Seite 3: „Eigendorf wurde nie obduziert“

Warum?
Das bezweifle ich nach den Aus­sagen von Eigen­dorfs Witwe. Sie sagte, dass sie einen Klaus Schlosser über­haupt nicht kenne. Das wider­spricht der Aus­sage, dass dieser laut der Stasi-Akten bei Eigen­dorf ein- und aus­ge­gangen sei. Ich schätze, dass der IM Klaus Schlosser“ das MfS als Geld­quelle genutzt hat und denen irgendwas erzählt hat.

War die Liqui­da­tion“ Eigen­dorfs von Anfang an beschlos­sene Sache?
Zunächst hat man ver­sucht, ihn zurück in die DDR zu holen. Eigen­dorf hatte in Ost­berlin ja noch eine Frau und ein Kind. Die Stasi hat großen Druck auf seine Frau aus­geübt. Sie sollte ihn über­reden, zurück­zu­kommen. Ihm wurde Amnestie ver­spro­chen, wenn er zurück käme. Sie drohten, das Kind weg­zu­nehmen. Sogar ein Romeo“ wurde auf seine Ex-Frau ange­setzt, der in Diensten der Stasi Infor­ma­tionen über Eigen­dorf her­aus­kit­zeln sollte.

Änderte die Stasi den Kurs, nachdem aus Eigen­dorf ein erfolg­rei­cher Bun­des­liga-Spieler wurde?
Es gab viele Maß­nah­me­pläne“ und ständig neue Über­le­gungen, wie mit ihm umzu­gehen sei. Kurz vor seiner Ermor­dung wollte man ihn zu Ner­vo­sität und Feh­lern zwingen. Man ver­suchte auch, ihn öffent­lich in ein schlechtes Licht zu rücken. Bei­spiels­weise hatte man auch über­legt, den Anschein zu erwe­cken, dass er seiner Frau untreu sei.

Wusste man im Westen nicht, dass Eigen­dorf mit Argus­augen beob­achtet wurde? Warum stellte man so wenig Fragen nach seinem Tod?
Die Bri­sanz des Falles Eigen­dorf wurde ver­kannt. Die poli­ti­sche Ebene, die sich hinter Eigen­dorfs DDR-Flucht ver­barg, wurde bei Ermitt­lungen voll­kommen igno­riert. Man konnte sich nicht vor­stellen, dass der Geheim­dienst der DDR auf bun­des­deut­schem Boden zu so etwas in der Lage war. Ein großes Ver­säumnis der Ermittler.

Den­noch wurde der Fall mehr­fach neu auf­ge­rollt.
Die Hin­weise dafür kamen jedoch immer von außen. Die Justiz war mit dem Fall über­for­dert und wollte ihn mög­lichst schnell vom Tisch haben. Die Causa Lutz Eigen­dorf ist ein­fach sehr viel­schichtig, allein die Kom­ple­xität der Stasi-Struk­turen ist ein großes Hin­dernis bei Ermitt­lungen. Die Mit­ar­beiter des MfS haben nur die Infos für den Job bekommen, die sie wissen mussten. Die Ein­zigen, die eine Drauf­sicht hatten, waren die Abtei­lungs­leiter.

Im Fall von Eigen­dorf war das Heinz Hess, der inzwi­schen ver­storben ist.
Hess wurde nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung zwar zweimal als Beschul­digter im Fall Mord zum Nach­teil Eigen­dorfs“ von der Polizei vor­ge­laden, erschien aber ein­fach nicht zur Ver­neh­mung. Damit hat man sich zufrieden gegeben! In den Poli­zei­akten ist ver­merkt: Der Beschul­digte ist nicht erschienen und hat sich daher nicht auf den Tat­vor­wurf ein­ge­lassen.“

Warum wurde nicht nach­ge­hakt?
Genau das kann man den Ermitt­lungs­be­hörden vor­werfen. Außerdem wurde Eigen­dorf nie­mals obdu­ziert. Später, als Hin­weise darauf hin­deu­teten, dass der Unfall ein Mord sein könnte, hätte man seinen Leichnam auch noch exhu­mieren können für eine kri­mi­no­lo­gi­sche Unter­su­chung. Aber jetzt ist es zu spät für der­ar­tige Schritte.