Seite 2: „Klopp hat das gar nicht kapiert“

Wen meinen Sie mit wir?

Mich und die Repor­ter­kol­legen meiner Genera­tion. Früher gab es nur den Fuß­ball. Die Über­tra­gung hat mit dem Anpfiff begonnen und endete mit dem Schluss­pfiff. Wir haben dann mit den Vor- und Nach­be­richten ange­fangen. Solange die jour­na­lis­tisch getrieben sind, habe ich damit auch kein Pro­blem.

Was halten Sie von den Fiel­din­ter­views, bei denen Spie­lern unmit­telbar nach dem Schluss­pfiff ein Mikrofon unter die Nase gehalten wird?

Die finde ich prin­zi­piell schon gut. Dabei sind her­aus­ra­gende Momente ent­standen, bei denen Emo­tionen, der Cha­rakter eines Spie­lers durch­ge­kommen sind. Da darf es auch ruhig mal härter zur Sache gehen. Aber man sollte die Fiel­din­ter­views nicht zum Dogma erheben. Ins­be­son­dere bei Auf­zeich­nungen, da gibt es einige Inter­views nach Spiel­schluss, auf die man ver­zichten könnte, weil sie keine Aus­sage haben. Die meisten Spieler sind doch heute so geschult, dass sie nicht mehr sagen, was sie denken. Sie schalten sofort auf den Medi­en­modus, sobald man ihnen ein Mikrofon hin­hält.

Ist es nach einem Pokal­fi­nale leichter mit den Sie­gern als mit den Ver­lie­rern Inter­views zu führen?

Eigent­lich nicht.

Beim Pokal­fi­nale 2015 hat Sie Jürgen Klopp als dama­liger BVB-Trainer im Inter­view nach der Nie­der­lage seiner Mann­schaft gegen Wolfs­burg atta­ckiert – weil Sie aus seiner Sicht man­gelndes Ein­füh­lungs­ver­mögen für den Ver­lierer zeigten.

Das stimmte ja nicht. Es war ein Miss­ver­ständnis und lag sicher auch an der beson­deren Situa­tion. Es war Klopps letztes Spiel als BVB-Trainer. Er hat dann im Gespräch immer wieder her­aus­stellen wollen, dass vor allem der Schieds­richter Schuld an der Nie­der­lage hatte. Irgend­wann war es dann genug, zumal die Zeit auch davon­lief.

Was Sie ihm mit den Worten Es ist nun aber, wie es ist“ signa­li­sierten.

Ich wollte die kurze Zeit, die ich da noch hatte, nutzen und Jürgen Klopp einen guten Abschied gestalten und ihn auf ein paar BVB-Fans auf der Tri­büne hin­weisen, die sich vor uns auf einem Trans­pa­rent für sieben tolle Jahren bedanken wollten. Aber Klopp hat das gar nicht kapiert. Und ich war über­rascht, dass er eine Attacke gegen mich fuhr. Aber damit muss man leben. Das sind die Emo­tionen, von denen ich vorher gespro­chen habe und die ich mir häu­figer in den Inter­views wün­sche. Prin­zi­piell glaube ich schon, dass man als Reporter im Umgang mit Ver­lie­rern mit­füh­lend sein muss. Aber wenn man wie ich seit frü­hester Kind­heit Sportler war, weiß man, wie sich Ver­lieren anfühlt. Die Sen­si­bi­lität dafür ist ganz sicher nicht ver­loren gegangen.