Seite 3: Wie eine zerbröselnde Ehe

Der Sai­son­start ging in die Binsen. All­mäh­lich wurde offen­kundig, dass Trainer und Manager nicht mehr so ver­traut zusam­men­ar­bei­teten. Des­halb lud Jörg Schmadtke am ersten Sep­tem­ber­wo­chen­ende den Trainer zu sich nach Düs­sel­dorf zum Früh­stück ein. Stöger sagt: Das Früh­stück bei Jörg habe ich als sehr ange­nehm emp­funden. Als super Gespräch.“ Details will er nicht ver­raten. Sein Gegen­über hat die Begeg­nung eher als neu­tralen Aus­tausch in Erin­ne­rung.

Da spra­chen nun zwei Kol­legen mit­ein­ander – nicht mehr zwei Freunde. Alles okay?“ – Jaja, passt schon!“ Kein kri­ti­sches Wort, kein Alter, manchmal gehst du mir mit deinem Gemuffel echt auf die Nerven“, kein Naja, dieser Spieler …“.

Mehr Offen­heit hätte geholfen“

Da saßen zwei zusammen, die keine Energie oder Lust mehr auf­brachten, noch einmal in eine ergie­bige Kom­mu­ni­ka­tion ein­zu­steigen. Als sie jedoch vom Prä­si­dium darauf ange­spro­chen wurden, funk­tio­nierte die alte Soli­da­rität noch. Vier Jahre lang hatte sie der Vor­stand machen lassen – wieso sollten sie sich nun aus­ge­rechnet bei ihren Vor­ge­setzten über­ein­ander beschweren?

Wie in einer zer­brö­selnden Ehe gab es offenbar im Ver­hältnis der Kölner nicht den einen großen, alles zer­stö­renden Knall. Es war eher die Ver­qui­ckung aus vielen kleinen Zurück­wei­sungen, gekränkten Eitel­keiten und schalen Gewohn­heiten, die vor der Euro­pa­cup­saison mit einer ver­än­derten Druck­si­tua­tion kol­li­dierten. Andau­ernder Erfolg wirkt sich auf jeden aus, der daran betei­ligt ist. Das Pro­blem daran: Die Sym­ptome sind bei jedem Men­schen anders.

Die Nerven beginnen zu flat­tern

Der eine bezieht die Meriten zu sehr auf sich und leitet ein ver­än­dertes Anspruchs­denken daraus ab. Glaubt am Ende viel­leicht sogar, uner­setz­lich zu sein. Der andere erkennt plötz­lich erschro­cken, dass nach oben nur noch wenig Luft bleibt, um die Erfolge zu bestä­tigen – und die Nerven beginnen zu flat­tern.

Vize­prä­si­dent Toni Schu­ma­cher steht vor dem Spiel des 1. FC Köln gegen den BVB auf der Tri­büne des leeren Sta­dions. Wie soll’s mir gehen? Schlecht!“, blökt er zur Begrü­ßung. Er lehnt gegen einen hoch­ge­klappten Scha­len­sitz, auf dem noch ein Schild­chen mit der Auf­schrift Modeste“ klebt. Als Schu­ma­cher den Namen liest, motzt er: Lassen sie uns ein Stück weiter gehen.“

Der eins­tige Tes­to­ster­on­keeper ist auf hun­dert­achtzig. Auch von Stöger und Schmadtke fühlt er sich hin­ter­gangen. Keiner hat uns, dem Prä­si­dium, offen­bart, dass etwas Grund­sätz­li­ches zwi­schen ihnen nicht stimmt“, schimpft er. Wieso hat keiner zuge­geben, dass es Pro­bleme gibt? Mehr Offen­heit hätte geholfen.“

Rufe nach Ver­än­de­rung und selt­same Themen

Wer die Geschichte des Harald Schu­ma­cher kennt, der weiß, dass sich hinter der rauen Fas­sade ein sen­si­bler Cha­rakter ver­birgt. Peter Stöger wid­mete er in seiner 2017 erschie­nenen Bio­grafie Ein­wurf“ noch ein eigenes Kapitel: Wir haben einen Trainer, der nie jam­mert, der keine Ent­schul­di­gung sucht (…) und ver­ant­wor­tungs­be­wusst gegen­über dem Verein ist.“

Doch aus­ge­rechnet in der ersten großen Krise ist der Trainer dieser Ver­ant­wor­tung nicht gerecht geworden.
Als sich im Herbst die Nie­der­la­gen­serie fort­setzte, wurden auch in der Geschäfts­füh­rung die Rufe nach Ver­än­de­rung lauter. Stöger hielt der­weil eisern an seinen Abläufen fest – und blieb weit­ge­hend von Kritik ver­schont.

Indes begann der Kölner Bou­le­vard, sich auf Jörg Schmadtke ein­zu­schießen. Plötz­lich wurde der teure Cor­doba-Transfer zum Thema. Und die anderen, die waren das viele Geld doch auch nicht wert, oder? Nun fiel dem Manager auf die Füße, dass er, anders als der diplo­ma­ti­sche Coach, öfter mal einen Jour­na­listen an den Pranger gestellt hatte.Seltsame Themen kochten plötz­lich hoch: Warum war eigent­lich Schmadtkes Sohn beim FC als Scout ange­stellt? Diese Anstel­lung war explizit auf Betreiben von Geschäfts­führer Wehrle erfolgt. Aber natür­lich eig­nete sie sich ange­sichts der pre­kären Lage nun ideal als Indiz für Klün­gel­wirt­schaft.