja zum Bei­spiel rund um alle Gespräche, die das Essen betreffen. Ob es nun schmeckt oder nicht, lässt sich zumeist ja noch mit rela­tiver Bestimmt­heit sagen. Aber wie? Und dann mäan­dern die Men­schen zwi­schen hilf­losen Stanzen („Lecker!“) und noch hilf­lo­seren Schwur­be­leien („Also diese erdige Note im Abgang, und erst das gau­mige Cassis-Küss­chen im Her­nach. Wirk­lich toll, der Quark!“).

Floskel-Roboter

Und weil der Fuß­ball nichts anderes ist als ein Spiegel des Lebens und jeder mensch­li­chen Regung, macht auch er nicht Halt vor dem Nichts des Alless­a­genden. Beson­ders augen­schein­lich wird das in den Inter­views direkt nach Spiel­schluss. Da stehen sie, die abge­kämpften Stell­ver­treter mas­sen­hafter Erwar­tungen und Träume. Eben noch haben sie sich für ihren Verein, für ihr Land die Lunge aus dem Leib gerannt, jetzt sollen sie schon im nächsten Augen­blick zur Lage der (Fußball-)Nation spre­chen. Nur ver­ständ­lich, dass sie dabei zu Floskel-Robo­tern werden.

Es war das erwartet schwere Spiel“, sagen sie dann. Was so viel heißt wie: Wir hatten schon gedacht, dass wir die weg­fi­deln, aber was kann ich dafür, wenn mein Mit­spieler lieber die Sonne grüßt, als zu grät­schen?!“ Auch gern genommen: Das ist Fuß­ball.“ Was zunächst immer stimmt. Also sofern man sich über Fuß­ball unter­hält. Was aber wie­derum vor allem so viel heißt wie: Keine Ahnung, was da gerade pas­siert ist.“ Etwas dezi­dierter ist da schon: Ich habe gute Ansätze gesehen.“ Ein Satz für fein­füh­lige Psy­cho­logen, die nach dem 0:4 gegen den krassen Außen­seiter nicht noch zusätz­lich Öl ins Feuer gießen wollen. Beson­ders sou­ve­räne Phra­sen­dre­scher machen übri­gens weder vor den Mikro­fonen noch der Logik halt.

So wie der Schweizer Natio­nal­spieler Haris Seferovic, der einst und in Diensten von Ein­tracht Frank­furt auf eine Ein­stiegs­frage ant­wor­tete: Wie gesagt …“ Immer zu emp­fehlen ist der posi­tive Aus­blick. Vor­wärts immer, rück­wärts nimmer. Hat schon immer gut geklappt, die Losung. Nicht nur, weil das nächste Spiel immer das schwerste ist, son­dern vor allem auch, da sich die ver­dammte Klat­sche gegen Absur­di­stan nun eh nicht mehr ändern lässt.

Kein Vor­wurf

Wir werden das Spiel in aller Ruhe ana­ly­sieren und dann die ent­spre­chenden Lehren daraus ziehen.“ Was in der Über­set­zung Fuß­ball-Wahr­heit bedeutet: Wahr­schein­lich spielen wir dann mit sechs Neuen in der Startelf. Mal sehen, ob das was bringt.“ Bringt auch das nichts ein, hilft nur noch die öffent­liche Abbitte: Ich kann der Mann­schaft keinen Vor­wurf machen!“ Sich selbst natür­lich auch nicht, oder doch? Oder doch der Mann­schaft? Aber denen muss ich morgen schon wieder unter die Augen treten. Und ist doch ohnehin egal jetzt, das Kind ist nun mal in den Brunnen gefallen. Mal ver­liert man, mal gewinnen die anderen. Glaubt ihr nicht? Dann schau’n mer mal, dann sehen wir schon.