1.
Tasch­kent ist die ein­zige Stadt in Zen­tral­asien mit U‑Bahn-Netz. Ins­ge­samt 39 Kilo­meter unter­ir­di­sche Gleise ver­laufen unter der Haupt­stadt. Aller­dings besteht wenig Gefahr, sich zu ver­fahren: Nur drei Linien ver­kehren im Unter­grund.



2.
Und Tasch­kent ist auch die ein­zige Stadt, in der die Tages­presse vom euro­päi­schen Fuß­ball berichtet. Als es fast täg­lich gerüch­tete, Samuel Eto’o würde zum amtie­renden Vize­meister Bun­jokdor Tasch­kent wech­seln, lachte sich so manch Experte ins Fäust­chen. Witzig fand man das in den Füh­rungs­etagen des usbe­ki­schen Fuß­ball­ver­bandes O’zbekiston Futbol Fede­r­atsi­yasi gar nicht. Um die Ernst­haf­tig­keit des Trans­fers zu unter­strei­chen, ver­öf­fent­lichte man die Kopie von Eto’os Aus­weis, zudem erklärte man, alle erfor­der­li­chen Doku­mente und Visaun­ter­lagen des Kame­ru­ners bereits auf dem Nach­tisch­chen liegen zu haben. Und im Köf­fer­chen mit dem Dol­lar­zei­chen seien die Schein­chen sorgsam hin­ein­sor­tiert worden. Letzt­lich wech­selte Eto’o dann doch nach Ara­va­nadi. Oder nach Tibet. Oder blieb er gar in Bar­ce­lona?

3.
Bei Bun­jokdor Tasch­kent gibt man sich gene­rell nicht mit B‑Ware ab. Angeb­lich war sich der Klub in den letzten Wochen auch mit Andrés Iniesta, Carles Puyol und Cesc Fàb­regas einig gewesen.

4.
Das schla­gende Argu­ment bei den Transfer- und Über­re­dungs­ge­sprä­chen dürfte die her­aus­ra­gende Saison sein: Der­zeit ist Bun­jokdor Tasch­kent Erster in der Oliy Liga bei einem Spiel mehr mit 5 Punkten Vor­sprung auf Pakhtakor Tasch­kent. Bun­jokdor hat noch kein Spiel ver­loren und mit 53 Toren mit weitem Abstand am meisten Treffer erzielt. Letzter ist in der usbe­ki­schen Liga übri­gens Uz-Dong Joo mit nur 7 Punkten aus 18 Spielen.

5.
Als beson­dere Köst­lich­keit und Jung­brunnen gelten in Usbe­ki­stan übri­gens Och­sen­hoden, auch »Glüh­birnen« genannt. Die Legende sagt, dass einst ein über 100-jäh­riger Usbeke nach ein guten Por­tion von Tasch­kent ins kasa­chi­sche Astana mar­schierte, einzig um die frohe Bot­schaft zu über­bringen: »Leute, esst mehr Och­sen­hoden.«

6.
Das frisch reno­vierte Sta­dion von Bun­jokdor fasst 16.000 Zuschauer. Es gilt als der­zeit modernstes Sta­dion in ganz Usbe­ki­stan und ist in diesem Jahr Spielort für die U‑16-Asi­en­meis­ter­schaft. Beson­dere Mühe hat man sich beim Rasen gegeben: Die Gras­samen wurden extra aus den Nie­der­landen gekauft, wie man auf der Ver­eins­home­page stolz ver­kündet.

7.
Bun­jokdor, was auf Usbe­kisch »Erschaffer« heißt, wurde im Juli 2005 gegründet. Unter dem Namen »PFC Kuruwt­schi« schaffte man inner­halb von zwei Jahren den Auf­stieg von der zweiten in die erste Liga, wo man direkt Vize­meister wurde. Das bis­he­rige Mar­ken­zei­chen von Bun­jokdor: Ein Kader ohne Stars mit vielen jungen Spie­lern aus der Region. Um der Phi­lo­so­phie nicht untreu zu werden, sucht man momentan eifrig nach usbe­ki­schen Vor­fahren von Rivaldo.

8.
Wenn Rivaldo in Usbe­ki­stans Haup­stadt ein­trifft, ist er nicht der ein­zige Bra­si­lianer in der Mann­schaft. Die Usbeken ver­pflich­teten in diesem Monat eben­falls den 21-jäh­rigen Luizao (Luis carlos Nacsi­mento Junior), der vorher bei Cru­zeiro Hori­zonte und Vasco da Gama gespielt hat. Bei der U‑20-Welt­meis­ter­schaft vor einem Jahr absol­vierte der Ver­tei­diger alle Spiele für die bra­si­lia­ni­sche Aus­wahl.

9.
Mir­jalol Qosimov heißt der aktu­elle Natio­nal­trainer der usbe­ki­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft. Wäh­rend seiner aktiven Zeit spielte er für Pax­takor Tasch­kent (Usbe­ki­stan), Ala­nija Wla­di­kawkas (Russ­land), Al-Schabab (Ver­ei­nigte Ara­bi­sche Emi­rate) und Masch’al (Mubarak, Usbe­ki­stan).

10.
Der höchste Sieg gelang der usbe­ki­schen Natio­nal­mann­schaft am 5. Dezember 1998. Im thai­län­di­schen Chiang Mai besiegte man die Mon­golei mit 15:0. Für die Mon­golen war es zugleich die höchste Nie­der­lage ihrer Geschichte. Dafür aller­dings dürfte man in Punkto »Spie­ler­namen mit den meisten Buch­staben« weit vorne liegen. Hier einige: Orchon­saichan Bajard­schawchlan, Mönch­tog­toch Erde­ne­saichan, Tse­rend­schaw Ench­dschargal, Dschar­gal­saichan Mönch­bajar, Pürew­süren Dschar­gal­saichan.

11.
Dscha­mo­lidin Abdu­sch­a­parov wird sich in dieser Runde wohl­fühlen. Zudem gilt der Rad­renn­fahrer, der Anfang der 90 jahre als einer der besten Sprinter galt, neben Qosimov als Natio­nal­held. Seine Fans nennen ihn noch heute ehr­furchts­voll den »Terror von Tasch­kent«, den »Tas­kent Ter­mi­nator« oder ein­fach »Zig Zag«. Heute widmet sich Abdu­sch­a­parov der Zucht sel­tener Tauben- und Papa­gei­en­arten und betreibt einen Jeans­laden. Sagt zumin­dest Euro­sport-Reporter Karsten Migels.