Herr Sand­rock, die neue 3. Pro­fi­liga steht kurz vor ihrem Start. Welche Ver­eine sind der­zeit Ihre Sor­gen­kinder hin­sicht­lich der 3. Liga?

Es kommt immer wieder vor, dass Ver­eine aus unter­schied­li­chen Gründen bud­ge­täre Pla­nungs­an­sätze unter­schreiten und sie damit finan­zi­elle Pro­bleme bekommen. Das kann der plötz­liche Aus­fall eines Haupt­spon­sors oder von Spon­soren sein oder gra­vie­rende Ein­schrän­kungen ver­ur­sacht durch einen Sta­di­on­umbau, wie in den aktu­ellen Bei­spielen VFB Lübeck und Dynamo Dresden. In beiden Fällen wird intensiv daran gear­beitet, Lösungen für die Auf­recht­erhal­tung des lau­fenden Spiel­be­triebs und dar­über hinaus zu finden.


Was ist gut gelaufen in der Pla­nungs­phase, was weniger gut?

Im all­ge­meinen sind Pla­nungs­phasen eben nur die Theorie, wir werden in der Praxis sehen, ob wir an alles gedacht haben.

Wie sind Sie mit dem gegen­wär­tigen Stand der Ent­wick­lung zufrieden?

Wir sind auf einem gutem Weg, haben die wich­tigen The­men­felder wie Spiel­plan, Spiel­plan­ge­stal­tung, TV‑, Hör­funk- und Internet- Ver­mark­tung, Mar­ken­bil­dung mit eigenem Logo sowie Publi­ka­tionen auf dem Schirm und bauen eben eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­tegie bis zum Start der Liga auf.

Ganz gene­rell: Was sind die posi­tiven, was die nega­tiven Seiten der Ein­füh­rung der 3. Liga für die Ver­eine?

Wir werden unsere Erfah­rungen erst machen, wenn die Liga läuft, z.B. wie sich die Situa­tion hin­sicht­lich der 2. Mann­schaften der Lizenz­ver­eine ent­wi­ckelt.

Gibt es Ver­eine, die von vorn­herein nicht in der 3. Liga spielen wollen wegen erhöhter Auf­lagen und Kosten?

Nicht aus diesem Grund, einzig der VFB Lübeck hat bedingt durch seine sport­liche Situa­tion keine Zulas­sung bean­tragt.

War es eine rich­tige Ent­schei­dung, mit der Saison 2008/09 zu starten, oder kommt der Start­schuss zu früh?

Der Zeit­punkt ist unstrittig und ent­spricht dem kon­kreten Pla­nungs- und Umset­zungs­ab­sichten.

Wo hat der DFB in der Pla­nungs­phase Fehler gemacht oder Dinge ver­schlafen?

Die Praxis wird es zeigen, in der Regel wird es aber im Nach­hinein stets Dinge geben, die man hätte anders machen können.

Wäre es nicht besser gewesen zu warten, bis der neue TV-Ver­trag durch die DFL aus­ge­han­delt ist? Auch was die TV-Ver­mark­tung der 3. Liga anbe­trifft?

Die Frage stellt sich nicht, die 3. Liga ist die neue, bun­des­weite und höchste Spiel­klasse des DFB und wir in den zukünf­tigen TV Ver­hand­lungen ent­spre­chend gewür­digt.

Wie müsste der TV-Ver­trag für die Bun­des­liga im Ide­al­fall aus­sehen, damit Sie die 3. Liga optimal ver­markten können?

Grund­sätz­lich ist der DFB von den den Leis­tungen der Liga abhängig, ohne Wenn und Aber, dazu zählt auch ein opti­males wirt­schaft­li­ches Ergebnis eines neuen TV-Ver­trages.

Was, wenn auch in Zukunft alles im TV so bleibt, wie es jetzt ist: Bun­des­liga im Pay-TV bei Pre­miere am Sams­tag­nach­mittag, Sport­schau dann um 18.30 Uhr?

