Seite 4: „Der FC Bayern war für uns ein Feindbild“

Sie erlebten in Köln den jungen Chris­toph Daum als Trainer. Was zeich­nete ihn zu Beginn seiner Kar­riere aus? 
Er war damals sehr inno­vativ, was das Trai­ning und die Moti­va­tion anbe­traf. Vor dem Spiel in Bremen hat er 40 Tau­send­mark­scheine an die Kabi­nentür geklebt, unsere Meis­ter­schafts­prämie. Er hat aber auch immer viel Wert auf Taktik gelegt, war einer meiner besten Trainer.

Kurz vor dem Sai­son­fi­nale 1988/89 insze­nierte er seinen legen­dären Gast­auf­tritt im ZDF-Sport­studio. Wie haben Sie die Sti­che­leien von Daum gegen Heynckes ver­folgt?
Das ging über die gesamte Saison, es gab immer wieder neue Brand­herde und das hat uns auch irgendwo moti­viert. Der FC Bayern war für uns Kölner Spieler ein Feind­bild. Wir hatten in dieser Zeit ein enormes Selbst­ver­trauen. Es war nie die Frage, ob wir gewinnen würden, son­dern nur, wie. Die Mann­schaft bestand aus hoch­ka­rä­tigen Spie­lern wie Bodo Ill­gner, Jürgen Kohler, Paul Steiner, Thomas Häßler, Pierre Litt­barski, Morten Olsen und Flem­ming Povlsen.

Im ent­schei­denden Spiel gegen die Bayern am 31. Spieltag haben Sie aller­dings 1:3 ver­loren. 
Es war eine Menge Hass auf dem Platz. Bis zur 80. Minute stand es 1:1, nachdem ich die Bayern-Füh­rung aus­ge­gli­chen hatte. Daum setzte alles auf eine Karte und nahm Jürgen Kohler vom Feld. Dessen Gegen­spieler Roland Wohlfarth hat dann das Spiel ent­schieden, zwei Tore erzielt. Und das war gleich­zeitig die Ent­schei­dung um die Meis­ter­schaft.

Drei Wochen später wurden Sie immerhin Tor­schüt­zen­könig, zusammen mit dem Bayern-Mit­tel­stürmer. 
Eigent­lich wäre ich es alleine geworden. Ich war aber im letzten Spiel gegen Saar­brü­cken ver­letzt, und Roland Wohl­fahrt hat am 34. Spieltag noch vier Tore geschossen, beim lockeren 5:0 gegen den VfL Bochum. Der Kicker“ musste in diesem Jahr also aus­nahms­weise zwei Tor­jä­ger­ka­nonen her­stellen lassen.

Der 1. FC Köln hat Sie 1989 nicht wei­ter­be­schäf­tigt, obwohl Sie Bun­des­liga-Tor­schüt­zen­könig waren. Wieso lan­deten Sie mit 29 Jahren in der zweiten fran­zö­si­schen Liga? 
Mein Bruder spielte bereits in Frank­reich, wech­selte gerade von Mar­seille nach Bor­deaux. Und ich dachte eigent­lich, ich komme auch zu einem Erst­li­gisten. Damals gab es aber noch ein Rele­ga­ti­ons­spiel des Viert­letzten gegen den Vierten der zweiten Liga. Es war eigent­lich undenkbar, dass Racing Straß­burg dieses Spiel ver­lieren könnte. Genau das pas­sierte aber, und ich fand mich in der zweiten Liga wieder. Die Ver­träge waren bereits unter­schrieben.

Wie prä­sent war Ihr Straß­burger Prä­si­dent, der Mode­schöpfer Daniel Hechter? 
Er kam zu unseren Spielen immer aus Paris ange­flogen, mit dem Pri­vatjet. Er war eine mar­kante Person in der Mode­branche, ziem­lich klein und immer mit Zigarre im Mund. Ich hatte schon elf Spiele gemacht, als der 1. FC Köln plötz­lich eine höhere Trans­fer­summe ver­langte, als ver­trag­lich ver­ein­bart war.

