Seite 2: Airling, Trenchcoat, Kokser

VfL Wolfs­burg
Trotz der 2:3‑Niederlage gegen Bayern, die wegen des Flick-Rück­tritts etwas in Ver­ges­sen­heit geraten ist und so gut wie gleich­be­deu­tend mit einer wei­teren Bayern-Meis­ter­schaft ist, die wegen voll­kommen-egal in Ver­ges­sen­heit geraten wird, spielen die Wolfs­burger eine ziem­lich gute Saison. Offenbar so gut, dass sie jetzt Tri­kot­sponsor des ame­ri­ka­ni­schen Dritt­li­gisten FC Chat­ta­nooga sind. Kein Witz. Wäre auch ein schlechter. Wie Cle­mens Tön­nies.

Jamal Musiala
Wenn die Eltern sich scheiden lassen, sind häufig die Kinder leid­tra­gend. Sie müssen sich künftig ent­scheiden, auf welche Seite sie sich schlagen, wo sie leben wollen und ver­stehen meist nicht mal so recht, warum. Bay­erns Jamal Musiala ist zum Glück noch nicht alt genug, um in Gänze zu ver­stehen, was da eigent­lich zwi­schen Hansi und Brazzo vor­ge­fallen ist. Daher spielte er am Samstag auch unbe­küm­mert auf, schoss zwei herr­liche Tore, konnte sich sicher sein, Mama, Papa, Hansi und Brazzo sind stolz. Egal was ist. Haupt­sache Jamal geht’s gut. Der Moment war per­fekt. Wenn er wüsste, was in naher Zukunft auf ihn zukommen wird, er hätte sich ihn ein­frieren lassen. Schneller als seine flinken Beine ihn die Linie ent­lang­schi­cken, wird er näm­lich in einer Patch­work-Familie ste­cken. Er wird sich für Bayern und Brazzo ent­scheiden und dort her­an­wachsen, Hansi wird er nur noch alle zwei Monate sehen – mit seinem Neuen, dem DFB. Die Vor­züge sind klar. Bei Hansi gibt es Cola, Chips, Play­sta­tion, irgend­wann das erste Bier, Gespräche über Mäd­chen. Bei Brazzo ist es spießig. Vor allem Brazzos Neuer, Nagels­mann, ist unaus­steh­lich. Der nennt ihn ständig Champ“. Immer wieder wird Hansi ihn subtil aus­fragen, wie es bei Bayern mit dem Neuen läuft. Musiala liebt es bei Hansi, hier kann er sein wie er ist. Schließ­lich nimmt er seinen Mut zusammen, wird beim Früh­stück an der Säbener Straße vor­stellig: Brazzo, Kalle, Oli. Ich werde zukünftig bei Hansi leben.“

Mat­thias Ginter
Hat in dieser Saison ins­ge­samt schon 50 Spiele gemacht. Und jedes davon 90 Minuten lang durch­ge­spielt. Meine Güte! Das ist alle vier Tage ein Fuß­ball­spiel. Es soll 11FREUNDE-Redak­teure geben, die nicht mal alle vier Tage duschen. Also hört man so. Jetzt hat Ginter am Wochen­ende auch noch getroffen. Und hatte bei seinem Kopf­balltor so viel Platz, wie, nun ja, 11FREUNDE-Redak­teure, die sich nach vier Tagen Nicht­du­schen vor die Tür wagen.

Dort­munds Tri­kots
Der BVB lässt scheinbar nichts unver­sucht, sich doch noch irgendwie für die Cham­pions League zu qua­li­fi­zieren. Am Sonntag sogar mit schwarz-neon­gelbem 97er-Nost­algie-Fetzen gegen Werder. Und zack, nach dem 4:1‑Sieg sind es tat­säch­lich nur noch vier Punkte auf die viert­plat­zierte Ein­tracht. Ein dop­pelter Karl-Heinz Air­ling“ Haa­land, Terzic im beigen Trench­coat und Kokser Hum­mels wären auch für Juve zu viel gewesen, für Bremen allemal.

Das Zwosch“ des Tor­netzes
Es gibt ein Geräusch, das noch schöner ist, als das Stol­lenk­la­ckern auf hartem Unter­grund. Und das ist dieses Zwosch“, wie Ruud van Nistel­rooy es mal genannt hat, wenn der Ball ins Netz fliegt. Per­fekt wird der Sound, wenn oben­drein der kurz­zeitig hoch­klap­pende Alu­bo­den­rahmen des Tores hin­zu­kommt. Dieses Geräusch klingt im Hoch­glanz­pro­dukt Bun­des­liga für eine Mil­li­se­kunde eben doch noch nach Asche­platz in Dort­mund-Sölde, Frank­furt-Born­heim und Gel­sen­kir­chen-Buer. Wo tro­ckener Husten noch nicht mit einem töd­li­chen Virus asso­zi­iert wurde, son­dern mit ganz all­täg­li­chem Aus­wurf von Platz­wart Delle“ Detlef, der inmitten einer Asche­wolke fil­ter­losen Rot­händle paf­fend den Krei­de­wagen über den Platz schiebt. Fuß­ball ist immer noch wichtig!

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