In Zeiten, wo es im Fuß­ball zwi­schen der Ver­hö­kerei der Welt­meis­ter­schaften und sons­tigem Irr­sinn gerade nicht viel zu lachen gibt, soll hier bitte mal kurz mit dem Jam­mern und Weh­klagen inne­ge­halten werden. Es muss näm­lich zur ulti­ma­tiven Lob­hu­delei auf jene ange­hoben werden, die seit einem Vier­tel­jahr­hun­dert dafür sorgen, dass der deut­sche Fuß­ball eine bes­sere Welt ist. Jeden­falls eine bes­sere als er ohne sie wäre und sicher­lich auch eine bes­sere als in den anderen großen Fuß­ball­na­tionen. Ste­hende Ova­tionen also für alle Mit­ar­beiter und die gar nicht wenigen Mit­ar­bei­te­rinnen der deut­schen Fan-Pro­jekte. 

Puh, wird jetzt viel­leicht der ein oder andere denken, sind Fan-Pro­jekte nicht immer schon ein biss­chen uncool gewesen? Schließ­lich sollen Fan­kurven in Sta­dien doch auf­re­gende Orte bro­delnder Emo­tionen sein, in denen sich junge Men­schen auf der langen Reise zu sich selbst ange­messen wild gebärden dürfen. Wenn da Sozi­al­ar­beiter rum­hängen, rela­ti­viert das die ganze Cra­zi­ness natür­lich etwas. 

Noch leben die Kurven

Mag sein, aber besser ist das. Einer­seits haben diese Sozis in den ver­gan­genen Jahren ver­mut­lich Hun­derte Fuß­ball­fans davor bewahrt, ihr Leben wegen Drogen, Ver­schul­dung oder Pro­blemen mit der Justiz schwung­voll gegen die Wand zu fahren. Zugleich sind Fan-Pro­jektler seit langem ganz ent­schei­dende Media­toren in den viel­fäl­tigen Kon­flikten zwi­schen Fans in den Kurven auf der einen und Ver­einen wie Ver­bänden auf der anderen Seite.

In Eng­land, Ita­lien, Spa­nien und Frank­reich fehlte das, und so ist die tra­di­tio­nelle Fan­kultur dort weit­ge­hend zer­stört, ob durch radi­kale Ein­tritts­preise oder repres­sive Poli­zei­stra­te­gien. Hier­zu­lande ist zwar bei­leibe nicht alles in Ord­nung, aber noch leben die Kurven, denn selbst hart­ge­sot­tene Kom­mer­zia­li­sierer haben ver­standen, dass Fuß­ball­fans keine Kunden sind, son­dern das Erlebnis im Sta­dion ent­schei­dend mit­ge­stalten. (Die Aus­nahmen bestä­tigen die Regel.)