FC Berlin / BFC Dynamo
Platz 11 / 22:30 Punkte / 25:39 Tore


Nicht wenige finden gerecht, was dem BFC Dynamo nach dem Mau­er­fall wider­fahren ist. Er galt als Stas­i­klub, als »Schie­ber­meister«, als Erich Mielkes Lieb­lings­team. Und fiel richtig tief.



Ein Nie­der­gang, der sich aller­dings schon vor der Wende ange­deutet hatte. Das Team, das zwi­schen 1979 und 1988 unun­ter­bro­chen Meister wurde, kam all­mäh­lich in die Jahre. 1989 gelang »nur« noch die Vize­meis­ter­schaft, 1990 gar nur Platz vier. Erst­mals seit langer Zeit reichte es nicht mehr für das inter­na­tio­nale Geschäft. Das Team zer­brö­ckelte. Andreas Thom zog es nach Lever­kusen, Thomas Doll und Frank Rohde nach Ham­burg, Rainer Ernst nach Kai­sers­lau­tern. 

Die Stars gingen, das Team zer­brö­ckelte

Viel Geld spülten diese Trans­fers in die Kassen. In wessen Kassen aller­dings, ist frag­würdig. Kurzum: Etliche Mil­lionen ver­si­ckerten und der BFC stand vor einem Scher­ben­haufen. Vom eigenen Ruf dis­kre­di­tiert, ging der Klub in die Offen­sive und nannte sich fortan FC Berlin. Ein Ver­such, das miese Image als Sta­si­günst­ling zu kaschieren. Ebenso hilf- wie erfolglos. Die wenigen Spon­soren, die wil­lens waren, in den Ost­fuß­ball zu inves­tieren, machten einen großen Bogen um Hohen­schön­hausen und scherten sich nicht darum, ob der Verein nun BFC oder FCB hieß.

Zu prä­sent waren die Erin­ne­rungen an frag­wür­dige Elf­meter und zu prä­sent war das Hoo­li­gan­pro­blem. Rund um den FC Berlin eta­blierte sich eine der größten Gewalt­szenen des (ost)deutschen Fuß­balls. Mit dem Tod Mike Pol­leys am 3.November 1990 fand diese Ent­wick­lung ihren nega­tiven Höhe­punkt. Polley wurde von einem über­for­derten Poli­zisten bei extremen Kra­wallen anläss­lich des FCB-Gast­spiels bei Sachsen Leipzig erschossen. Von diesen Pro­blemen gebeu­telt lief der FC Berlin in der Schick­sals­saison der Ober­liga ledig­lich auf Platz elf ein und schei­terte in der Rele­ga­tion knapp am BSV Bran­den­burg. Aus dem Rekord­meister wurde ein Dritt­li­gist. In der dritten Liga fanden sich die Ber­liner anfangs gut zurecht und konnten sich 1992 für die Auf­stiegs­runde zur 2. Bun­des­liga qua­li­fi­zieren. Diese ent­schied jedoch der VfL Wolfs­burg für sich und beim FC Berlin kehrte Depres­sion ein.

Der Verein ver­ließ die Stätte all seiner Erfolge, den Jahn-Sport­park, und spielte fortan wieder in seiner eigent­li­chen Heimat, dem Sport­forum in Hohen­schön­hausen. 1994 reichte es noch einmal für die Qua­li­fi­ka­tion zur Regio­nal­liga, in der der FCB aller­dings nur die Rolle einer grauen Maus spielte. In der sport­li­chen Bedeu­tungs­lo­sig­keit ange­kommen, erin­nerten sich die Ber­liner weh­mütig an die Ver­gan­gen­heit und leis­teten ihren Beitag zur auf­kom­menden Ost­algie-Welle.

Die BFC-Fans leis­teten ihren Bei­trag zur Ost­algie

Aus dem FC Berlin wurde 1999 wieder der BFC Dynamo, ver­bunden mit Que­relen um die Ver­mark­tungs­rechte des eins­tigen Wap­pens. Diese hatte sich ein fin­diger Fan­ar­tikel-Händler zu Wen­de­zeiten für lum­pige 80 Mark gesi­chert und es Jahre, sowie etli­chen Profit später an ein Hell’s Angels-Mit­glied ver­kauft. Doch auch mit altem Namen lief es beim BFC nicht besser. Als aus vier Regio­nal­ligen zwei wurden, schei­terte der Klub am Cut. Der BFC rutschte in die Ober­liga. 2001 bot sich die Chance zum Auf­stieg, doch der 1.FC Mag­de­burg zog nach zwei Rele­ga­ti­ons­spielen den län­geren. Für beide Ver­eine, für den FCM wie den BFC, ging es bei diesen Aus­schei­dungs­spielen um alles. Sie machten keinen Hehl daraus, dass das jewei­lige wirt­schaft­liche Über­leben an den Auf­stieg geknüpft war. Öko­no­mi­sches Kami­kaze.

Mag­de­burg hatte noch einmal Glück gehabt, der BFC aber musste in die Insol­venz und damit in die Ber­liner Ver­bands­liga zwangs­ab­steigen. Nun waren es die Fans, die den Verein am Leben hielten. Aus­ge­rechnet. Der BFC war zum Spagat gezwungen. Er brauchte einer­seits das Geld der Fans, von denen viele kein Geheimnis aus ihrem Hang zum Rechts­ex­tre­mismus machen und musste sich ande­rer­seits von ihnen distan­zieren, um gesell­schafts­fähig zu werden. In der Ver­bands­liga gelang dem BFC die Kon­so­li­die­rung. 2004 stieg er wieder in die Ober­liga auf sorgte schon beim ersten Aus­wärts­spiel für längst gewohnte Nega­tiv­schlag­zeilen, als BFC-Anhänger den Platz in Babels­berg stürmten als wollten sie zeigen: »Wir sind wieder da!« 

Öko­no­mi­sche Kami­kaze

Infolge der Babels­berger Aus­schrei­tungen stand auch ein gewisser Peter Meyer vor Gericht. Heute ist jener Meyer Vor­sit­zender des BFC-Wirt­schafts­rates und als Besitzer einer Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­firma Dynamos Haupt­sponsor. Für den Verein kein geeig­neter Weg, das Kra­wall-Image los­zu­werden. Statt­dessen hat sich ein Sün­den­stolz eta­bliert, die BFC-Fans kul­ti­vieren ihren Ruf als Böse­wichter, die große Bühne aber bleibt ihnen seit der Wende ver­sagt. Jahr für Jahr nimmt sich der BFC mit großem finan­zi­ellen Auf­wand fest den Auf­stieg vor, schei­tert aber beständig und fristet ein Schicksal in der – inzwi­schen fünft­klas­sigen – Ober­liga.