Chris­tian Hoch­stätter, nach Ihrer Ent­las­sung als Sport­di­rektor bei Han­nover 96 haben Sie vier Jahre außer­halb der Fuß­ball­branche gear­beitet. Was haben Sie genau gemacht?
Zunächst bin ich noch als Spie­ler­be­rater im Fuß­ball geblieben. Die Per­spek­tive, die man mir damals bei einer der größten Agen­turen in Europa auf­ge­zeigt hatte und damit, die andere Seite ken­nen­zu­lernen, hat mich ein­fach gejuckt. Im Fuß­ball gibt es dazu nicht so viele Mög­lich­keiten.

Und warum sind Sie nicht dabei­ge­blieben?
Ich sehe mich nicht als Akqui­si­teur, der irgendwo am Spiel­feld­rand steht und Spieler anquatscht, ob sie Lust hätten, bei der Agentur unter­zu­kommen. Das war kein Job für mich. Aber in den sechs Monaten habe ich natür­lich Ein­blicke bekommen, die ich vorher nicht hatte.

Inwie­fern hilft Ihnen das heute?
Ich merke, dass die Berater wissen: Der hat selber als Berater gear­beitet und kennt sich aus. Ich weiß noch besser, wie oft gezockt wird. Da bekommt man von Bera­tern etwa ein Zeit­limit gesetzt, weil es noch Ange­bote von anderen Ver­einen gibt, die aber nur fiktiv sind. Oder die Spieler haben vorher viel weniger ver­dient, als behauptet wird. Es wird viel geblufft.

Wie ist es nach dem halben Jahr als Berater wei­ter­ge­gangen?
Ich hatte nach meiner Zeit als Sport­di­rektor in Glad­bach ein Fern­stu­dium Finanz­dienst­leis­tungen“ ange­fangen, das ich unter­bre­chen musste, als ich in Han­nover ange­fangen habe. Nach der Epi­sode als Spie­ler­be­rater bin ich bei einem Freund ein­ge­stiegen, dessen Firma Finanz­dienst­leis­tungen und Unter­neh­mens­be­ra­tung anbietet. Mich hat immer schon inte- res­siert, warum eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung zu 75 Pro­zent in Aktien inves­tiert oder nur zu 60 Pro­zent. Wie kommen sie auf diese Aktien, wel­cher Fonds ist der rich­tige? Ich habe ein fik­tives Port­folio erstellt und konnte mir so einen Über­blick ver­schaffen.

Eine Simu­la­tion, um zu trai­nieren?
Genau. Und wenn etwas sehr gut lief, haben wir es unseren Kunden ange­boten.

Haben Sie auch mal gedacht: Eigent­lich wollte ich Fuß­ball­ma­nager sein, und jetzt brüte ich hier über Akti­en­kursen?“
Gar nicht. Die einen sagen, der weiß nicht, was er will, der pro­biert alles aus. Die anderen sagen, der inter­es­siert sich für Neues. Das ist Aus­le­gungs­sache, aber ich wollte immer was über den Fuß­ball hinaus machen. Des­halb hatte ich schon als Spieler in Mön­chen­glad­bach nebenbei eine Bou­tique.

War die erfolg­reich?
Zunächst schon, aber ich habe damals unter­schätzt, wie sauer die Leute bei Nie­der­lagen auf dich sind. Wenn du ver­lierst und oben über dem Geschäft steht dein Name, läuft es schon mal schlechter. Nur, wenn ich auf etwas neu­gierig bin, dann mache ich das, des­halb bin ich auch in die Kra­wat­ten­fa­brik gegangen.
Wie bitte?
Manchmal muss sich eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung auch um Unter­neh­mens­be­tei­li­gungen ihrer Kunden küm­mern. Dazu gehörte in einem Fall auch eine sehr tra­di­ti­ons­reiche Kra­wat­ten­fa­brik in Berlin, die wirt­schaft­liche Pro­bleme hatte. Mein Freund und ich haben eine Ana­lyse gemacht, und wir sind anschlie­ßend ein halbes Jahr vor Ort gewesen, um das Unter­nehmen zu sanieren.

Was ver­stehen Sie denn vom Kra­wat­ten­ma­chen?
Nichts, aber ich habe mich sowieso vor allem mit dem Per­sonal und den Betriebs­ab­läufen beschäf­tigt. Dazu bin ich drei Tage die Woche nach Berlin gekommen, in eine Stadt, die ich richtig gut finde. Das war eine sehr inter­es­sante Zeit, die möchte ich nicht missen. Inzwi­schen ist das Unter­nehmen auch auf einem guten Weg.

Haben Sie in der Kra­wat­ten­fa­brik etwas für Ihren jet­zigen Job lernen können?
Wie gut die Kom­mu­ni­ka­tion unter­ein­ander sein muss, damit man wirk­lich erfolg­reich ist. Aber das wusste ich auch vorher schon, das ist im Fuß­ball genauso.

Sind Sie als neuer Sport­vor­stand beim VfL Bochum gleich zum nächsten Sanie­rungs­fall gekommen?
So sehe ich das über­haupt nicht. Der Klub ist übri­gens viel besser auf­ge­stellt, seriöser und pro­fes­sio­neller, als man von außen denkt. Das hätte ich so nicht erwartet. Ich werde natür­lich gefragt, woher ich meinen Opti­mismus nehme. Der Klub ist in den letzten beiden Jahren Elfter und 14. geworden, und ich komme an und erzähle, dass ich mit Bochum inner­halb der nächsten drei Jahre wieder in die erste Liga und in der kom­menden Saison in der zweiten Liga eine ordent­liche Rolle spielen will. Mir ist bewusst, dass das bei unserem Etat nicht ein­fach wird. Aber ich weiß aus eigener Erfah­rung, dass Spieler nicht so viel abrufen, wenn nicht so viel erwartet wird.

Wie ist es, nach vier Jahren in anderen Berufen wieder im Fuß­ball zu arbeiten?
Wie nach Hause zu kommen. Ich fahre jeden morgen um halb sieben von Mön­chen­glad­bach nach Bochum. Meine Frau fragt mich, was ich denn da so früh will. Aber ich freue mich richtig drauf, ins Büro zu kommen, zumal so früh das Telefon noch nicht klin­gelt. Aber klar: Wir haben auch noch kein Spiel gemacht, und eine Krise gab es auch noch nicht.