Über die kon­kreten Sen­de­for­mate ent­scheidet am Ende der Markt, näm­lich die Anbieter auf Basis der Aus­schrei­bung. Für die Inhalte und das Pro­ce­dere ist die DFL ver­ant­wort­lich, und wir werden sehen, ob und wie ein Mix aus Pay – und Free TV ange­boten wird.

Wurden die Erwar­tungen, die sich an eine bes­sere Ver­mark­tung der 3. Liga im TV knüpfen, erfüllt oder sogar über­troffen bzw. wird die 3. Liga prä­senter im TV sein als die gegen­wär­tige Regio­nal­liga?

Kon­kret hat die ARD Sport­schau bereits mit Beginn der aktu­ellen Rück­runde der beiden Regio­nal­ligen ihr Sen­de­format aus­ge­weitet. Es wird sams­tags nun­mehr von drei statt vorher zwei Spielen berichtet, die Sen­de­zeit ist um 10 Minuten aus­ge­dehnt worden. Über eine wei­tere Aus­deh­nung wird in den künf­tigen Ver­hand­lungen gespro­chen werden.

Welche Erfolge können Sie zum jet­zigen Zeit­punkt sonst noch vor­weisen, was die Ver­mark­tung der neuen 3. Liga anbe­trifft?

Die TV-Ver­mark­tung ist für die Ver­eine von großer Bedeu­tung, je mehr Fern­seh­zeit und damit Reich­weite, desto besser ist dies für Eigen­ver­mark­tung der Ver­eine.

Wird es wirk­lich erheb­lich mehr Sen­de­zeit für die 3. Liga geben?

Defi­nitiv jetzt schon, ja – und in der neuen Saison mit hoher Wahr­schein­lich­keit noch mehr. So ist es erklärter Wille, dass Sai­son­er­öff­nungs­spiel live aus­zu­strahlen. Hierzu ist noch wichtig zu wissen, dass wir uns im nächsten Jahr noch in dem alten, dem letzten Ver­trags­jahr mit der SportA, der Rech­te­agentur von ARD und ZDF befinden.

Wird es dann ab 2009 auch erheb­lich mehr Geld für die Ver­eine geben? Wenn ja, wie viel in etwa?

Hierzu wird viel spe­ku­liert, dies werden die zu füh­renden Gespräche und Ver­hand­lungen zeigen.

Ist es denkbar, dass die 3. Liga den Namen eines Groß­spon­sors erhält und auf Jahre hin trägt?

Grund­sätz­lich sind wir für das Thema offen, es muss aber natür­lich in die Phi­lo­so­phie und Stra­tegie des DFB passen.

Was wird für die Klubs in der neuen 3. Liga ansonsten noch besser sein – was Ver­mark­tung und Spon­so­ring anbe­trifft – als in der gegen­wär­tigen Regio­nal­liga?

Im Vor­der­grund steht auch eine sport­lich Auf­wer­tung, dass sieht gemäß einer Markt­for­schung fast jeder Fuß­ball­in­ter­es­sierte so.

Einige Ver­eine bemän­geln, dass 625 000 Euro an TV-Gel­dern längst nicht aus­rei­chen, um einen Klub näher an die 2. Liga her­an­zu­führen, was laut DFB eines der Ziele bei der Ein­füh­rung der 3. Liga sein soll. Wie stehen Sie dazu?

Der DFB ver­teilt heute aus dem DFB Fern­seh­ver­trag Gelder an die Ver­eine der beiden Regio­nal­ligen und acht Ober­ligen um, dies wird nach dem noch lau­fenden Ver­trag auch noch im nächsten Jahr der Fall sein, was danach kommt ist offen.

Im Ver­gleich zur 2. Liga, wo die Klubs ca. 25 % der TV-Gelder im Ver­gleich zur 1. Liga bekommen, erhalten die Ver­eine in der 3. Liga nur etwa 13 %. Ein biss­chen wenig, oder nicht?

