Jan-Henrik Grus­zecki, Sie haben heute als Fan­ver­treter an den Gesprä­chen mit der DFL teil­ge­nommen. Wie ist Ihr Fazit nach dem Treffen?
Wir sind weder zufrieden noch ent­täuscht. Beide Seiten haben in den ver­gangen zwei­ein­halb Stunden fest­ge­stellt, dass es einen hohen Rede­be­darf gibt. Sowohl über die Gescheh­nisse der ver­gan­genen Monate als auch in Zukunft, das ist schon einmal eine Menge wert. Aber natür­lich haben wir heute noch keine kon­kreten Ergeb­nisse erzielt. Es war eher ein retro­spek­tives Abtasten. Jeder konnte hinter ver­schlos­senen Türen deut­lich und teil­weise auch selbst­kri­tisch sagen, was ihn zuletzt gestört hat.

Was waren die Kon­tro­versen?
Die Kom­mu­ni­ka­tion um das Sicher­heits­kon­zept der DFL lief gründ­lich schief. Die DFL hat bei den Ver­einen zu viel vor­aus­ge­setzt. In einer so kurzen Zeit ist es Ver­einen wie Dort­mund, Schalke und Bayern unmög­lich, mit ihrer rie­sigen Anhän­ger­schaft halb­wegs kon­sens­fähig über Sicher­heits­be­schlüsse zu dis­ku­tieren. Inso­fern war das Sicher­heits­kon­zept auch als Dis­kus­si­ons­grund­lage ein­fach ein über­has­teter Schnell­schuss. Von den Inhalten ganz zu schweigen: Es ist nicht richtig, Frei­heiten und Grund­rechte ein­zu­schränken, weil diese von man­chen Leuten falsch genutzt werden.

Wie geht es jetzt weiter?
Ende März wird es ein wei­teres Treffen geben. Das nächste Treffen wird sicher­lich auch stra­te­gi­scher und vor­wärts­ge­wandter. Vor dem Hin­ter­grund des noch prä­senten kom­mu­ni­ka­tiven und sym­bo­li­schen Desas­ters des 12. Dezember war es schwer mög­lich, weit in die Zukunft zu bli­cken.

Haben die Fans kon­krete Ziele?
Uns ist es wichtig, nicht nur Anti“ zu sein. Wir wollen mit­tel­fristig eine Kom­mis­sion bilden, die der DFL ein Kon­zept mit Vor­schlägen für die Fan­freund­lich­keit von Fuß­ball­sta­dien unter­breiten soll, um dar­aufhin kon­krete Ergeb­nisse zu errei­chen. Andreas Rettig hat in einem taz“-Interview zu Recht moniert, dass die Sicher­heits­de­batte von der VIP-Tri­büne aus geführt wurde. Dem wollen wir nun ein­ver­nehm­lich ent­gegen wirken.

Inwie­weit ist die DFL offen für Vor­schläge aus dem Fan­lager?
Ich glaube, dass die DFL durch die 12:12“-Proteste ver­standen hat, wie wichtig Fans für den Fuß­ball sind. Ich bin halb­wegs opti­mis­tisch, dass wir der DFL mit Vor­schlägen bera­tend zur Seite stehen können. Fuß­ball ohne Fans funk­tio­niert nicht.

Wie bewerten Sie die Gesprächs­be­reit­schaft der DFL?
Andreas Rettig behält auf jeden Fall seinen Ver­trau­ens­vor­schuss, denn es war defi­nitiv ein Schritt in die rich­tige Rich­tung. Aber trotzdem bleiben wir auf dem Tep­pich, denn zuvor gab es schon einen Mara­thon in die fal­sche Rich­tung. Zufrieden sind wir erst nach wirk­li­chen Ergeb­nissen. Ver­spre­chen kann man viel.

Glauben Sie, dass sich das Ver­hältnis zwi­schen Fans und Ver­bänden jetzt grund­le­gend ver­än­dert?
Es war keine Revo­lu­tion, und wir stehen wieder ganz am Anfang. Der Schritt zu dieser Art von Gespräch war bereits vor Jahren über­fällig, aber ich glaube, dass sich die DFL inzwi­schen ihrer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­fi­zite bewusst ist. Fest­halten kann man, dass Andreas Rettig einen guten Ein­stand als DFL-Geschäfts­führer hat.