Mehr als 6000 Fans sind am ver­gan­genen Wochen­ende auf die Straße gegangen. Auf die Straße gegangen für den sogen­n­anten Jud­ge­ment Day“, orga­ni­siert von Fans von Black­pool FC und Leyton Orient, gerichtet gegen die aus ihrer Sicht mise­ra­blen Klub-Eigen­tümer ihrer Ver­eine und im eng­li­schen Fuß­ball all­ge­mein. Beide Fan­grup­pie­rungen liegen schon seit langer Zeit im Clinch mit den Besit­zern ihrer Klubs, also mit der Oyston Family in Black­pool und Fran­cesco Bec­chetti bei Leyton.

Auch Fans vieler anderer Mann­schaften liefen mit, als es am letzten Samstag an der Strand­pro­me­nade von Black­pool ent­lang­ging – eskor­tiert von Vespas und Lam­brettas, die dem Marsch einen leicht skur­rilen, fast fil­mi­schen Touch ver­liehen. Fans von Brighton, West Ham, New­castle, Black­burn oder Charlton Ath­letic mischten sich unter die beiden großen Fan­gruppen, alle ver­sam­melt unter dem Banner von Fans United“. Alles in allem die größte Soli­da­ri­täts­ver­an­stal­tung in Eng­land seit Jahren.

Ever­y­body Out“

Die Fans von Black­pool streiten sich schon seit langer Zeit mit der Oyston Familie. Unter anderem gab es Platz­stürme und wurden Spiele boy­kot­tiert, auf der anderen Seite klagte die Familie Fans wegen Ver­leum­dung an. Die Anhänger stellen sich vor allem die Frage, was mit all den Mil­lionen pas­siert ist, die der Klub in der Pre­mier-League-Saison 2010/2011 aus der TV-Ver­mark­tung erwirt­schaf­tete. Denn seit dieser Saison ist der Verein übel abge­stürzt, mitt­ler­weile sogar bis in die vierte Liga. Eine ähn­liche Situa­tion bei Leyton Orient: Dort sehen die Fans in Bec­chetti den Haupt­ver­ant­wort­li­chen dafür, dass der Klub in Non-League-Gefilden ange­kommen ist. Der Besitzer des Lon­doner Klubs steht dar­über hinaus wegen unbe­zahlter Schulden aus dem Juni letzten Jahres vor Gericht.

In der Luft lagen fol­ge­richtig die Parolen Oyston Out“ und Bec­chetti Out“, genauso gut hätte es aber auch heißen können: Ever­y­body Out“. Schließ­lich könnte es nächstes Jahr in ver­schie­denen eng­li­schen Ligen zu der Situa­tion kommen, dass dort fast aus­schließ­lich Klubs spielen, deren eigene Anhänger sich offen gegen die Besitzer stellen. Die Pro­teste rich­teten sich auch gegen die eng­li­sche Foot­ball Asso­cia­tion“ (FA) und die eng­li­sche Foot­ball League“ (EFL), die – zumin­dest so der Ein­druck der Fans – es längst auf­ge­geben haben, gegen inkom­pe­tente Klub-Eigen­tümer vor­zu­gehen.

Aller­dings sind der FA zuge­ge­be­ner­maßen die Hände gebunden. So lange sich Eigen­tümer nicht kri­mi­nell ver­halten, kann die FA nicht ein­schreiten. Selbst, wenn die Eigen­tümer offen­sicht­lich gegen die Wün­sche der eigenen Anhänger ope­rieren.

Wie lange bleiben die Pro­teste halb­wegs fried­lich?

Leider kam es zum Ende des Pro­test­mar­sches auch zu unschönen Szenen, als Leute ver­suchten, sich Ein­tritt zum Haupt­ein­gang des Klubs zu ver­schaffen und mit Feu­er­werks­kör­pern warfen. Nur die mas­sive Poli­zei­prä­senz – auch berit­tene Ein­heiten waren unter­wegs – ver­hin­derte einen Aus­bruch der Gewalt. So oder so: Mit dem Jud­ge­ment Day“ laden die Anhänger der FA und der EFL neuen Druck auf, die Pro­bleme zwi­schen Besit­zern und Fans end­lich ernst­haft anzu­gehen. Zumal die Krise längst größer und größer wird und sich auf immer mehr Ver­eine aus­weitet. Schon beim Marsch lagen bei vielen Teil­neh­mern die Nerven blank. Es ist fast unvor­stellbar, dass Pro­teste in Zukunft fried­lich bleiben.

Ein Spre­cher der Orga­ni­sa­toren des Pro­test­mar­sches bezeichnet die Teil­nahme so vieler ver­schie­dener Fans trotzdem als herz­er­wär­mend“. Gleich­zeitig betonte er, dass es für die Oyston Familie bei Black­pool FC keine Zukunft gebe. So hoffen die Fans auf eine Lösung Ende des Jahres, wenn die Oys­tons und Klub­prä­si­dent Valeri Belokon sich vor Gericht treffen. Um den Verein mög­li­cher­weise zu ver­kaufen? Es wäre ein erstes Zei­chen, dass die Fans auf der Insel nicht umsonst auf die Straße gehen.