Die Umver­tei­lung der Fern­seh­gelder bedeutet für den ein­zelnen Club aus der Regio­nal­liga ein Viel­fa­ches von dem, was ein Verein der ersten Liga aus dem Hand­ball, Eis­ho­ckey oder Bas­ket­ball aus Fern­seh­be­trägen in Deutsch­land gene­riert.

Einige Klubs merken bei der Frage nach den Erlösen auch an, dass der Auf­wand, was Lizenz­auf­lagen, Fahrt­kosten und Spie­ler­ge­hälter anbe­trifft, sich kaum vom Auf­wand eines Zweit­li­ga­klubs unter­scheidet. Muss der DFB den Ver­einen da nicht noch mehr ent­ge­gen­kommen?

Eine bun­des­weite Spiel­klasse zieht auch andere Fol­ge­kosten nach sich, und wir achten darauf, dass dies ver­träg­lich für die Ver­eine ist. Aller­dings hat das nichts mit den Spie­ler­ge­häl­tern zu tun. Wie über­haupt die der­zei­tige Dar­stel­lung am Thema vor­bei­geht: der DFB ist nicht für die Finanz­aus­stat­tung der Clubs zuständig.

Ver­eine wie z.B. Kickers Emden müssen, um die Lizenz­auf­lagen hin­sicht­lich des Sta­dions zu erfüllen, erheb­liche Reno­vie­rungen vor­nehmen. Warum zwingt der DFB Klubs dazu, so erheb­liche finan­zi­elle Kraft­akte zu unter­nehmen?

Wir zwingen nie­manden, sich zu bewerben. Tut das ein Verein und will dieser unter bestimmten Umständen Ver­an­stal­tungen durch­führen, sind dafür Vor­aus­set­zungen not­wendig, in unserem Fall für die Durch­füh­rung von Fuß­ball­spielen. Wenn Sie heute in Deutsch­land ein fünf­stö­ckiges Mehr­fa­mi­li­en­haus bauen, müssen Sie einen Aufzug ein­bauen oder können nicht so hoch bauen. Das wird von Jeder­mann aner­kannt. Im übrigen, eine Reihe unserer Sta­dien im Ama­teur­be­reich ent­spre­chen unge­achtet der Liga­zu­ge­hö­rig­keit nicht mehr den heu­tigen Anfor­de­rungen.

Ist sich der DFB sich dar­über bewusst, dass viele Klubs für das Errei­chen der 3. Liga in der lau­fenden Spiel­zeit erheb­liche finan­zi­elle Kraft­akte unter­nommen haben, die bei nicht errei­chen sich als Boo­me­rang her­aus­stellen würden und den Verein an den Rand des Ruins drängen?

Die Ver­eine bewegen sich in dem selbst gesteckten Finanz­rahmen für die lau­fende Saison. Gehen Sie unkal­ku­lier­bare Risiken ein, greifen bestimmte Mecha­nismen. Die Akti­vi­täten auf dem Spie­ler­markt im Winter finden stets mal, mehr mal weniger statt.

Wie par­ti­zi­piert der DFB an der 3. Liga?

Eine bun­des­weite, pro­fes­sio­nelle dritte Spiel­klasse unter dem Dach des DFB bedeutet auto­ma­tisch mehr Auf­merk­sam­keit und sport­liche höheren Nutzen.

Ver­bannt die Auf­stiegs­re­ge­lung in der dann ent­ste­henden drei­glei­sigen 4. Liga nicht viele Tra­di­ti­ons­ver­eine in die sport­liche Bedeu­tungs­lo­sig­keit?


Eine Struk­tur­re­form, die im übrigen von allen Ver­bänden und damit Ver­einen mit­ge­tragen wurde, bedeutet auch, dass sich nicht alle am Ende als Sieger fühlen können. Dies ist in der Wirt­schaft nicht anders. Wichtig ist, dass die zeit­li­chen Abläufe alle in die Lage ver­setzt haben, sich grund­lich und umfas­send mit dem Thema zu beschäf­tigen und sich darauf ein­zu­stellen.

