Herr Schober, fürchten Sie schon um Ihre Posi­tion als zweiter Tor­hüter, wenn Sie hören, dass Schalke 04 mit Oliver Kahn ver­han­delt?

Nein, der Oliver hat seine aktive Kar­riere beendet und wird andere Posi­tionen bekleiden. Außerdem ist ja noch keine Ent­schei­dung gefallen.



Wie sehr beein­träch­tigen die Que­relen im Umfeld die Mann­schaft?

Die Mann­schaft geht ganz normal damit um. Bei solch einer wich­tigen Ent­schei­dung, wie die Ent­las­sung eines Mana­gers, ist es logisch, dass das auch in der Öffent­lich­keit dis­ku­tiert wird. Wir Spie­lern müssen damit pro­fes­sio­nell umgehen.

Das täg­liche Trai­ning ver­läuft also normal?

Das ist da gar kein Thema, wir müssen ja unsere Arbeit machen. Natür­lich bekommen wir alles am Rande über Zei­tung oder Fern­sehen mit, aber die täg­liche Trai­nings­ar­beit ist auf keinen Fall beein­flusst.

Werder Bremen hat bei glei­chen Zielen noch“ weniger Punkte auf dem Konto. Ver­stehen Sie eigent­lich die ganze Kritik auf Schalke, wenn bei Werder dagegen Ruhe herrscht?

Das ist Schalke 04. Es wird alles in der Öffent­lich­keit breit­ge­treten, dass muss man wissen – und damit muss man umgehen können, wenn man bei Schalke arbeitet. Es auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite zeigt es aber auch, dass Schalke ein sehr inter­es­santer Verein ist.

Hat man die Sai­son­ziele inzwi­schen neu defi­niert?

Wir wollen wei­terhin inter­na­tional spielen.

Am Sonntag geht es gegen den Ham­burger SV.

Wir brau­chen jeden Zähler, das ist klar. Natür­lich wollen wir am Samstag drei Zähler ein­fahren, auch wenn das keine leichte Auf­gabe wird, wie man ges­tern Abend gesehen hat.

Haben Sie das Spiel gegen Gala­ta­saray ges­tern Abend mit der Mann­schaft gesehen?

Nein, zu so später Stunde ist man zu Hause in den eigenen vier Wänden. Ich habe ein­ge­schaltet – als mich meine Frau mal gelassen hat – und genau den rich­tigen Zeit­punkt erwischt, als der HSV gerade das Spiel gedreht hat.

Nach dem letzten Heim­spiel wurden Sie trotz eines Sieges von den eigenen Fans aus­ge­pfiffen. Was erwarten Sie am Sonntag von den Anhän­gern?

Letzte Woche in Wolfs­burg haben wir ver­loren, und die Fans haben geklatscht. Wenn ich ganz ehr­lich bin, möchte ich lieber drei Punkte haben und aus­ge­pfiffen werden. Aber ich denke, dass das Ver­hältnis zwi­schen Fans und Mann­schaft wieder auf einem bes­seren Weg ist, wenn man gesehen hat, wie wir in Wolfs­burg unter­stützt wurden und wie sich die Mann­schaft rein­ge­kniet hat.

Die Hier­ar­chien im Schalker Tor sind klar ver­teilt. Gibt es trotzdem einen Kon­kur­renz­kampf?

Natür­lich, es gibt immer einen Kon­kur­renz­kampf, egal auf wel­cher Posi­tion. Ich habe am Freitag wieder gezeigt, dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde. Ich habe eine ordent­lich Leis­tung gezeigt, denke ich, auch wenn ich vier Gegen­tore kas­siert habe.

Wie sehr schmerzt es, wenn man als zweiter Tor­hüter eine Ein­satz­chance erhält und dann so abge­schossen wird?

Das ist richtig bitter!

Am Wochen­ende ist Manuel Neuer wieder fit?

Bis jetzt hat er trai­niert – und wenn ich ihm nichts ins Essen tue, wird er spielen. (lacht)

Hoffen Sie noch auf einen Ein­satz in dieser Spiel­zeit, oder sind Sie froh, wenn Manuel Neuer alle Par­tien absol­vieren kann?

