Alex­ander Zor­niger, was für eine Atmo­sphäre haben Sie bei Ihrem Amts­an­tritt in Stutt­gart vor­ge­funden?
Ich habe den Ein­druck, dass mir mit viel Respekt und Vor­freude ent­ge­gen­ge­treten wird. Was ich aber auch spüre, ist ein tief ver­wur­zelter Respekt vor dem, was sich hier in den ver­gan­genen Jahren abge­spielt hat.

Was meinen Sie damit?
Wenn ein Klub über lange Zeit hinter den Erwar­tungen zurück­bleibt, geht er nicht tiefen­ent­spannt in die neue Runde. Das ist doch logisch. Es muss sich erst zeigen, ob die neue Spiel­weise, die wir hier initi­ieren wollen, dazu bei­tragen kann, um die Leute wieder zu begeis­tern. Aber ich kann sagen, dass ich auf eine große Offen­heit gestoßen bin. Schon nach wenigen Ein­heiten konnte ich sehen, dass die Mann­schaft keine Vor­be­halte hat, mit meinen Vor­stel­lungen umzu­gehen.

Woran erkennen Sie das?
Mimik, Gestik, Kör­per­sprache. Wenn Sie die Spieler direkt anspre­chen, lässt sich das sehr schnell fest­stellen. Ich habe gewisse Impulse gesetzt und schnell gemerkt: Da kommt was zurück.

In einem Tra­di­ti­ons­klub wie dem VfB herrscht auch im Umfeld stets ein hohes Anspruchs­denken.
Warum auch nicht? Die Fans sollen Ansprüche haben. In Würt­tem­berg sind viele Welt­markt­führer zuhause. Da wäre es doch tra­gisch, wenn die Leute aus­ge­rechnet beim Fuß­ball sagen: Wir sind zufrieden, wenn der VfB in den nächsten zehn Jahren nicht absteigt.“ Aber ich glaube, dass der hohe Anspruch inzwi­schen mit einem rea­lis­ti­schen Blick auf die Dinge ein­her­geht. 

Mit Ihnen als Trainer ver­sucht der VfB mal wieder einen Neu­an­fang. Unter Ihrer Feder­füh­rung soll der Klub ein ein­heit­li­ches, offen­sives Spiel­system bekommen.
Das heißt aber nicht, dass es nur einen ein­zigen gang­baren Weg gibt. Was ich ver­mit­teln möchte, ent­spricht eher den Begren­zungen an einer Straße, in deren Bereich man seine Linie behalten muss, sich ansonsten aber frei bewegen kann.

Wie müssen wir uns Ihre Leit­planken vor­stellen?
Ich will einer­seits fuß­bal­le­ri­sche Leit­bilder ver­mit­teln, ande­rer­seits aber auch Werte wie Respekt, Lei­den­schaft und Dank­bar­keit dafür, dass man diesen Job machen darf. Dinge, die drin­gend benö­tigt werden, um diese neue Spiel­weise aus­zu­füllen.

Mit anderen Worten: Demut?
Die gehört auch dazu, aber man darf auch nicht in Demut ver­harren. Ich bin, wie Sie wissen, noch nicht so lange Pro­fi­trainer. Ich habe 2009 als Co-Trainer beim VfB Stutt­gart gear­beitet, war in Groß­as­pach in der Regio­nal­liga, habe Leipzig von der 4. In die 2. Liga geführt und habe vorher beim Würt­tem­ber­gi­schen Ten­nis­bund gear­beitet. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es sei stets mein Traum gewesen, eines Tages in der Bun­des­liga zu sein.

Son­dern?
Mein Ziel war bei allen Dingen, die ich gemacht habe, an mein Maximum zu gehen.

Das werden Sie in Ihrer neuen Funk­tion ganz sicher müssen.
Und darauf freue ich mich. Denn ich weiß, was für eine Kraft ich im Umgang mit Men­schen ent­wi­ckeln kann. Ich liebe es, Teams zusammen zu stellen und Fähig­keiten aus Spie­lern heraus zu kit­zeln.

Hohe Ansprüche, die sehr viel Energie kosten.
Das mag sein. Ich möchte für mög­lichst viele Spieler der beste Trainer sein, den sie je hatten. Ob das den fuß­bal­le­ri­schen, den rein tak­ti­schen oder mensch­li­chen Bereich betrifft, ist dabei nicht ent­schei­dend. Mit diesem Anspruch gehe ich auf die Leute zu. Und solange sie diesen Respekt erwi­dern, kommen alle gut mit mir aus.