Viele Ver­eine wissen zum gegen­wär­tigen Zeit­punkt nicht, ob sie die Qua­li­fi­ka­tion zur 3. Liga schaffen. Manche werden erst am 31. Mai wissen, wie es weiter geht. Spon­soren halten sich daher mit festen Zusagen bis dahin zurück. Das wirkt sich erheb­lich negativ auf die Pla­nungs­si­cher­heit der Klubs aus. Wie steht der DFB den Klubs zur Seite und hilft, wenn ein Spon­so­ren­loch bleibt?

Das ist doch ein alter Hut, was sollen denn dann die Ver­eine der zweiten Liga sagen, von denen sich auf Grund der Tabel­len­si­tua­tion 12 auch für die 3. Liga beworben haben.

Bis Mitte Juli wird es einigen Ver­einen nicht gelingen, sich wirt­schaft­lich ent­spre­chend den Anfor­de­rungen in der 3. Liga auf­zu­stellen. Wäre es denkbar, dass der DFB Klubs in schwie­rigen Situa­tionen mit Aus­nah­me­ge­neh­mi­gungen beim Sta­dion hilft oder – wie Ver­treter einiger Ver­eine for­dern – mit einem Son­der­zu­schuss zur Finan­zie­rung des ersten Jahres in der 3. Liga?

Dazu muss das Ergebnis des Zulas­sungs­ver­fahren abge­wartet werden. Mög­lich ist ja, dass Ver­eine Bedin­gungen zu einem bestimmten Datum erfüllen müssen.

Warum hat der DFB die neue 3. Pro­fi­liga in seinen Händen und nicht die DFL, die in Sachen Mar­ke­ting und Spon­so­ring bereits einen nach­weis­lich guten Job gemacht hat?

Der DFB ist sehr wohl in der Lage den Aufbau einer Marke 3. Liga zu betreiben und damit auch die best­mög­liche Vor­aus­set­zung für die Ver­mark­tung zu schaffen.

Einige Klubs bemän­geln, dass sie nicht in dem Ver­bund der Marke Bun­des­liga“ ver­marktet werden, weil es für viele Fans und Spon­soren eine Auf­wer­tung wäre, wenn ihre Kicker mit dem Bun­des­liga-Logo auf­laufen?

Die Posi­tio­nie­rung findet unter dem Dach des DFB statt, logisch dem­nach, dass wir für den Aufbau einer eigenen Marke auch ein spe­zi­elles Logo ent­wi­ckelt haben.

Ist es geplant, dass die Ver­mark­tung der 3. Liga lang­fristig auch von der DFL über­nommen wird?

Das Thema stellt sich nicht.

Nach dem ersten Jahr 3. Pro­fi­liga können alle 2. Mann­schaften der Pro­fi­teams in die 3. Liga auf­steigen. Ist das Sze­nario denkbar, dass diese Klasse eines Tages nur noch aus 2. Mann­schaften besteht? Wie würde der DFB dazu stehen?

Es gibt die klare Ver­ab­re­dung, dass wir uns die Ent­wick­lung anschauen und dann ggfs. mit den Gre­mien von DFB und DFL in Gespräche ein­treten.

Träumen Sie mal: Wie wird die 3. Liga in 5 Jahren auf­ge­stellt sein und von den Men­schen wahr­ge­nommen werden?

Im Fuß­ball führen Träu­me­reien meis­tens in die ver­kehrte Rich­tung. Wir arbeiten daran, die 3. Liga mit­tel­fristig als sport­lich und wirt­schaft­lich erfolg­reiche im deut­schen Fuß­ball zu posi­tio­nieren.

Damit die 3. Liga ein voller Erfolg wird – was muss auch der DFB noch drin­gend ver­bes­sern?

Zunächst einmal fangen wir mal an, dazu ist eine opti­male Pla­nung Vor­aus­set­zung, und die ist gegeben. Dann werden wir genau beob­achten, wo Hand­lungs­be­darf ent­steht, um darauf schnell und fle­xibel zu reagieren.

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