Philipp Max bekommt den Ball tief in der eigenen Hälfte. Auf seiner linken Abwehr­seite stoppt er ihn sanft, ver­schafft sich kurz den Über­blick. Dann läuft er los. Die ganze Sei­ten­aus­linie ent­lang. Auf der Hälfte der Strecke lässt er einen Gegen­spieler aus­steigen, bevor er seinen Weg gen geg­ne­ri­sches Toraus schier unauf­haltsam fort­setzt.

Fast dort ange­kommen hebt er im Lauf flüchtig den Kopf. Das reicht, um den Straf­raum zu ana­ly­sieren. Er geht noch einen Schritt, pflanzt die Stollen des rechten Stand­beins in den Rasen. Die Mus­kel­fa­sern im Linken spannen sich, der Ball rollt in Posi­tion, Max holt aus. Dann bret­tert er eine ebenso scharfe wie prä­zise Flanke vors geg­ne­ri­sche Tor.

So oder so ähn­lich lässt sich die bis­he­rige Bun­des­li­ga­saison von Philipp Max beim FC Augs­burg zusam­men­fassen. Und gleich­zeitig seine größte Stärke. Mar­schieren“ nennt er es selbst, was er da macht. Aber der Teil mit dem Flanken ist ebenso wichtig.

Bana­nen­flanken wie David Beckham

Er weiß genau, wo wir in der Mitte stehen“, sagt Augs­burgs Stürmer Michael Gre­go­ritsch. Stimmt: Max hat in dieser Spiel­zeit bereits elf Tore auf­ge­legt, ist mit Abstand der beste Vor­la­gen­geber der Liga. Auf Platz zwei folgt unter anderem Thomas Müller mit sieben Assists. 86 Flanken hatte er allein in der Hin­runde geschlagen. Zum Ver­gleich: In der ganzen letzten Saison spielte Frank­furts Timothy Chandler mit 119 liga­weit die meisten.

Max flankt viel und er flankt gut. 44 seiner Her­ein­gaben kamen diese Saison an, mehr als jede dritte. Egal ob flach und scharf von der Grund­linie, als Stan­dard ver­packt oder aus dem Halb­feld hoch hinter die geg­ne­ri­sche Linie. Für die letzte Vari­ante hat er sich ein großes Vor­bild gesucht: Ich wollte immer so Bana­nen­flanken schlagen wie David Beckham“, sagt er.

Aber ohne gute Posi­tion ist eine Flanke eben auch nur ein Befrei­ungs­schlag. Immer wieder läuft der ehe­ma­lige Schalker A‑Ju­gend-Meister seine linke Seite auf — zum Flanken — und ab — zum Ver­tei­digen. Knapp sechs­ein­halb Mara­thons hat er in der Saison schon abge­rissen, 272 Kilo­meter in 24 Spielen, zweit­höchster Wert der Liga. Dahin­ge­hend passt seine Bezeich­nung Mar­schieren“ ziem­lich gut. 

Max hat diese Saison einen Rie­sen­sprung gemacht. Der Guar­dian lis­tete ihn unter den zehn Spie­lern in Europa, die sich im Ver­gleich zum Vor­jahr am meisten ver­bes­sert haben. Über­ra­schend, aber nicht zu unrecht. Auf Schalke debü­tierte er für eine Minute im Derby, mit dem KSC verlor er die Rele­ga­tion, in Augs­burg brauchte er Zeit. Jetzt scheint der Sohn von Ex-Tor­schüt­zen­könig und Schalke-Euro­fighter Martin Max in der Bun­des­liga ange­kommen zu sein.