Borussia gegen Borussia, das ist das Duell der zwei stärksten Abwehr­reihen der ver­gan­genen Saison. In der ersten Halb­zeit unter­stri­chen beide Teams diesen Ruf. Das Pres­sing der Dort­munder und der Glad­ba­cher ähnelt sich: Beide Teams ver­su­chen aus einem 4−4−2 heraus, den Gegner unter Druck zu setzen. Die Glad­ba­cher schafften es zu Beginn gut, Mats Hum­mels unter Druck zu setzen. So musste Neven Subotic das Auf­bau­spiel der Dort­munder leiten, was in der Anfangs­phase zu einigen hohen Bällen und Ball­ver­lusten führte.

Klopp zieht Lehren aus zuletzt sechs Gegen­toren

Die Dort­munder Abwehr­reihe brauchte unter diesem hohen Druck einige Minuten, ehe sie sich sor­tiert hatte. Man merkte der Vie­rer­kette eine leichte Ver­un­si­che­rung nach sechs Gegen­tref­fern in den ver­gan­genen zwei Spielen an. Die Pro­bleme des Teams waren in den letzten Par­tien aber auf den Sechser- und auf den Außen­po­si­tionen zu finden: Die Sechser rückten zu weit auf und ließen Räume zum Kon­tern vor der Abwehr offen; die Außen­stürmer unter­stützten die Außen­ver­tei­diger nicht, so dass Schmelzer und Pisz­czek zu viele Situa­tionen im Eins-gegen-Eins lösen mussten – was nicht gerade ihre Stärke ist.

Klopp betonte vor dem Spiel, diese Pro­bleme angehen zu wollen. Aus diesem Grund agierte die Mit­tel­feld­reihe tiefer als gewohnt, Links­außen Marco Reus und der neu ins Team gerückte Ilkay Gün­dogan dachten zunächst defensiv und betei­ligten sich kaum am Pres­sing. In den ersten Minuten konnten die Glad­ba­cher so ohne geg­ne­ri­schen Druck zu drei guten Bällen hinter der Dort­munder Abwehr ansetzen.

Erst nach rund zehn Minuten funk­tio­nierte das Pres­sing der Dort­munder besser. Sie waren vor allem auf Ball­ge­winne auf den Außen bedacht. Spe­ziell Juan Arango setzten sie unter Druck. Die Auf­stel­lung des defensiv starken Jakub Blasz­c­zy­kowski ergab hierbei Sinn, er nahm Arango nach den ersten zehn Minuten kom­plett aus dem Spiel. Nur 60% von Arangos Pässen fanden die Mit­spieler.

Dort­munds schlägt vor der Pause zweimal zu

Da auch die Glad­ba­cher in ihrem kom­pakten 4−4−2 keine Räume unbe­setzt ließen, gab es zwi­schen der 20. und der 35. Minute auf beiden Seiten keinen ein­zigen Tor­schuss. Die Dort­munder hatten aller­dings mehr Spiel­an­teile. Im Pass­spiel waren genauer als die Fohlen (86% zu 79% in Halb­zeit Eins), Klopps Team war anzu­merken, dass sie wesent­lich ein­ge­spielter sind als die noch nicht har­mo­nie­renden Glad­ba­cher.

Doch erst in der 35. Minute kam der BVB wieder gefähr­lich vor ter Ste­gens Kasten. In dieser Situa­tion war das starke Pres­sing der Dort­munder auf den Außen zu erkennen: Götze tauschte die Posi­tion mit Reus, zusammen mit Schmelzer setzte er die rechte Seite der Glad­ba­cher effektiv unter Druck. Schmelzer spielte den Ball direkt weiter zu Reus, der sich mit viel Glück und etwas Können an der Glad­ba­cher Abwehr vor­bei­schum­melte und den Füh­rungs­treffer erzielte.

Kurze Zeit später nutzte Klopps Team mit einer klugen Eck­ball­va­ri­ante die Schwä­chen aus, welche die Glad­ba­cher Raum­de­ckung bei Stan­dards mit sich bringt: Anstatt die Ecke direkt in den Straf­raum zu schießen, legte Marcel Schmelzer den Ball zurück ans Sechs­zehner-Eck zu Blasz­c­zy­kowski. Da im Sechs­zehner bei einer Raum­de­ckung die Mann-zu-Mann-Zuord­nungen fehlen, sind solche Flanken schwer zu ver­tei­digen – die Abwehr muss gleich­zeitig her­aus­rü­cken und darauf achten, die Posi­tionen richtig zu besetzen, was schwerer ist als sich an seinem direkten Gegen­spieler ori­en­tierten zu können. Dies ist in diesem Falle nicht gelungen, drei Glad­ba­cher ori­en­tierten sich in Rich­tung des zweiten Pfos­tens, im Zen­trum des Straf­raums waren sie jedoch in Unter­zahl. Tor­schütze Subotic hatte in zen­traler Posi­tion vor dem Tor keinen Gegner bei sich, er konnte locker ein­ni­cken. Hohe Bälle sind diese Saison ohnehin eine Schwach­stelle der Glad­ba­cher, Subotic‘ Treffer war bereits ihr fünftes Gegentor durch einen Kopf­ball.

Glad­bach ohne Plan B

Diese zwei Tore ent­schieden früh das Spiel, denn Glad­bach fehlt im Falle eines Rück­stands ein Plan B. Es mag seltsam klingen, doch die Tat­sache, dass sie am Ende fünf Tore kas­sierten, zeugt nicht von einer schwa­chen Abwehr­leis­tung, im Gegen­teil: Die erste Halb­zeit ver­tei­digten sie extrem stark. Viel­mehr hatte es mit den Eigen­arten ihres Sys­tems zu tun.

Lucien Favre ist ver­steift auf sein 4−4−2 mit der kom­pakten Ver­tei­di­gung und dem schnellen Ein-Kon­takt-Fuß­ball. Dieses System funk­tio­niert bes­tens, wenn Glad­bach nicht gezwungen ist, ein Tor zu schießen – dann haben sie die defen­sive Klasse und die offen­sive Ruhe, Lücken in der geg­ne­ri­schen Abwehr zu öffnen. Mit diesem System gibt es bei Rück­stand jedoch nicht viele Mög­lich­keiten, den Gegner unter Druck zu setzen und früher zu Ball­ge­winnen zu kommen, außer einem offen­si­veren Pres­sing. Varia­tionen in der tak­ti­schen Grund­ord­nung oder tak­ti­sche Ver­än­de­rungen wie hohe Bälle kennt Favres Spiel­system nicht.

Gegen Dort­mund hatte dies zur Folge, dass sich das eigent­lich kom­pakte System zu sehr in die Länge zog. Die Mit­tel­feld­reihe rückte weit auf, die Dort­munder konnten den Raum zwi­schen den Linien frei bespielen. Da dem Glad­ba­cher Pres­sing in der vor­dersten Linie Lei­den­schaft und Aggres­si­vität fehlten, konnte Dort­mund immer wieder Götze und Reus frei­spielen. Der Meister fuhr Konter um Konter, am Ende erhöhten sie auf 5:0. Am Ende blieb für Jürgen Klopp sogar noch Zeit, Mats Hum­mels auf der Sech­ser­po­si­tion zu testen – Freund­schafts­spiel-Atmo­sphäre dank feh­lendem Plan B der Glad­ba­cher und starkem Kom­bi­na­ti­ons­spiel der Dort­munder.