Gerd Treffer, wo errei­chen wir Sie gerade?
Gerade bin ich zuhause. Unser Haus wurde zum Glück vom Wasser ver­schont. Wir wohnen in einer ziem­lich steilen Straße, im Haus unter­halb von unserem war der Keller voll. Das Wasser stieg dann immer höher, aber große Schäden am Haus gab es bei uns Gott sei Dank nicht. Aller­dings haben wir kein Licht, kein Strom, kein Gas. Vorhin fuhren Autos herum, die mit­teilten, dass auch das Abwas­ser­werk zer­stört ist. Sie wollen dort nun ein Pro­vi­so­rium errichten. Im schlimmsten Fall können wir unsere Toi­letten nicht mehr benutzen und das ganze Gebiet muss eva­ku­iert werden.

Haben Sie da über­haupt Zeit, mit uns zu spre­chen?
Ein paar Minuten habe ich. Dann muss ich weiter, um im nächsten Keller beim Ent­schlammen zu helfen. Hören Sie mich über­haupt? Ich gehe mal ein biss­chen höher, weil das Netz hier nach wie vor kata­stro­phal ist. In der Regel braucht man gerade so sieben bis acht Anrufe, bis mal eine ver­nünf­tige Ver­bin­dung steht.

Gerade funk­tio­niert es. Sie sind Jugend­leiter beim Ahr­weiler BC. Hatten Sie in all dem Chaos über­haupt schon Zeit, sich um Ihren Verein zu küm­mern?
Natür­lich war ich zuerst bei meiner Familie, bei Freunden und Bekannten, die es beson­ders hart getroffen hat. Aber auch bei unseren Trai­nern. Da schaue ich, wie ich helfen kann. Die unmit­tel­bare Nach­bar­schaft ist mitt­ler­weile abge­ar­beitet.

Fotostrecke: Flutschäden beim Ahrweiler BC

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Wie hart hat es Ihren Verein getroffen?
So wie es aus­sieht sind zumin­dest alle unsere Spieler den Fluten lebend ent­kommen. Das ist das wich­tigste. Aber unge­fähr 40 bis 50 Pro­zent unserer Trainer sind jetzt obdachlos. Die haben gar nichts mehr. Die sind froh, wenn sie noch ein Paar Turn­schuhe an den Füßen haben.

Wie sieht es mit Ihrem Sport­platz aus?
Wir haben zwei Spiel­stätten. Die sind beide nach­haltig zer­stört. Da ist es nicht damit getan, mal eben den Schlamm dort run­ter­zu­holen. Auf unserem Asche­platz liegen Autos und LKWs, die die Flut dahin gespült hat. Zudem sind wir Haupt­nutzer des Apol­li­naris-Sta­dions in Bad Neuenahr, das der Stadt gehört. Die beiden Kunst­ra­sen­plätze dort sind kom­plett hin­über. Einer davon ist noch relativ neu, der hat sich kom­plett auf­ge­rollt. Die Zäune wurden nie­der­ge­rissen, die Tore und die Banden sind weg. Unser Rasen­platz war fast bun­des­li­ga­taug­lich. Hier sollte eins von 48 Camps für die EM 2024 ent­stehen. Nun ist alles voller Schlamm.

Gibt es wei­tere Schäden?
Wir müssen unser Ver­eins­heim kom­plett ent­kernen. Dabei haben wir das erst kürz­lich in Eigen­regie reno­viert. Die ganze Technik, die IT, Bespre­chungs­räume, Geschäfts­stelle… alles kaputt. Unsere Bälle, unsere Tri­kots im Keller, die können wir alle weg­schmeißen. Das sind nur noch Klumpen, bei denen man gar nicht erkennt, was es mal war. Hinzu kommt, dass die Infra­struktur hier im Ahrtal kom­plett zer­stört ist. Es gibt gerade nur noch eine Brücke, alle anderen hat die Flut mit­ge­rissen. Das Ver­eins­heim ist 100 Meter Luft­linie von mir ent­fernt. Ich brauche jetzt aber zwei­ein­halb Stunden dorthin, weil die Brü­cken weg und die Straßen voll­ge­stopft sind.