Die zwölfte Spiel­mi­nute widmen spa­ni­sche Fans seit einigen Jahren ihrem Liga­prä­si­denten: Tebas, hau end­lich ab!“ Der Ruf ist in vielen Sta­dien mitt­ler­weile Tra­di­tion. Die Abnei­gung gegen den spa­ni­schen Liga­prä­si­denten Javier Tebas ver­eint die Ultras ver­eins­über­grei­fend. Den Ange­spro­chen, bezie­hungs­weise Ange­schriene, inter­es­siert das wenig: Das kommt vor allen Dingen aus den Rängen, wo ich eh gerne ein paar Leute raus­schmeißen würde“ sagte er El Con­fi­den­cial und fügte an: Nur manchmal, wenn bei uns zuhause Fuß­ball läuft, singen sogar meine Kinder mit.“

Zer­stü­ckelte Anstoß­zeiten, Strei­kan­dro­hung der Spieler und Liga­spiele in den USA. Abseits des Sport­li­chen pro­du­ziert der spa­ni­sche Fuß­ball der­zeit vor allen Dingen bedenk­liche Schlag­zeilen. Immer, wenn es eine neue Ver­mark­tungs­stra­tegie gibt, die den Fuß­ball weiter mit Gewalt über die Schwelle zur kom­pletten Mone­ta­ri­sie­rung prü­gelt, ist er nicht weit.

Kol­la­bie­rende Fans

Tebas ist seit fünf Jahren Prä­si­dent der spa­ni­schen Liga und hat sich seitdem nicht allzu viele Freunde gemacht. Zur Zeit lie­fert er sich einen öffent­li­chen Kampf mit Luis Rubiales, dem Vor­sit­zenden des spa­ni­schen Fuß­ball­ver­bands RFEF. Es geht um die Ver­mark­tung der Liga, darum, ob man die Inter­essen der Men­schen dem Kom­merz unter­ordnen sollte. Für zehn Liga­spiele gibt es meist neun unter­schied­liche Anstoß­zeiten, was kon­kret bedeutet: Spiele um 12 Uhr Mit­tags und Mon­tags um 22:15 Uhr. In den ver­gan­genen Wochen sind meh­rere Fans in spa­ni­schen Sta­dien in der Mit­tags­sonne zusam­men­ge­bro­chen. Auch der Vil­lareal-Ver­tei­diger Àlvaro Gónzalez musste beim Spiel gegen Valencia zur Halb­zeit behan­delt werden, weil ihm bei 30 Grad im Schatten übel wurde.

Des­halb kri­ti­sierte Rubiales, dass die Gesund­heit der Spieler und Fans in den Hin­ter­grund rücke, um den inter­na­tio­nalen Fern­seh­markt zu hofieren. Tebas Kom­mentar dazu: Mein Freund Rubiales, das ist sehr viel Dem­agogie. Heute genossen 114.000 Men­schen den MotoGP von Aragon bei 32 Grad, ohne Beschwerden.“ Das dort die Men­schen mit Son­nen­schirmen und Kühl­boxen sitzen? Geschenkt.

Respektlos und illoyal.“

Rubiales kün­digte an, die Kom­pe­tenz für die Anstoß­zeiten aus den Händen der Liga zu nehmen, falls sich nichts ändern sollte. Tebas sagte dazu: Ich bin einzig dafür ver­ant­wort­lich, wann die Spiele ange­pfiffen werden.“ Der mäch­tigste Mann der Liga gilt als Allein­herr­scher und Ego­zen­triker. Er selbst sagte über sich, er liebe es, in den Schlag­zeilen zu stehen. Rubiales nannte Tebas respektlos und illoyal.“

Die gegen­sei­tige Abnei­gung hat eine Vor­ge­schichte. Rubiales war zuvor der Vor­sit­zende der Spie­ler­ge­werk­schaft Aso­cia­ción de Fút­bo­listas Españoles (AFE) und zu dieser Zeit der natür­liche Gegen­spieler von Tebas. Der unter­stützte damals die Grün­dung einer Kon­kur­renz-Gewerk­schaft, Fut­bo­listas ON, die der spa­ni­schen Liga ange­schlossen sein und von ihr finan­ziell unter­stützt werden sollte. Das Risiko eines Spie­ler­streiks dürfte bei einer liga­ei­genen Gewerk­schaft deut­lich geringer sein.