Mario Kempes, Welt­meister 1978 mit Argen­ti­nien, ist in Valencia immer noch ein abso­luter Publi­kums­lieb­ling und war auch des­halb Bot­schafter des Ver­eins. Doch auch Kempes musste Anfang des Jahres ein­ge­stehen: Ich würde das, was momentan in Valencia pas­siert, auch meinem schlimmsten Feind nicht wün­schen.“ Nach der jüngsten 0:4‑Niederlage zu Hause gegen Eibar legte er nach: Leider ist dieses Team gänz­lich ver­loren. Es gibt keinen Spiel­stil, keine Füh­rungs­qua­li­täten und nahezu keinen Enthu­si­asmus.“

Wenige Stunden später ver­kün­dete Kempes seine Ent­las­sung als Bot­schafter des FC Valencia. Der dritt­beste Stürmer der Ver­eins­ge­schichte reiht sich damit in die lange Liste jüngster Ent­las­sungen ein. Dabei sprach er nur das aus, was alle denken.

Die Krise der Fle­der­mäuse“ ist brutal offen­sicht­lich: Mit 19 Punkten nach 20 Spielen steht Valencia auf dem 16. Platz der Pri­mera Divi­sión, ledig­lich sechs Punkte trennen die Mann­schaft von den Abstiegs­rängen. Zwei Siegen im Januar folgten zwei Nie­der­lagen, zuletzt das kra­chende 0:4 gegen Eibar, ein Offen­ba­rungseid.

Zum zweiten Mal der dritte Trainer

Seit Anfang Januar steht mit Voro Gon­zález bereits der dritte Trainer der Saison an der Sei­ten­linie – zum zweiten Mal: Nachdem Pako Ayes­terán Ende Sep­tember gehen musste, über­nahm Gon­zález, nur um kurze Zeit später durch Cesare Pran­delli ersetzt zu werden, den er jetzt wieder beerbte. 


Ins­ge­samt hat der Inte­rims­trainer bei Los Che“ schon fünf Mal aus­ge­holfen, sein aktu­eller Ver­trag läuft bis Ende der Saison. Mit der besten durch­schnitt­li­chen Punkte-Aus­beute aller Trainer ist er der kleine Hoff­nungs­schimmer in ansonsten düs­teren Zeiten für alle Valencia-Fans.

Für viele von ihnen ist der sin­ga­pu­ri­schen Investor Peter Lim für die Misere ver­ant­wort­lich, obwohl Valen­cias Schulden andere machten. Unter Lim haben sie sieben Trainer und drei Sport­di­rek­toren kommen und gehen sehen, zuletzt warf wenige Tage nach Coach Pran­delli auch Sport­chef Jesus Garcia Pitarch das Hand­tuch. Und mit jedem Abgang wurde das Chaos größer. 

Als Lim den hoch­ver­schul­deten Verein 2014 über­nahm, fei­erten die Fans ihn als Retter, Lim, wir lieben dich“ schallte durch das Mes­talla. Und tat­säch­lich: In der ersten Saison nach der Über­nahme qua­li­fi­zierten sich die Fle­der­mäuse für die Cham­pions League, die Rück­kehr zu ruhm­rei­chen Zeiten schien nah. In der Saison 2015/2016 ging es aber schnell wieder bergab.