EU-Abgeordnete Rebecca Harms fordert zum politischen WM-Boykott auf

»Putin instrumentalisiert die WM für politische Zwecke«

Werden Sie die Weltmeisterschaft in Russland verfolgen?
Mein Neffe hat mich immer mit dem WM-Fieber angesteckt. Ich werde sicher wieder beim Public Viewing dabei sein. In Brüssel hat das wegen des internationalen Publikums besonderen Reiz.

Wie empfehlen Sie Fußballfans in Deutschland, mit der bevorstehenden WM umzugehen?
Ich hätte keine Lust, mich in ein Stadion zu setzen und so zu tun, als sei Russland ein freies Land. Wer fährt, sollte sich vom Kreml keinen Sand in die Augen streuen lassen. Jeder kann sich darüber informieren, was auf der Krim, in der Ukraine und in Syrien passiert ist und auch heute noch passiert.

Also kann man als Fan im Grunde nicht mit gutem Gewissen nach Russland fahren?
Jede sportliche Leistung verdient ihren Applaus und ihre Anerkennung. Jetzt die Spieler für den Deal zwischen Putin und der FIFA zu bestrafen, wäre falsch. Die Fans könnten allerdings im Stadion Zeichen setzen, um zu zeigen, dass ihnen der politische Kontext dieser WM bewusst ist.

Viele würden Ihnen entgegenhalten, dass Fußball und Politik nicht vermischt werden sollten.
Das ist eine sehr gut eingeübte Replik von der FIFA und ihren Funktionären, wenn es darum geht, Kritik abzuwiegeln. Derjenige, der unterstützt von der FIFA die WM 2018 für seine politischen Zwecke instrumentalisiert, heißt Wladimir Putin. Ein autoritärer Präsident, der nie in demokratischen Wahlen gewählt worden ist.