Seite 2: „Eine Sprache, die die Leute verstehen“

… Effen­berg? 
Genau der. Er stand andert­halb Meter von mir ent­fernt. Und wissen Sie was? Selbst der sah richtig ängst­lich aus, ganz blass. Als das Orchester-Play­back begann, konnte ich über­haupt nichts hören, so laut war es. Gott­sei­dank fiel das auch den Ton­leuten auf, die drehten die Musik noch lauter. Der Chor musste einen halben Takt über­springen und wir bekamen gerade noch den Ein­satz.

Einer Ihrer größten Momente als Musiker?
Ja. Es war so wild, ver­rückt und groß­artig. Das Erlebnis für all die Fans im Sta­dion und die Mil­lionen am Fern­seher noch stei­gern zu können, war ein schönes Gefühl.

Wenn Sie Ihre Hymne mit drei Adjek­tiven beschreiben müssten, welche wären das? 
Das ist schwer. Mal sehen … Also: erhe­bend. (kurze Pause) Zugäng­lich. Und … (län­gere Pause) Sagen wir: inspi­rie­rend. Ich will nicht ver­messen klingen, aber diesen Zweck soll sie erfüllen.

Warum funk­tio­niert klas­si­sche Musik in diesem Fall besser als ein moderner Jingle? 
Weil sie zeitlos ist. Sie ist eine Sprache, die die Leute ver­stehen. Wenn Sie einen zeit­ge­nös­si­schen Song schreiben, dann wird der in einem Jahr ver­altet sein. Als die Cham­pions League überall bekannt geworden war, for­derten die Sender moderne Ver­sionen der Hymne. Wir gingen wieder ins Studio und nahmen eine Rock-Ver­sion auf, eine Funk-Ver­sion und eine Disco-Ver­sion. Aber keiner wollte sie am Ende haben. Alle ent­schieden sich für die Urfas­sung.

Haben Sie mal Beschwerden von Ver­fech­tern der Hoch­kultur bekommen, weil Sie Händel miss­braucht haben? 
Wenn es sie gab, dann nicht direkt an mich. Ich finde auch, dass man auf­passen muss, Klassik nicht bil­liger zu machen, durch schlechte Sänger etwa. Aber ich habe über­haupt keinen Zweifel, dass Händel gesagt hätte: Oh, gut für dich, mein Junge! 

Erhalten Sie immer Tan­tiemen, wenn die Hymne gespielt wird? 
Ja, von der UEFA. Die über­tra­genden Sender bezahlen ja hor­rende Summen. Das biss­chen, das für mich abfällt, nehme ich also keinem weg.