Es war im Sommer 2012, als der deut­sche Fuß­ball schier durch­zu­drehen drohte. Befeuert von popu­lis­ti­schen Poli­ti­kern, sen­sa­ti­ons­hei­schenden Medien und hilf­losen Funk­tio­nären tobte eine Dis­kus­sion um die Sicher­heit in deut­schen Fuß­ball­sta­dien, die in ihren extremen Spitzen dazu führte, dass ein Mode­rator mit Ben­galos Puppen anzün­dete, Sandra Maisch­berger am liebsten Truppen aus Mazar‑i Sharif nach Gel­sen­kir­chen und Dresden ver­legt hätte und die Steh­plätze in deut­schen Sta­dien zwei­fels­frei als Brut­stätte von Hass und Gewalt iden­ti­fi­ziert wurden. Eine natio­nale Krise, die schließ­lich in einen Maß­nah­men­ka­talog mün­dete, der, wenn er kon­se­quent umge­setzt würde, eine echte Bedro­hung für die Fuß­ball­kultur hier­zu­lande dar­stellen würde.

Der Zumu­tungen darin sind viele, sie rei­chen von Voll­kon­trollen über die Beschnei­dung von Gäs­te­kon­tin­genten bis hin zu noch­malig aus­ge­wei­teter Kame­ra­über­wa­chung der Anhänger. Ein gro­teskes Sze­nario, unter­mauert von hin­ge­bo­genen und ver­zerrten Sta­tis­tiken über die ver­meint­lich unauf­hör­lich stei­gende Gewalt bei Fuß­ball­spielen. Am 12.12.2012 wurde das Sicher­heits­kon­zept nach nur mode­raten Ände­rungen mit großer Mehr­heit von den Klubs beider Bun­des­ligen ver­ab­schiedet, gegen den ent­schie­denen Wider­stand der Anhänger, der sich zuvor unter dem Signet 12:12“ ver­sam­melt hatte und nun auch in großer Zahl vor der Tagungs­stätte, einem Frank­furter Hotel, auf das Ergebnis war­tete. War der Pro­test also wir­kungslos?

Anhänger als Gesprächs­partner auf Augen­höhe

Ganz im Gegen­teil! Über Wochen hatten Anhänger in der ganzen Repu­blik die ersten 12 Minuten und 12 Sekunden zahl­rei­cher Bun­des­liga-Par­tien geschwiegen, anstatt zu singen und Fahnen zu schwenken. Die nahezu gespens­ti­sche Stille, die sich in diesen Minuten über die Sta­dien senkte, erin­nerte daran, dass nicht nur Tricks und Tore auf dem Rasen, son­dern auch das mit­fie­bernde, brül­lende, lei­dende Publikum den Fuß­ball so fas­zi­nie­rend machen. Oder um es noch einmal in das alte Bonmot des Fan­for­schers Rogan Taylor zu packen: Fuß­ball ohne Fans? Nur ein Kick von zwei­und­zwanzig Kurz­be­hosten im Park!“ Und es waren eben nicht nur Ultras und Kutten in den Kurven, die sich am Pro­test betei­ligten, son­dern auch die Leute auf den Scha­len­sitzen auf der Gegen­ge­rade. Eben jene, die zuvor gerne von Poli­ti­kern und Funk­tio­nären als Gegen­ent­wurf zu den anar­chi­schen Fan­kurven in Stel­lung gebracht wurden.

Das Publikum jedoch, das wurde in diesen Wochen klar, ließ sich nicht gegen­ein­ander aus­spielen. Schon des­halb hatte sich der Pro­test gelohnt. Und wenn nicht alles täuscht, ist auch in den Gre­mien des deut­schen Pro­fi­fuß­balls die Erkenntnis gewachsen, dass sich eine fan­freund­liche Atmo­sphäre in den deut­schen Sta­dien nur her­stellen lässt, wenn man die aktiven Anhänger als Gesprächs­partner auf Augen­höhe begreift und dass Vor­aus­set­zung für ein fried­li­ches Mit­ein­ander nur ein stän­diger Dialog sein kann. Ein Dialog, der beide Seiten in die Pflicht nimmt und ihnen Kom­pro­misse abver­langt. Auch das ist eine Erkenntnis des 12:12“-Protests, der Fan­ak­tion des Jahres“.