Die erste Pres­se­kon­fe­renz im Leben des Bun­des­li­ga­trai­ners Jürgen Klins­mann begann eher unglück­lich. Um nicht zu sagen: mit einem Eklat. Zuvor hatte der Medi­en­di­rektor des FC Bayern die neue Arbeits­weise des Klubs im Umgang mit der Presse erläu­tert. Es waren Aus­füh­rungen, die nicht gerade auf Begeis­te­rung stießen. Beson­ders betroffen: die Foto­grafen. Eine der neuen Regeln lautet, dass keine Fotos wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renzen im neuen, grö­ßeren Medi­en­zen­trum an der Säbener Straße geschossen werden dürfen. Die lapi­dare Begrün­dung: zu wenig Platz.



Eine wei­tere Regel: Bei Pres­se­kon­fe­renzen von Jürgen Klins­mann darf nur in den ersten drei Minuten foto­gra­fiert werden. Begrün­dung: zu laut, die Knip­serei. Und so geschah es, dass es von der ersten Pres­se­kon­fe­renz im Leben des Bun­des­li­ga­trai­ners Jürgen Klins­mann keine Fotos gab. Als Klins­mann (im Trai­nings­anzug), Karl-Heinz Rum­me­nigge (im Jackett) und Uli Hoeneß (im Hemd) auf dem Podium im Pres­se­be­reich der Allianz Arena Platz nahmen, stand die Foto­gra­fen­schar – etwa 20 Mann – geschlossen auf, ver­ließ den Saal und hin­ter­ließ zumin­dest einige per­plexe Gesichter.

Fixes »Medi­en­zeit­fenster«

Jürgen Klins­mann ist nun auch bei der berüch­tigen Münchner Presse ange­kommen. Dass er auch medi­en­tech­nisch das Heft in der Hand haben will, war klar. Ein Klins­mann, der sich von Schlag­zeilen treiben lässt? Undenkbar. Die Ankün­di­gung der künftig ein­ge­schränkten Besuchs­mög­lich­keiten des Bayern-Trai­nings hatte er ja schon vor Monaten unters empörte Volk gebracht. Auch die Presse sollte nicht mehr hem­mungslos wie bisher über die Spieler ver­fügen können.

Alles halb so schlimm – meint der Verein. Statt der bis­lang zuweilen gewaltig schwan­kenden Zeiten bei der Pres­se­ar­beit, gibt es nun ein fixes »Medi­en­zeit­fenster«: 13.15 bis 14 Uhr. Teil­nahme für vier bis sechs Profis ver­pflich­tend. Prima Sache, das. Dass man sich künftig für einen Besuch der täg­li­chen Bayern-Pres­se­kon­fe­renz einen Tag vorher akkre­di­tieren muss wie für ein EM-Spiel? Auch nicht schlimm. Oder?

Schlimmer ist näm­lich: An Tagen mit nicht-öffent­li­chem Trai­ning – wovon es ange­sichts der zahl­losen »Eng­li­schen Wochen« beim FC Bayern jede Menge geben wird – gibt es TV-Bilder und Inter­views nur aus den Kameras von »FCB TV«, dem in mehr als 50 Län­dern übers Internet zu emp­fan­genden klub­ei­genen Sender. Das sieht dann womög­lich so aus: Bayern ver­liert 0:3 gegen St. Peters­burg, und beim nicht-öffent­li­chen Trai­ning am Tag danach inter­viewt »FCB TV« den FCB. Die Redak­tionen dürfen Fragen-Wün­sche ein­rei­chen. Nur mit dem Nach­fragen ist es halt so eine Sache. So viel zur freien, unab­hän­gigen Bericht­erstat­tung.

Bud­dhas in der neuen Chill-out-Area

Ohne auf diese Dis­kus­sion näher ein­gehen zu wollen, been­dete Jürgen Klins­mann diese ein paar Minuten später mit diesem Satz: »Man kann sich nur wei­ter­ent­wi­ckeln durch Ände­rungen, auch wenn das dem ein oder anderen nicht gefällt.« Damit veraun­schau­licht er ziem­lich klar, wie es beim FC Bayern in Zukunft aus­sehen wird. Klins­mann mar­schiert, wie schon zu seiner aktiven Zeit gerne – Ach­tung: Floskel! – auch dahin, wo es weh tut. All dies federt er ab mit »viel Freude und Enthu­si­asmus und Stolz auf die Auf­gabe«.

Bereit­willig erläu­tert er den rund hun­dert Jour­na­listen nochmal seine Phi­lio­sphie (»jeden Spieler jeden Tag besser machen«), schwärmt vom neuen Leis­tungs­zen­trum (»ein Schmuck­stück, ein Herz­stück«), von dem auch die Spieler »restlos begeis­tert« seien, berichtet von seinen lehr­rei­chen Trai­nings-Besu­chen bei Carlos Per­reira oder den L.A. Lakers, beschwört das Poten­zial des Duos Schweinsteiger/​Podolski (dessen Wechsel nach Köln von Rum­me­nigge als »totale Ente und über­haupt kein Thema« abgetan wurde) und erklärt sogar, wo die Bud­dhas in der neuen Chill-out-Area kommen: »Eine Idee unseres Bau­lei­ters, der auch schon vor zwei Jahren das Schloss­hotel in Berlin für uns umge­staltet hatte. Er sagt, die Bud­dhas seien gut für den Ener­gie­fluss.« Wäre auch das geklärt.

Wie er mit seinem vor poten­zi­ellen Stamm­spie­lern nur so strot­zenden Kader – der sich ja womög­lich noch ändern wird (Hoeneß: »Die Trans­fer­pe­riode geht bis zum 31. August«) – umgeht, das ist die wohl span­nen­deste Frage für den Trainer Klins­mann. Er freue sich jeden­falls auf die täg­liche Arbeit mit den Spie­lern: »Das ist eine junge Genera­tion, die darauf wartet, inspi­riert und sti­mu­liert zu werden.« Dass die Ver­gabe der auf elf beschränkten Plätze in der Startelf nicht immer pro­blemlos und kon­flikt­frei ablaufen wird, ist ihm bewusst: »Da kommt viel Arbeit auf mich zu, vor allem im kom­mu­ni­ka­tiven Bereich. Wir werden das schon regeln.« Natür­lich wird er das auf seine Weise tun – und wie die aus­sieht, hat er an seinem ersten Tag als Bun­des­li­ga­trainer deut­lich gezeigt.