Als wären aus­lau­fende Per­so­nal­aus­weise, mehr­tä­gige Kater und die ersten Anti-Haar­aus­fall-Shampoo-Käufe noch nicht genug, führt uns auch der Fuß­ball mit gna­den­loser Regel­mä­ßig­keit vor Augen, wie alt wir sind. 

Bei den ersten Sta­di­on­be­su­chen sind die Spieler auf dem Platz alle gestan­dene Männer, Erwach­sene, zu denen wir auf­bli­cken. Wenn wir später mit unge­fähr 18 auf den Kreis­li­ga­plätzen der Bun­des­re­pu­blik weiter den Traum vom ganz bestimmt unmit­telbar bevor­ste­henden Durch­bruch ver­folgen, debü­tieren in der Bun­des­liga schon die ersten Talente, die jünger sind als wir. 

Schon bald müssen wir den Profi-Traum abschreiben, in unserem Alter schafft es nie­mand mehr nach oben. Und mit so einer Wampe sowieso nicht. Irgend­wann errei­chen wir das Alter, in dem Kar­rieren beendet oder je nach Lage der eigenen Selbst­ach­tung alter­nativ zwei Jahre in der MLS, in Indien oder China dran­ge­hängt werden.

Der Autor dieses Textes ist vor Kurzem 25 Jahre alt geworden und damit im Durch­schnitt aller Bun­des­li­ga­spieler ange­kommen. Das geht gerade noch. Mit der Pro­fi­kar­riere wird es bestimmt nichts mehr und die neusten Debü­tanten sind acht Jahre jünger. Aber es gibt auch noch genug Profis, die alt sind. Gestan­dene Spieler, die Rob­bens, Meiers und Schmel­zers der Liga. Rou­ti­niers“ nennt man sie und beschreibt sie mit Adjek­tiven wie zuver­lässig“, abge­klärt“, sou­verän“ und erfahren“.

Mit 22 schon Rou­ti­nier

Einer, dem die selben Eigen­schaften zuge­schrieben werden, hatte eben­falls vor wenigen Tagen Geburtstag: Jona­than Tah wurde am 11. Februar 22 Jahre alt. Und wenn wir mal ganz ehr­lich sind, dann ist das ganz schön depri­mie­rend. Denn so wie Tah spielt, müsste er eigent­lich viel älter sein. 

Der Deut­sche mit ivo­ri­schem Vater ist in Lever­kusen unan­ge­foch­tener Stamm­spieler in der Innen­ver­tei­di­gung, setzte diese Saison nur am 4. Spieltag aus und stand am 5. nur für 45 Minuten auf dem Platz. Sonst spielte er jedes Spiel durch, dazu zwei Mal über 120 Minuten im Pokal. Auch in den beiden ver­gan­genen Spiel­zeiten, die er bereits bei Bayer ver­brachte, konnten ihn nur Ver­let­zungen aus dem Kader rotieren. Er kam trotzdem auf ins­ge­samt 48 Ein­sätze in der Liga. Das nennt man dann wohl zuver­lässig“.

Diese Saison hat Tah in 21 Bun­des­li­ga­spielen 64 Pro­zent seiner Zwei­kämpfe gewonnen, liegt damit acht Pro­zent über dem liga­weiten Abwehr-Durch­schnitt, und sah nur eine ein­zige gelbe Karte. Dabei setzt er seine 1,94 Meter und 94 Kilo­gramm aus­ge­spro­chen intel­li­gent ein: Im Schnitt foult Tah nur 0,7 mal pro Spiel. Er ist einer der wenigen Defen­siv­spieler, die öfter gefoult werden als sie selber strafbar hin­langen. Stich­wort: Abge­klärt“.