Eine Hor­ror­mel­dung treibt die andere vor sich her. Stünd­lich neue Hiobs­bot­schaften von den Börsen dieser Welt, von den Befind­lich­keiten renom­mierter Banken, die schon gefallen sind oder nur dank starker finan­zi­eller Hilfen gestützt werden können. Und im Zuge dieser unheil­vollen Ent­wi­ckung auch Fragen an die umsatz­stärkste Sparte des deut­schen Sports: Muss die Fuß­ball-Bun­des­liga den Gürtel enger schnallen, um dem Ruin zu ent­gehen?



Einige Klubs sind oder waren mehr oder minder stark mit Banken ver­ban­delt. DWS war der Haupt­sponsor des VfL Bochum, die Com­merz­bank ist Namens­geber des frü­heren Frank­furter Wald­sta­dions, das Nürn­berger Sta­dion nennt sich easy­Credit Arena, der Ham­burger SV spielt in der Nord­bank Arena, die Hypo­Ver­eins­bank ist einer der wich­tigsten Partner von Bayern Mün­chen, die Spon­soren-Rang­liste des SV Werder Bremen wird von der Citi­bank ange­führt, deren enge Ver­bin­dung durch die Tri­kot­wer­bung doku­men­tiert wird.

Sind die Nächte der zustän­digen Ver­eins­funk­tio­näre nun unru­higer geworden, fühlen sich die Finanz­ver­walter durch die all­ge­meine Krise diverser Geld­in­sti­tute um den Schlaf gebracht?

»Ich warne davor, Ängste her­bei­zu­reden«


»Ein­deutig nicht«, bekräf­tigt VfL Bochums Vor­stand Thomas Ernst. »Wir haben keine Angst vor Rie­sen­aus­fällen, denn der ehe­ma­lige Haupt­sponsor DWS hat sich als Pre­mium Partner kleiner gesetzt. Und die Spar­kasse ist bei dem Thema Finanz­krise, so weit ich weiß, außen vor.« Im Gegen­satz dazu könnte Bre­mens Partner Citi­bank betroffen sein, weil sich durch den Ver­kauf der Citigroup der Name ändern könnte. Doch das, so Wer­ders Mar­ke­ting-Chef Man­fred Müller, ist für den Verein nicht rele­vant: »Wir haben einen Ver­trag bis 2010, mit Option, und wenn sich der Name durch den neuen Käufer ändert, muss der die alten Ver­pflich­tungen über­nehmen«, sagt Müller, der ganz all­ge­mein jedoch ein­räumt: »Es wird Dellen geben, das ist doch ganz klar. Aber ich warne davor, Ängste her­bei­zu­reden und Ent­wick­lungen zu dra­ma­ti­sieren. Es gab immer ein Auf und Ab, doch die Bun­des­liga wird von Abwärts­ent­wick­lungen nicht so stark betroffen sein, weil die Summen, um die es bei uns geht, zu den Mil­li­ar­den­be­trägen in einem ver­schwin­dend geringen Ver­hältnis stehen«, betont Müller, der auf län­ger­fris­tige Sicht gesehen ganz prin­zi­piell fest­stellt: »Wer ver­kaufen will, wer seine Pro­dukte auf dem Markt plat­zieren will, muss werben. Und dazu bietet die Bun­des­liga eine her­aus­ra­gende, eine ideale Platt­form.«

Mül­lers nord­deut­sche Gelas­sen­heit kor­re­spon­diert mit der des West­falen Rein­hard Rau­ball, dem Prä­si­denten von Borussia Dort­mund und Chef der Deut­schen Fuß­ball-Liga: »Ich glaube nicht, dass die Bun­des­liga von der aktu­ellen Finanz­krise so sehr betroffen sein wird wie etwa die eng­li­sche Erst­liga. Die steht stark unter Feuer, weil einige Klubs von Spon­soren über­nommen worden sind und jetzt von den Banken erheb­lich stärker domi­niert werden als die Bun­des­liga«, sagt Rau­ball, der als erfah­rener Jurist und Wirt­schafts-Experte die Situa­tion aller­dings kei­nes­wegs schön redet: »Ein all­ge­meiner wirt­schaft­li­cher Abschwung geht natür­lich auch nicht an uns vorbei. Doch ich ver­mute, dass die Aus­wir­kungen dann in erster Linie in den VIP-Berei­chen, bei der Anmie­tung von Logen zu spüren sind.«

Aber auch das sind nur Hyo­thesen, wie Rau­ball sagt: »Wir beob­achten die Ent­wick­lung, aber wir haben uns noch nicht bis ins letzte Detail damit befasst, weil das Thema relativ frisch ist. Dass wir im Ernst­fall jedoch reagieren müssen, ist keine Frage. Schließ­lich können wir uns aus dem glo­balen Markt nicht lösen.«