In dieser Welt kann nichts als sicher gelten“, schrieb Ben­jamin Fran­klin, nur der Tod und die Steuern.“ Nun war Fran­klin Ame­ri­kaner, außerdem ist er nach einer Art selbst­er­fül­lender Pro­phe­zeiung seit 230 Jahren tot. Des­wegen fehlt in seinem berühmten Zitat ein Hin­weis auf die dritte Sache, die unver­meid­lich ist: Irgend­wann im Januar wird irgend­je­mand behaupten, dass das erste deut­sche Hal­len­tur­nier in Berlin statt­ge­funden hätte.

In diesem Jahr war das die Hertha. Am Montag konnte man näm­lich auf der Home­page des Haupt­stadt­klubs einen Text mit der Über­schrift Hertha BSC erfindet den Buden­zauber“ lesen. Dort hieß es: Vor 48 Jahren steigt erst­malig in der deut­schen Fuß­ball­ge­schichte ein Hal­len­tur­nier mit Pro­fi­mann­schaften in der Ber­liner Deutsch­land­halle.“ Mit dieser Behaup­tung ist der Verein kei­nes­wegs allein. So steht bei Wiki­pedia: Das erste Hal­len­tur­nier auf deut­schem Boden mit Pro­fi­mann­schaften fand vom 13. Januar bis 17. Januar 1971 in der Ber­liner Deutsch­land­halle statt.“ 

Zuge­geben, das klingt gut. Oder jeden­falls klingt es besser als: Das erste Hal­len­tur­nier auf deut­schem Boden mit Pro­fi­mann­schaften fand in der Hecking­hauser Turn­halle in Wup­pertal-Barmen statt.“ Das aber wäre wenigstes richtig. 

Pio­niere in Hecking­hausen

Schon fünf Wochen vor dem Buden­zauber in Berlin – genauer: am 9. Dezember 1970 – trafen sich näm­lich vier Klubs unter dem Hal­len­dach in Wup­pertal: Borussia Mön­chen­glad­bach, Rot-Weiß Ober­hausen, Gast­geber Wup­per­taler SV und Borussia Dort­mund. Das Tur­nier wurde über­ra­schend vom Hal­len­herren gewonnen.

Für alle Betei­ligten war Fuß­ball in der Halle damals Neu­land und ein großes Aben­teuer. Das kann man zum Bei­spiel daran sehen, dass die Trainer der teil­neh­menden Teams – Dort­munds Horst Witzler, Glad­bachs Hennes Weis­weiler, Wup­per­tals Horst Buhtz und BVB-Legende Adi Preißler, der zu jener Zeit Ober­hausen betreute – zunächst ein Spiel­chen gegen eine Aus­wahl von Jour­na­listen bestritten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man sich auf dem Hal­len­boden ver­halten muss. (Die Trainer gewannen 2:1.)

Besser, als im Dreck her­um­zu­wühlen“ 

Die his­to­ri­sche Ver­an­stal­tung begann mit einem 1:1 zwi­schen Wup­pertal und Ober­hausen. Der WSV gewann das not­wendig gewor­dene Acht­me­ter­schießen mit 2:1 und zog so ins Finale ein. Danach schlug der BVB durch Tore von Jürgen Schütz und Theo Bücker den Meister aus Glad­bach (mit Günter Netzer, wie man auf dem Foto sieht). Die Fohlen ver­loren dann auch noch das Spiel um den dritten Platz mit 3:4 gegen RWO, bevor Wup­pertal das End­spiel knapp, aber ver­dient mit 1:0 gegen den BVB gewann. 

Dort­munds Horst Trim­hold zog nach dem Tur­nier fol­gendes Fazit: Ich finde Hal­len­fuß­ball klasse. Besser, als im Winter im Dreck her­um­zu­wühlen.“ Sein Trainer bemän­gelte, dass in der engen (und so gut wie aus­ver­kauften!) Halle ohne Bande gespielt wurde. Ging der Ball ins Aus, wurde er ein­ge­rollt. Dadurch wird der Spiel­fluss zu sehr gehemmt“, sagte Witzler. Aber ich bin auch der Mei­nung, dass Hal­len­fuß­ball große Zukunft hat.“ Er sollte Recht behalten. Knapp einen Monat später fand in Berlin das ein­gangs erwähnte Tur­nier mit sechs Mann­schaften statt, von dem sogar in der ARD Aus­schnitte gezeigt wurden. Vom Kick im Ber­gi­schen Land gibt es nur ein paar wenige Fotos, viel­leicht geriet er des­wegen in Ver­ges­sen­heit.