Der Ein­stieg in den Spiel­be­richt vom 9. Juli nimmt sich, nun ja, staub­tro­cken aus: Ein Tor Vor­sprung ent­schied ein aus­ge­gli­chenes Spiel für Halm­stad, das am Sonntag in der Super­ettan (2. schwe­di­sche Liga; d. Red.) zu Hause mit 2:1 gegen Eskil­stuna gewann.“ Autor des Textes ist Sport­bla­dets Tex­trobot“ – dahinter ver­birgt sich nicht etwa das Pseud­onym eines Sciene-fic­tion-begeis­terten Fuß­ball­re­por­ters, son­dern Künst­liche Intel­li­genz aus dem Hause United Robots“. Die Mal­möer KI-Schmiede (KI steht für Künst­liche Intel­li­genz) zeichnet seit Ende 2017 für zahl­reiche jour­na­lis­ti­sche Kurz­be­richte in Schwe­dens größter Tages­zei­tung Afton­bladet bezie­hungs­weise deren Online-Fas­sung afton​bladet​.se ver­ant­wort­lich.

Und das liest sich dann so: Eskil­stuna über­nahm die Füh­rung in der 8. Minute durch Chidi Dauda Omeje, bedient von Samuel Nna­mani. Dann kam Halm­stad auf und drehte den Spieß um. Kurz darauf glich Halm­stad über Samuel Kroon aus, bedient von Rasmus Wie­des­heim-Paul. Halm­stad gelang nach einer Vier­tel­stunde in der zweiten Halb­zeit der Treffer zum 2:1 durch Abdel Diarra, der das Match ent­schied. Im nächsten Spiel trifft Halm­stad am Samstag, 25. Juli um 17.30 Uhr zu Hause auf Akro­polis IF. Eskil­stuna trifft am Freitag, den 24. Juli um 19 Uhr zu Hause auf GAIS.“

Sogar Inter­views sind mit KI mög­lich

Kurz und nüch­tern runter berichtet, ohne sti­lis­ti­schen Schnick­schnack – das ist die Hand­schrift von Sport­bla­dets Tex­trobot“. Für die Satz­kon­struk­tion zuständig ist eine Art digi­tales Bau­kas­ten­ver­fahren, wes­halb der Text an man­chen Stellen etwas scha­blo­nen­haft wirkt. Dafür erhält der Leser inhalt­lich kor­rekte Infor­ma­tionen, frei von mensch­li­chem Ver­sagen wie etwa Tipp­feh­lern. Und: Die Berichte sind garan­tiert mit dem Schluss­pfiff fertig. Die dazu benö­tigten Daten wie Tore, Schützen, Vor­be­reiter, Aus­wechs­lungen lie­fert ein externer Dienst­leister in Echt­zeit.

Doch die Text-Roboter können noch viel mehr: Wir haben eine Q&A‑Funktion ent­wi­ckelt, dank der wir kurz nach Spie­lende brand­ak­tu­elle Inter­views lie­fern können“, verrät Cecilia Camp­bell, die Mar­ke­ting­chefin von United Robots“: Die Fragen werden auto­ma­tisch aus den Daten im Text gene­riert und den jewei­ligen Trainer auf dessen Smart­phone über­mit­telt. Kas­siert ein Team zum Bei­spiel viele Gegen­tore, wirft das Fragen nach der Defen­siv­leis­tung auf.“ Die der Coach dann auf digi­talem Wege beant­wortet.

Wenn die simp­leren Text­stücke also von Robo­tern ver­fasst werden, haben die echten Reporter den Rücken frei, um hoch­wer­tige Texte zu pro­du­zieren“

Cecilia Campbell

Immer mehr große und kleine Zei­tungen, vor allem in Skan­di­na­vien, lassen ihre (Fußball-)Berichterstattung von Text-Robo­tern erle­digen. Dabei han­delt es sich um relativ simple Sprach­mo­delle“, die allein auf Basis von sta­tis­ti­schen Infor­ma­tionen zusam­men­hän­gende Text­kon­strukte bilden. Geschwin­dig­keit und die Fähig­keit, alle Spiele in jeder Runde abzu­de­cken, waren Schlüs­sel­fak­toren für dieses Pro­jekt“, erklärte Afton­bla­dets“ zustän­diger Pro­jekt­ma­nager Mat­tias Andersson zur Amts­ein­füh­rung der Text-Roboter vor etwas mehr als zwei Jahren. Wobei man damit natür­lich auch Per­so­nal­kosten ein­sparen kann.

Doch die Roboter sollen kei­nes­wegs das Ende der Reporter aus Fleisch und Blut ein­läuten, wie Cecilia Camp­bell beteuert: In der heu­tigen Medi­en­welt hast du nur eine Zukunft, wenn du Roboter und echte Reporter für dich arbeiten lässt, und wenn du diese Kom­bi­na­tion richtig ein­setzt: Gerade Online-Medien können lang­fristig nur bestehen, wenn sie genug Qua­li­täts­an­ge­bote wie tief­ge­hende Inter­views, kluge Kom­men­tare oder packende Repor­tagen lie­fern, für die deine Kunden bereit­willig Geld bezahlen. Wenn die simp­leren Text­stücke also von Robo­tern ver­fasst werden, haben die echten Reporter den Rücken frei, um hoch­wer­tige Texte zu pro­du­zieren.“