Ich wäre sicher­lich froh, wenn Manuel alle Par­tien absol­vieren kann. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn der Trainer sagt, dass ich spiele, so ist das nicht. Er soll mög­lichst gesund bleiben, doch das ich spielen möchte, ist ja klar.

Kommen Erin­ne­rungen an das Jahr 2001 zurück, wenn Sie am Sonntag auf den HSV treffen?

Nein, ich war ja nur ein Jahr nach Ham­burg aus­ge­liehen und habe dann sechs schöne Jahre in Ros­tock gehabt. Mitt­ler­weile bin ich ja auch schon im zweiten Jahr auf Schalke, also da denke ich wirk­lich keine Sekunde mehr dran.

Es lief für Sie sehr unglück­lich im Spiel mit dem HSV gegen die Bayern.

Ich habe eigent­lich sehr gut gehalten und dann hat der Schieds­richter leider in der Nach­spiel­zeit, die eh viel zu lang war, eine unglück­liche Ent­schei­dung getroffen.

Haben Sie im Spiel daran gedacht, dass es für Ihren eigent­li­chen Verein, Schalke 04, um die Meis­ter­schaft geht?

Wäh­rend des Spiels kon­zen­triert man sich nur auf das Spiel. Aber vorher war schon klar, dass, wenn wir gewinnen und Schalke gleich­zeitig Unter­ha­ching schlägt, die Schalker Deut­scher Meister sind. Ich war vorher zehn Jahre auf Schalke und nur aus­ge­liehen. Von daher war es dop­pelt bitter, dass prak­tisch meine Mann­schaft nicht Meister geworden ist.

Was war Ihr erster Gedanke, als Patrick Anderson den indi­rekten Frei­stoß in die Maschen drosch? War es mehr das Gegentor, das schmerzte, oder waren Sie mit Ihren Gedanken gleich im Park­sta­dion?

In der Situa­tion kam alles zusammen. Wenn man ein Tor fängt, ist das immer doof, gerade in so einem wich­tigen Spiel. Ich wusste ganz genau, was dieses Gegentor bedeu­tete.

Können Sie sich noch in die Situa­tion ver­setzen, als der Rück­pass auf Sie zuge­rollt kam?

Es war ja kein Rück­pass – und ich kann mich auch nicht mehr daran erin­nern. Als Tor­hüter muss man solche Situa­tionen schnell abhaken.

Sie hatten danach nicht mit Schuld­ge­fühlen zu kämpfen?

Damals war es ja auch so, dass Rudi Assauer und Huub Ste­vens klar in der Öffent­lich­keit ihr Bekenntnis abge­geben haben, dass der Schieds­richter eine fal­sche Ent­schei­dung getroffen hat. Sie wussten ganz genau, dass ich alles dafür getan hätte, dass Schalke 04 Deut­scher Meister wird.

Können Sie sich die Bilder aus dem Park­sta­dion heute noch ansehen?

Mir reicht das, was meine Freunde und Bekannten mir erzählt haben und was Sie erlebt haben.

Gibt es heute noch nach­tra­gende Fans?

Nein, jeder weiß, dass ich durch und durch Schalker bin. Wer sollte das Ding Schalke mehr gegönnt haben als ich? Ich hätte die Schale per­sön­lich mit dem Fahrrad von Ham­burg nach Gel­sen­kir­chen gefahren.

Sie sind jetzt 32, somit im besten Tor­war­talter. Trotzdem haben sie bei Schalke, wo Manuel Neuer die klare Nummer Eins ist, einen Vier­jah­res­ver­trag unter­schrieben. Reizt es Sie nicht, nochmal als Nummer Eins zu spielen?

Das kann ich doch auf Schalke auch. Ich habe ja auch am Anfang der Saison gespielt. Wer weiß, was pas­siert wäre, wenn ich nicht einen Mus­kel­fa­ser­riss in der Wade gehabt hätte.