Fuß­baller wie Duncan Fer­guson werden heute nicht mehr gebaut. Weil sich die Klubs solche Typen nicht mehr erlauben wollen. Oder weil die Klubs glauben, dass sie sich solche Spieler nicht mehr erlauben dürfen.

Eigent­lich ist das schade. Für uns Fans, für den Fuß­ball – vor allem aber für den Unter­hal­tungs­wert dieses Sports. Die Stars der Gegen­wart mögen groß­ar­tige Kicker sein. Als Cha­rak­ter­köpfe sind sie zumeist unbrauchbar.

Bis zum Hals Welt­klasse

Duncan Fer­guson war anders, weil er anders sein durfte. Weil die Zeit, in der er als Fuß­baller seine ersten Geh­ver­suche machte, eben­falls eine andere war. Ohne soziale Netz­werke und mediale Über­frach­tung, dafür ver­sehen mit einem zum Teil schmud­de­ligen Image, in dem Figuren wie ein 1,93 Meter großer Schotte mit Hang zu Streit und Sau­ferei nicht bereits im Teen­ager-Alter aus­sor­tiert wurden. Es gibt sie ja heute noch, die Fer­gu­sons der Gegen­wart. Unglaub­lich talen­tiert, Fuß­baller durch und durch – aber mit einer Per­sön­lich­keit ver­sehen, die einst der große Sozio­loge Otto Reh­hagel tref­fend ana­ly­sierte, als er über Mario Basler urteilte: Bis zum Hals Welt­klasse, dar­über Kreis­klasse.“ Basler war übri­gens Lieb­lings­spieler des ansonsten sehr gestrengen Reh­hagel. Otto briet Mario eine ganze LKW-Ladung voller Extra­würste und der dankte es ihm mit Dribb­lings und Toren, von denen noch heute gespro­chen wird. Unnötig zu erwähnen, dass es Trainer wie Otto Reh­hagel heute eben­falls nicht mehr gibt.

Auch von Duncan Fer­guson spre­chen sie auf der Insel noch heute. Im Pub, auf dem Weg zum Sta­dion, in der Mit­tags­pause. Sie erin­nern sich an seine Tore und sein wildes Spiel, mit dem er ganze Abwehr­reihen beschäf­tigte. Vor allem aber an Geschichten, die dem 1971 gebo­renen Fer­guson den Spitz­namen Duncan Dis­or­derly“ ein­brachten, Duncan ord­nungs­widrig. Eine dieser Geschichten cha­rak­te­ri­siert den Wahn­sinn und die Lei­den­schaft seines Wesens viel­leicht am ehesten. War er einer diesre Cha­rak­ter­köpfe, nach denen wir uns heute so sehnen? Wagen wir dafür eine Zeit­reise. Zurück in den Abend des 20. November 1994. Ein Sonntag in Liver­pool.

Olaf Thon war ganz begeis­tert: Wie heißt der denn?“

Seit Beginn der Saison 1994/95 spielt Duncan Fer­guson beim FC Everton. Trainer Mike Walker hat den 22-jäh­rigen Angreifer von Glasgow Ran­gers aus­ge­liehen. Dort hatte man 1993 noch die Rekord­summe von vier Mil­lionen Pfund an Dundee United über­wiesen, um Fer­guson stürmen zu sehen. Selbst die Bayern hatten sich inter­es­siert gezeigt, nachdem der Youngster im März 1993 den amtie­renden Welt­meister aus Deutsch­land beim Freund­schafts­spiel im Hampden Park (1:0 für die DFB-Elf) ordent­lich durch­ge­schüt­telt hatte. Ich war immer skep­tisch bei bri­ti­schen Spie­lern“, so Bayern-Vize Karl-Heinz Rum­me­nigge, aber was er heute gemacht hat, hat mich über­zeugt. Acht von zehn Kopf­bällen gewinnt er gegen Buch­wald – und der gilt als der beste Spe­zia­list der Bun­des­liga.“ Nach­frage von Libero Olaf Thon nach dem Schluss­pfiff: Her­vor­ra­gend, die Nummer neun. Wie heißt der denn?“