Seite 3: „Die Entwicklung von RB Leipzig ist beschämend für manch Traditionsverein“

Sie spra­chen vom Medi­en­modus, in den die Fuß­ball­profis der heu­tigen Genera­tion bei Inter­views schalten. Hat man es als Reporter in anderen Sport­arten leichter?

Vom Grund­satz her eigent­lich nicht. Aber es ist schon so, dass sich ein Gespräch bei­spiels­weise mit einem Hand­baller oder einem Leicht­ath­leten häufig anders ent­wi­ckelt als mit einem Fuß­ball­profi – weil Ers­tere nicht jeden Tag inter­viewt werden. Sie reagieren in der Regel offener.

Beschäf­tigt sich eigent­lich der Fern­seh­mo­de­rator wie der Trainer nach dem Spiel mit der Video­ana­lyse, um Fehler zu erkennen und daraus für das nächste Spiel zu lernen?

Wenn man mit dem Job anfängt auf jeden Fall. Aber inzwi­schen muss ich mir nicht mehr am nächsten Tag die Auf­zeich­nung anschauen, um zu erkennen, was viel­leicht nicht so gut gelaufen ist. Das weiß ich sofort nach der Sen­dung. Ich meine damit nicht Ver­spre­cher oder Black­outs, son­dern Dinge, die dem Zuschauer wahr­schein­lich gar nicht auf­ge­fallen sind, wenn ich im Gespräch nicht dort hin­ge­kommen bin, wo ich eigent­lich hin wollte. Auch über eine unglück­liche Wort­wahl kann ich mich schwer ärgern. Oh Mann, warum hast du das gesagt, frage ich mich dann und bin auch bereit, mich dafür manchmal zu zer­flei­schen.

Beim Spieler ist die Tages­form mit­ent­schei­dend – beim Mode­rator auch?

Anfangs, wenn man neu im Job ist, dann schon. Da ist es wichtig, wie man sich fühlt. Aber je mehr Rou­tine man hat, desto weniger kommt es auf die Tages­form an. Trotzdem sind auch in unserem Metier echte Höhe­punkte nur in bester Ver­fas­sung mög­lich.

Bei Ihrem letzten Spiel könnte RB Leipzig seinen ersten großen Titel holen – ein Graus für viele Fuß­ball­tra­di­tio­na­listen.

Es ist ein Alb­traum – ein Alb­traum für Tra­di­ti­ons­ver­eine wie den Ham­burger SV. Der hat in den ver­gan­genen Jahren wahr­schein­lich nicht viel weniger Geld aus­ge­geben – oder sagen wir ver­brannt – als RB Leipzig. Leipzig hat vor­ge­macht, was man errei­chen kann, wenn man einen ver­nünf­tigen Plan hat. Beim HSV war alles schon da, bei­spiels­weise die her­vor­ra­gende Fan­struktur. In Leipzig musste alles erst auf­ge­baut werden. Die Ent­wick­lung von RB Leipzig ist beschä­mend für manch Tra­di­ti­ons­verein. 

Haben Sie sich denn schon Ihre Worte am Ende der Über­tra­gung vom Pokal­fi­nale über­legt? Gibt es zum Abschied ein Wie­der­sehen vor der Kamera mit ihrem lang­jäh­rigen kon­ge­nialen Partner Günter Netzer?

Er wird sicher nicht im Bild auf­tau­chen. Dann würden wir beide im Mit­tel­punkt stehen. Und das wäre mir eher pein­lich. Ich habe mich ja schon am ver­gan­genen Samstag nach über 30 Jahren Sport­schau in der gebo­tenen Kürze ver­ab­schiedet. Und so soll das auch beim Pokal­fi­nale sein. Es wird auch ohne mich weiter Fuß­ball gespielt. Und es wird auch ohne mich weiter Fuß­ball über­tragen.