Wie reagierte Hechter, der eigent­lich mit 1,8 Mil­lionen rech­nete, auf die For­de­rung von drei Mil­lionen Mark? 
Er nutzte die Gele­gen­heit, um mich vor die Tür zu setzen. Sport­lich hatte ich bis zu dem Zeit­punkt nicht über­zeugt. So kam es 1990 in der Bun­des­liga zur Lex Thomas Allofs“, die andere Klubs später als Wett­be­werbs­ver­zer­rung aus­legten. Ich durfte aus­nahms­weise wäh­rend der Saison ein zweites Mal wech­seln.

Sie kehrten in der Win­ter­pause in die Bun­des­liga zurück, zu For­tuna Düs­sel­dorf. Wie war der Team­geist dort inzwi­schen, ein paar Jahre nach Karl Hei­del­berger? 
Wir waren vom Kader her eigent­lich ganz gut auf­ge­stellt, viel­leicht so gut wie noch nie am Flinger Broich. Im Sturm spielten außer mir Michael Preetz, Uwe Fuchs und Bernd Klotz. Ich merkte aber schnell: Die Mann­schaft war intern zer­stritten. Es bil­deten sich Grüpp­chen.

Sie erlebten in Düs­sel­dorf trotzdem Ihren dritten Früh­ling. Wel­chen Ein­druck gewannen Sie von Trainer-Zam­pano Alek­sandar Ristic? 
Er hatte die Zügel immer in der Hand. Dann wech­selte er aber über Nacht zum FC Schalke 04, und es kam Pepi Hickers­berger, der auch mal Fünfe gerade sein ließ. Er gestat­tete uns auf und neben dem Platz viele Frei­heiten. Das Ergebnis: Wir star­teten mit rekord­ver­däch­tigen 0:12 Punkten in die nächste Saison.

Auf Hickers­berger folgte wieder ein Trainer von altem Schrot und Korn … 
Rolf Schaf­stall erzählte mir immer etwas von arbeiten, arbeiten, arbeiten – dabei bin ich nie ein fauler Spieler gewesen. Es war ganz schnell klar: Er suchte ein pro­mi­nentes Opfer. Nur wenige Zeit später sus­pen­dierte er mich, zusammen mit Jörg Schmadtke, Tony Baffoe und Sven Demandt. Es folgte der lang­same Nie­der­gang der For­tuna. Wir hatten alleine in der Saison 1991/92 vier Trainer.

Nach ihrem zweiten Kreuz­band­riss waren Sie 1992 Sport­in­va­lide, mit gerade einmal 32 Jahren. 
Die erste Dia­gnose lau­tete noch Kap­sel­ein­riss im Knie, was ledig­lich zwei Monate gedauert hätte. Dann stellte sich aber heraus, dass es ein Kreuz­band­riss war. Ich habe dann fast ein Jahr alleine wei­ter­trai­niert, bis ich end­gültig ein­sehen musste, dass das Knie instabil blieb. So furios alles begonnen hatte, so sang- und klanglos ging es zu Ende.

Nach Ihrem Kar­rie­re­ende waren Sie erst einmal weit weg vom Fuß­ball. Wie kam es, dass Sie zur For­tuna zurück­kehrten? 
2002 war die For­tuna auf dem Tief­punkt, viert­klassig. For­tuna-Schatz­meister Werner Ses­ter­henn hat mich damals am Telefon ein­dring­lich gebeten, dem Klub mit meinem Namen zu helfen. Ich habe dann erst einmal ehren­amt­lich als sport­li­cher Leiter gear­beitet.

Wie gelang es in der pre­kären Lage, den Klub wieder auf die Beine zu stellen? 
Die Toten Hosen haben geholfen, die For­tuna wieder nach vorne zu bringen, als krea­tiver Tri­kot­sponsor. Wir haben in der vierten Liga mehr Tri­kots ver­kauft als man­cher Bun­des­li­gist.

Sie hatten ja auch mal ein Pferd gemeinsam mit Ihrem Bruder. Was wurde aus dem poten­ti­ellen Galopper des Jahres? 
Wir hatten uns in den acht­ziger Jahren ein Fohlen gekauft. Leider ist es andert­halb­jährig ein­ge­gangen. Sein Name war Weser­t­raum.